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02/12/2026 10:24

Neue Versorgungsmodelle und Forschung für krebskranke Kinder: Dresden startet wegweisende Projekte in Sachsen

Anne Vetter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden

    Anlässlich des Internationalen Kinderkrebstages am 15. Februar macht das Kinderonkologische Zentrum am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden auf zwei neue, wegweisende Versorgungsprojekte aufmerksam, die in Sachsen gestartet sind. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen mit einer Krebserkrankung sowie ihren Familien unabhängig vom Wohnort einen Zugang zu bestmöglicher, universitärer Versorgung zu ermöglichen.

    Krebs im Kindes- und Jugendalter ist mit rund 0,5 Prozent aller Krebserkrankungen selten, hat jedoch aufgrund der langen Lebenserwartung und der möglichen Langzeitfolgen eine besonders hohe Bedeutung. Neben medizinischen Belastungen stellen hohe Besuchsfrequenzen in kinderonkologischen Zentren, weite Fahrtwege und organisatorische Herausforderungen für viele Familien eine erhebliche Zusatzbelastung dar.

    Das Kinderonkologische Zentrum am NCT/UCC Dresden unter der Leitung von Prof. Denis Schewe gehört zu den durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifizierten Zentren für Kinderonkologie. Hier werden alle Erkrankungen der Kinder-Hämatologie und -Onkologie behandelt, sowie Stammzelltransplantationen und moderne Zelltherapien durchgeführt. Jährlich kommen rund 100 Kinder und Jugendliche mit neuen Krebsdiagnosen an das Zentrum; das Einzugsgebiet reicht von Ostsachsen über Teile von Südbrandenburg bis ins Vogtland.

    „Kinder mit einer Krebserkrankung und ihre Familien stehen vor großen medizinischen und emotionalen Herausforderungen. Deshalb brauchen wir Versorgungsstrukturen, die sich konsequent am Alltag der Betroffenen orientieren“, sagt Prof. Denis Schewe.

    Digitale und mobile Versorgung für ganz Sachsen

    Mit dem Projekt Ped-Onko-SAX startete zum 1. Januar 2026 der Aufbau einer digitalen Versorgungsplattform für krebskranke Kinder in Sachsen. Die Plattform soll Telemedizin, Heimdiagnostik, kontinuierliches medizinisches und neuropsychologisches Monitoring sowie ein niedrigschwelliges Selbstmanagement ermöglichen. Ziel ist es, unabhängig vom Wohnort eine Versorgung auf universitärem Niveau zu ermöglichen und gleichzeitig Fahrtzeiten und somit die Belastungen für Familien zu verringern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der aktiven Einbindung von Patientinnen und Patienten sowie ihren Familien. Projektpartner sind die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Dresden, die MedicalSyn GmbH und der Sonnenstrahl e. V. Dresden. Die Förderung von Ped-Onko-SAX erfolgt im Rahmen des EFRE-Programms „Innovative Ansätze im Bereich der Gesundheits- und Pflegewirtschaft“ 2021 bis 2027.

    Ergänzend dazu entwickeln die Dresdner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Versorgungsforschung mit „KOMNET-SAX – KinderOnkologisches Mobiles Netzwerk“ ein innovatives Konzept zur wohnortnahen Versorgung. Seit Dezember 2025 wird die Konzeptphase durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert. Projektpartner sind die Kinderonkologien in Chemnitz und Cottbus, die Evangelische Hochschule Dresden, die Universitätsmedizin Magdeburg, die pro:med GmbH, sowie die Techniker Krankenkasse, die BARMER und die IKK-classic. Kernbestandteil des Konzepts sind Hausbesuche durch speziell qualifiziertes Pflegepersonal, die „Advanced Practice Nurses“ (APNs). „Mit Unterstützung dieser hoch spezialisierten und bestens ausgebildeten Fachpersonen wollen wir ambulante oder tagesklinische Vor-Ort-Visiten teilweise durch Hausbesuche ersetzen“, erläutert Prof. Schewe. So sollen gleichzeitig Kosten gesenkt und die Lebensqualität der Kinder verbessert werden. „Im Juni wollen wir den Vollantrag für dieses Projekt einreichen“, sagt er. Das beantragte Fördervolumen beträgt rund sechs Millionen Euro für vier Jahre.

