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In Berlin werden derzeit vermehrt tote oder geschwächte Wasservögel wie Höckerschwäne und Kormorane an und in Gewässern sowie auf Eisflächen gefunden. Diese Beobachtungen sorgen bei vielen Bürgerinnen und Bürgern für Besorgnis. Ein Teil dieser Verluste ist jedoch eine begleitende Erscheinung strenger Winterperioden und aus naturschutzfachlicher Sicht kein ungewöhnlicher Vorgang. Vor eigenständigen Rettungsversuchen von eingefrorenen Wasservögeln wird dringend gewarnt.
Anhaltender Frost, vereiste Gewässer und eingeschränkte Nahrungsverfügbarkeit stellen insbesondere geschwächte Tiere vor große Herausforderungen. Nicht alle Vögel überstehen diese extremen Bedingungen. Auch wenn der Anblick toter Tiere belastend sein kann, handelt es sich häufig um die natürliche Sterblichkeit, die in strengen Wintern erhöht ist. Verschärfend kommt hinzu, dass geschwächte Tiere anfälliger für Infektionen sind – in Berlin wurde vor kurzem bei einigen Schwänen Aviäre Influenza (Vogelgrippe) nachgewiesen.
Wichtig: Keine eigenständigen Rettungsversuche bei Schwänen
Vor allem werden derzeit viele Höckerschwäne gemeldet, die scheinbar oder auch tatsächlich im Eis festgefroren sind. Schwäne kommen in der Regel auch mit vereisten Flächen gut zurecht. Bei Kälte reagieren Wasservögel zudem mit der Absenkung ihres Stoffwechsels und verharren bewegungslos. Außerdem schafft aufgeplustertes Gefieder eine isolierende Luftschicht und die Bürzeldrüse produziert ein öliges Sekret, das die Tiere vor Kälte und dem Festfrieren schützt. Unter extremen Witterungen können jedoch kranke, verletzte und immobile Wasservögel im Eis einfrieren. Von eigenständigen Rettungsversuchen wird in allen Fällen unbedingt abgeraten, denn sie gefährden die Helfenden und können auch die Tiere stark stressen. Die Eisdecke ist nicht stabil, so dass die Bergung von sterbenden und toten Schwänen auf dem Eis selbst für die Wasserpolizei und Feuerwehr schwierig und gefährlich ist. Die Feuerwehr ist aufgrund der akuten Wetterlage mit anderen Einsätzen ausgelastet und kann sich nicht um möglicherweise festgefrorene Wasservögel kümmern.
Aviäre Influenza (Vogelgrippe)
In diesem Winter wurden mehrere tote Wasservögel in Berliner Gewässern gefunden, bei denen ein Zusammenhang mit der Vogelgrippe vermutet wird. Nach aktueller Datenlage konnte in 41 verendeten Wildvögeln in Berlin Vogelgrippe gesichert nachgewiesen werden, bei 14 weiteren Verdachtsfällen steht die Bestätigung des nationalen Referenzlabors im Friedrich-Loeffler-Institut noch aus. Auffällig ist gegenwärtig die hohe Zahl der vermutlich mit hochpathogener Aviärer Influenza infizierten Schwäne. Wasservögel wie Schwäne gelten als natürliche Wirte des Virus, und Ausbrüche treten häufig in der kalten Jahreszeit auf.
Da von der Vogelgrippe ein erhebliches Ansteckungs- und Übertragungsrisiko ausgeht, gilt:
• Tote oder offensichtlich kranke Vögel nicht anfassen
• Hunde in Wassernähe an der Leine führen
Was tun bei einem verendeten Vogel?
• Wer tote Wasser-, Raben- oder Greifvögel findet, kann den Fund den zuständigen Veterinärämtern des Bezirks melden, damit die Tiere untersucht werden können.
• Landwehrkanal: das Veterinäramt Friedrichshain-Kreuzberg ist über die Situation der Schwäne am Landwehrkanal bereits informiert und im Einsatz.
• Singvögel und Tauben gelten als nicht anfällig für den Vogelgrippe-Erreger, sodass eine Untersuchung in der Regel nicht notwendig ist. Wie alle verendeten Wildtiere sollten aber auch diese Vögel nicht berührt werden.
• In öffentlichen Bereichen kann die Polizei (Tel. 110) informiert werden, die die Meldung weiterleitet.
• Beratung erhalten Sie beim Netzwerk Wildtiernah Berlin telefonisch (030) 5 168 168; http://www.wildtiernahberlin.de
Wasservögel bitte nicht füttern
Generell ist es in Berlin laut § 34 Absatz 4 Satz 1 Landesjagdgesetz Berlin verboten, jagdbare Arten zu füttern. Darunter fallen auch Vogelarten wie zum Beispiel Höckerschwäne, Wildgänse und Wildenten. Wird trotzdem vor Ort gefüttert, kann sich durch die Ansammlung der Tiere im Wasser die Ansteckungsgefahr für jedes Tier massiv erhöhen. Auch aus Gründen der Seuchenprävention sollte das Fütterungsverbot ernst genommen werden.
Verantwortungsvoller Umgang schützt Mensch und Tier
Die Behörden behalten die Situation im Blick und untersuchen gemeldete Funde entsprechend. Durch umsichtiges Verhalten und das Befolgen dieser Hinweise können Bürgerinnen und Bürger dazu beitragen, die Ansteckungsgefahr für Menschen, Haustiere und wildlebende Tiere zu verringern. Eine Bergung entkräfteter oder toter Vögel erfolgt unter Einhaltung von Schutzmaßnahmen von den zuständigen Behörden, sobald die Wetterlage dies gefahrlos zulässt.
Silke Voigt-Heucke
Koordinatorin Wildtiernah Berlin (Leibniz-IZW)
Telefon: +49 (0)1511 2805901
E-Mail: voigt-heucke@izw-berlin.de
Verendeter Schwan in Berliner Stadtgewässer
Source: Jon A. Juarez
Copyright: Leibniz-IZW/Jon A. Juarez
Verendete Schwäne
Source: Jon A. Juarez
Copyright: Leibniz-IZW/Jon A. Juarez
Criteria of this press release:
Journalists
Biology, Environment / ecology, Social studies, Zoology / agricultural and forest sciences
transregional, national
Miscellaneous scientific news/publications, Transfer of Science or Research
German

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