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02/11/2026 13:58

EFI-Gutachten 2026: Forschung und Innovation als Sicherheitsfaktor für Deutschland

Kathrin Haimerl Abteilung Kommunikation
Universität Passau

    Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) hat heute ihr Jahresgutachten an die Bundesregierung überreicht. Stellvertretende Vorsitzende des Gremiums ist die Innovationsökonomin Prof. Dr. Carolin Häussler von der Universität Passau. Im Gutachten rät die Expertenkommission unter anderem dazu, die Mittel für Sicherheit und Verteidigung gezielt effektiv und effizient einzusetzen, um sie als Katalysator für Innovationen zu nutzen. So können sie auch zu einem strategischen Hebel für technologischen Fortschritt, Resilienz und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit werden.

    Vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen und der damit verbundenen strategischen und technologischen Herausforderungen widmet sich die EFI in ihrem neuen Gutachten unter anderem ausgewählten Aspekten sicherheitsrelevanter Forschung und Innovation. Sie sieht hier erheblich Nachholbedarf und betont, dass es nicht reiche, nur Mittel bereitzustellen, sondern wichtige strukturelle Anpassungen vorgenommen werden müssen.

    Sicherheitspolitische Strategiefähigkeit stärken

    „In Deutschland sollten die sicherheitspolitisch relevante Forschung und Lehre sowie der damit verbundene Wissenstransfer gestärkt werden“, sagt die stellvertretende EFI-Vorsitzende, Prof. Dr. Carolin Häussler von der Universität Passau. „Wir benötigen wissenschaftliche Leuchttürme, die sicherheitspolitisch relevante Themen bearbeiten und Wissen mit geeigneten Kanälen in die Politik transferieren.“ Die Kommission betont deren Bedeutung als Grundlage für informierte politische Entscheidungen in sich wandelnden Bedrohungslagen.

    Kreis der Akteure bei sicherheitsrelevanter Forschung und Innovation erweitern

    Die EFI-Vorsitzende, Prof. Dr. Irene Bertschek vom ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, konstatiert: „Neue technologische Lösungen zur Bewältigung sicherheitspolitischer Herausforderungen werden nicht notwendigerweise von den etablierten Akteuren hervorgebracht. Um neue wissenschaftliche und unternehmerische Potenziale zu erschließen, sollte der Kreis der Akteure, die sicherheitsrelevante Forschung und Innovation betreiben, erweitert werden.“

    Seitens der Unternehmen besteht durchaus Interesse, sich stärker im Sicherheitsbereich zu engagieren. Eine im September 2025 im Auftrag der EFI durchgeführte Befragung ergab, dass 15,9 Prozent der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes Produkte oder Dienstleistungen in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung anbieten; gut die Hälfte von ihnen (8,3 Prozent) plant hier eine Intensivierung. Bei 6,1 Prozent der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe umfasst das Produkt- oder Dienstleistungsportfolio zwar noch nicht die Bereiche Sicherheit oder Verteidigung, aber eine entsprechende Ausweitung des Portfolios ist vorgesehen.

    Strukturen für Vernetzungs- und Kooperationsaktivitäten können dazu beitragen, die Potenziale von bisher nicht im Sicherheitsbereich tätigen Akteuren zu erschließen. Das neue Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding beispielsweise bietet die Möglichkeit, die Kooperation zwischen Forschungs- und Innovationsakteuren und der Bundeswehr zu verbessern. Die Bundeswehr sollte zudem eine Strategie für Gründungen aus der Bundeswehr entwickeln.