    Therapieforschung: Weniger Toxizität, gleiche Wirksamkeit

    Parallel zur Versorgungsforschung ist die Entwicklung neuer Therapien ein zentraler Schwerpunkt am NCT/UCC Dresden. Leukämien machen fast 30 Prozent aller Krebserkrankungen bei Kindern aus. Zwar können heute rund 90 Prozent der betroffenen Kinder geheilt werden, die Therapien gehen jedoch häufig mit schweren Langzeitfolgen wie neuro-kognitiven Einschränkungen, Wachstums- und Herzproblemen einher.

    Die Forschung konzentriert sich daher auf neue, gezieltere Behandlungsstrategien, vor allem bei akuter lymphoblastischer Leukämie (ALL). Dazu zählen antikörperbasierte Therapien, zielgerichtete Medikamentenkombinationen und präzisionsmedizinische Ansätze. Mithilfe funktioneller Genomik, unter anderem durch CRISPR-basierte Screenings, werden molekulare Angriffspunkte identifiziert sowie Mechanismen von Resistenz und Rückfällen untersucht.

    „Unser Ziel ist es, Kinder mit Leukämie wirksam zu heilen, ohne sie langfristig durch hochtoxische Therapien zu schädigen“, sagt Schewe. „Ich würde mir wünschen, dass Kinder mit Leukämien in zehn Jahren im Vergleich zu heute nur noch halb so viel Chemotherapie bekommen müssen und wir neue Therapieoptionen finden, die auch für andere Krebserkrankungen bei Kindern anwendbar sind.“

    „Fortschritte in der Kinderonkologie sind ohne eine starke, interdisziplinäre Forschung nicht denkbar“, betont Prof. Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät der TU Dresden und Direktorin der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie. „Als Radioonkologin habe ich regelmäßig Kontakt zu krebskranken Kindern und ihren Familien, vor allem vor dem Hintergrund der in Dresden angebotenen Protonentherapie. Es ist wichtig, Therapien weiterzuentwickeln, die nicht nur wirksam sind, sondern junge Patientinnen und Patienten langfristig möglichst wenig belasten.“

    Auch Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden und Experte für hämatologische Erkrankungen, unterstreicht die Bedeutung des Forschungsstandorts: „Gerade bei Leukämien im Kindesalter haben wissenschaftliche Innovationen in den vergangenen Jahrzehnten enorme Fortschritte ermöglicht. Entscheidend ist nun, neue, zielgerichtete Therapieansätze konsequent in die klinische Anwendung zu überführen.“

    Kontakt für die Medien:
    Anne-Stephanie Vetter
    Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus
    der Technischen Universität Dresden
    Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden
    Tel.: +49 (0) 351 458 17903
    E-Mail: anne-stephanie.vetter@tu-dresden.de
    www.tu-dresden.de/med


    Contact for scientific information:

    Prof. Denis Schewe
    Professor für Kinder- und Jugendmedizin, Schwerpunkt Pädiatrische Hämatologie und Onkologie
    Leiter des Kinderonkologischen Zentrums,
    Bereichsleitung Pädiatrische Hämatologie und Onkologie
    E-Mail: kinderonkologie@ukdd.de
    Kinderonkologisches Zentrum: www.ukdd.de/kio


    More information:

    https://www.nct-dresden.de. Das NCT/UCC Dresden ist eine gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden, der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden und des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR). Patientinnen und Patienten sind dabei Forschungspartner auf Augenhöhe.


    Images

    Die Mutperlen begleiten die Patientinnen und Patienten der Kinderonkologie durch die schwere Zeit der Untersuchungen, Eingriffe und Therapien. Jede Perle steht für einen besonderen Moment und schenkt den Kindern Kraft und Zuversicht.
    Die Mutperlen begleiten die Patientinnen und Patienten der Kinderonkologie durch die schwere Zeit de ...

    Copyright: Michael Kretzschmar

    Prof. Denis Schewe mit Kolleginnen und Kollegen während der Visite in der Kinderonkologie.
    Prof. Denis Schewe mit Kolleginnen und Kollegen während der Visite in der Kinderonkologie.

    Copyright: Michael Kretzschmar


    Criteria of this press release:
    Journalists
    Medicine
    transregional, national
    Research projects, Transfer of Science or Research
    German


     

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