    Potenziale der innovationsorientierten Beschaffung von Verteidigungsgütern nutzen

    „Angesichts sich wandelnder Bedrohungslagen ist es für Abschreckung und Verteidigung von hoher Bedeutung, dass die Beschaffungen für die Bundeswehr sowohl rasch als auch innovationsorientiert erfolgen“, betont Häussler. Die EFI begrüßt deshalb, dass das im Januar dieses Jahres beschlossene Bundeswehrbeschaffungsbeschleunigungsgesetz nicht nur darauf abzielt, Beschaffungen für die Bundeswehr zu beschleunigen, sondern auch Regelungen zu Innovationspartnerschaften, Markterkundungen, funktionalen Leistungsbeschreibungen und Wettbewerben enthält. „Es gilt nun“, so Häussler, „die vergaberechtlichen Möglichkeiten des neuen Bundeswehrbeschaffungsbeschleunigungsgesetzes für eine innovationsorientierte Beschaffung aktiv zu nutzen.“

    Entstehung von Sprunginnovationen forcieren

    Gerade im Verteidigungsbereich sind Sprunginnovationen von zentraler Bedeutung. „Deutschland muss hier technologisch vorne mitspielen“, so Prof. Dr. Häussler. Die Entstehung von Sprunginnovationen im Verteidigungsbereich sollte, so die Empfehlung der EFI, außerhalb der klassischen Beschaffungsstrukturen und -prozesse durch den Ausbau der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND oder durch die Gründung einer eigenständigen Agentur gefördert werden. Diese Agentur kann dann strategische Partnerschaften mit Agenturen sowohl anderer EU-Staaten als auch anderer NATO-Staaten schließen oder zu einer europäischen Agentur ausgebaut werden.

    Transferpotenzial deutscher Hochschulen heben

    Neben sicherheitsrelevanter Forschung beschäftigt sich die EFI-Kommission im neuen Gutachten unter anderem auch mit dem Transferpotenzial deutscher Universitäten und Hochschulen. Ein Ergebnis: Wissenschaftliche Publikationen stehen im Hinblick auf ihr Potenzial als Basis für Innovationen den Publikationen US-amerikanischer Universitäten kaum noch nach. Doch die Kommission stellt auch fest, dass viele der Anmelder der Patente, die auf deutschen Forschungsergebnissen aufbauen, aus dem Ausland stammen. Prof. Dr. Häussler dazu: „Wenn die Wertschöpfung überwiegend im Ausland stattfindet, bleiben Wachstumschancen für Deutschland ungenutzt.“

    Zur Person

    Prof. Dr. Carolin Häussler ist Inhaberin des Lehrstuhls für BWL mit Schwerpunkt Organisation, Technologiemanagement und Entrepreneurship an der Universität Passau. Sie ist seit 2019 Mitglied der Expertenkommission Forschung und Innovation (EF). Im vergangenen Jahr wurde sie zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Prof. Dr. Häussler forscht unter anderem dazu, wie wissenschaftliche Erkenntnisse Impulse für Innovationen geben.

    Über die EFI Kommission

    Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) mit Sitz in Berlin leistet seit 2008 wissenschaftliche Politikberatung für die Bundesregierung und legt jährlich ein Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands vor. Wesentliche Aufgabe der EFI ist es dabei, die Stärken und Schwächen des deutschen Innovationssystems im internationalen und zeitlichen Vergleich zu analysieren und die Perspektiven des Forschungs- und Innovationsstandorts Deutschland zu bewerten. Auf dieser Basis entwickelt die EFI Vorschläge für die nationale Forschungs- und Innovationspolitik.


    Contact for scientific information:

    Prof. Dr. Carolin Häussler
    Lehrstuhl für BWL mit Schwerpunkt Organisation, Technologiemanagement und Entrepreneurship
    Universität Passau
    Mail: Carolin.Haeussler@uni-passau.de


    Original publication:

    https://www.e-fi.de/fileadmin/Assets/Gutachten/2026/EFI_Gutachten_2026_27126.pdf


    More information:

    Video-Interview mit Prof. Dr. Carolin Häussler zum Jahresgutachten 2026
    https://www.digital.uni-passau.de/beitraege/2026/efi-gutachten-2026 Beitrag im Digitalen Forschungsmagazin der Universität Passau


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    Criteria of this press release:
    Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars
    Economics / business administration
    transregional, national
    Science policy, Transfer of Science or Research
    German


     

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