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Innovationen in Diagnostik und Therapie entstehen nicht über Nacht. Intensive Forschung zum Immunsystem und zu Entzündungswegen sowie „revolutionäre“ neue Herangehensweisen zum Beispiel durch die Produktion monoklonaler Antikörper ermöglichten vor etwa 20 Jahren eine grundlegende Änderung bei der Behandlung chronischer Hautkrankheiten und beim malignen Melanom. Welche Meilensteine die letzten Jahre prägten und in welche Richtung die Forschung geht, sind Themen der Online-Pressekonferenz der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD) am 24.02.2026 zum Auftakt der DERMATOLOGIE kompakt + praxisnah KoPra (26. – 28.02.2026 in Leipzig).
Bis vor circa 20 Jahren waren die Therapien bei entzündlichen Dermatosen wie der Psoriasis oder bis vor 10 Jahren bei der atopischen Dermatitis wenig spezifisch. Bei beiden Erkrankungen kamen physikalische Maßnahmen wie die Phototherapie zum Einsatz oder es wurden wenig selektive medikamentöse Therapien mit Immunsuppressiva durchgeführt. „Diese Therapien waren relativ gut wirksam, aber oft war man durch Nebenwirkungen, wie z. B. einem mittelfristig erhöhten Risiko für die Entstehung von hellem Hautkrebs nach jahrelanger UV-Therapie oder nephro- bzw. hepatoxischen Reaktionen eingeschränkt“, erläutert Prof. Dr. med. Amir Yazdi, Generalsekretär der DDG und Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie, Uniklinik RWTH Aachen. Beim malignen Melanom stand bis circa 2010 nur die Chemotherapie zur Verfügung mit der bekannten Toxizität, aber ohne durchschlagenden Erfolg im metastasierten Stadium.
Dass sich die Therapie entzündlicher Hauterkrankungen grundlegend verändert hat, wurde durch eine gezielte biotechnologische Forschung und Entwicklung vor etwa zwei Jahrzehnten möglich. Die Identifikation von Entzündungsbotenstoffen stand im Zentrum. Forschende stellten fest, dass bei Krankheiten wie Psoriasis oder Neurodermitis bestimmte Botenstoffe des Immunsystems (Zytokine) wie TNF-alpha, Interleukin-17 oder IL-23 bzw. Interleukin-4 und IL-13 überaktiv sind. „Anstatt chemische Wirkstoffe im Labor zu mischen, nutzte man lebende Zellkulturen, um hochspezifische monoklonale Antikörper, Biologika genannt, zu produzieren. Das war ein Durchbruch in der Therapie“, sagt Yazdi. Im Jahr 2004 erfolgte die Zulassung der ersten Wirkstoffe für die Psoriasis – ein entscheidender Meilenstein, so die Einschätzung des Experten aus Aachen. Es folgten oral verfügbare Immunmodulatoren.
„Obwohl man nicht von einer Heilung bei Schuppenflechte oder Neurodermitis sprechen kann, so haben wir beispielsweise bei Psoriasis mittlerweile als Therapieziel die Besserung des Befundes bis zur nahezu kompletten Symptomfreiheit, die lange anhalten kann“, betont Yazdi. Das bedeutet, dass für zahlreiche Patientinnen und Patienten eine Vollremission über mehrere Jahre erreichbar ist. Bei der atopischen Dermatitis ist der Effekt noch nicht ganz so gut, aber die Kontrolle des Juckreizes ist beispielsweise heutzutage langfristig möglich.
Innovationen zur nicht-invasiven Bildgebung, die präoperativ Tumore evaluieren können (damit ist die präzise Bestimmung von Art, Größe, Ausbreitung und Bösartigkeit eines Tumors gemeint) und detaillierte Kenntnisse einer molekularen Signatur von Hauterkrankungen liefern, flankierten die medikamentösen therapeutischen Fortschritte. Mit diesen diagnostischen Methoden können histologisch schwer abgrenzbare Entitäten besser charakterisiert werden. „Innovativ ist zudem die Verknüpfung automatisierter Bildanalyse mit gut trainierter KI, die als Helfer bei der Diagnostik dient“, sagt Yazdi und verweist auf den Nutzen dieser Entwicklung für den Bereich der Prävention und positive Effekte für die Hautkrebsfrüherkennung.
In der Onkologie brachte zudem die sogenannte Checkpoint-Blockade eine entscheidende Wende: eine oder zwei immunologische Bremsen werden durch monoklonale Antikörper aufgehoben und der Tumor wird vom Immunsystem besser erkannt.
Wie stark sich die Behandlungsinnovationen abzeichnen, wird an dem 1-Jahresüberleben beim metastasierten malignen Melanom ablesbar, das in früheren Zeiten sehr gering war. „Heutzutage können viele Melanompatientinnen und -patienten viele Jahre in einer Vollremission überleben. Das sind enorme Fortschritte, die in Bezug auf Lebensqualität und Prognose erreicht wurden“, fasst der DDG-Generalsekretär zusammen.
„Forschung ist immer eine internationale Gemeinschaftsleistung. Im Bereich der verbesserten Diagnostik und der personalisierten Medizin, sowohl in der Onkologie wie auch bei den inflammatorischen Dermatosen, ist Deutschland sicherlich führend“, sagt Yazdi. In der Onkologie liefern deutsche Forschende zudem auch im Bereich der klinischen Studien wichtige Daten und Erkenntnisse für die klinische Versorgung. Außerdem gibt es in Deutschland mehrere Sonderforschungsbereiche, die von Dermatologinnen und Dermatologen geleitet werden, z. B. aus Lübeck, Heidelberg und Marburg, die fortlaufend neue Einblicke ermöglichen. Auch die Erkenntnisse zum Zusammenspiel von Mikrobiom und Immunsystem der Haut wurden zu großen Anteilen in Deutschland generiert.
Der „Team Effort“ zeigt sich auch interdisziplinär am Forschungsstandort Deutschland. „Die Rheumatologie, die Gastroenterologie, die Neurologie und auch die Pulmologie profitieren von Erkenntnissen der Dermatologie, genau wie die Dermatologie aus den immunologischen Erkenntnissen aus diesen Fächern großen Nutzen zieht“, betont Yazdi.
Zu den derzeit interessantesten Forschungsansätzen zählt Yazdi das Bestimmen molekularer Signaturen und Signale auf Einzelzellebene. „Durch Sequenzierungen werden wir komplexe seltene Hauterkrankungen und genetisch bedingte Dermatosen besser verstehen können“, so der Dermatologe. Therapeutisch ebenfalls hochinteressant sind zellbasierte Ansätze, wie die CAR-T-Zelltherapie, die bei Lupus und anderen Kollagenosen, eventuell zukünftig auch bei blasenbildenden Autoimmundermatosen bemerkenswerte Erfolge verzeichnen können. Auch bispezifische Antikörper, die einen dualen Wirkmechanismus haben – ein „Arm“ bindet beispielsweise an eine Tumorzelle, der andere „Arm“ an eine Immunzelle – können in der Dermatoonkologie, beim Melanom und auch bei Lymphomen, aber auch bei entzündlichen Erkrankungen bei Verwendung eines immunassoziierten Antigens eine Rolle spielen.
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Terminhinweis:
DERMATOLOGIE kompakt + praxisnah (KoPra)
Gemeinsame Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft e. V. (DDG) und des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen e. V. (BVDD) vom 26. – 28.02.2026 im Congress Center Leipzig
Hinweise zur Presseakkreditierung
Vorab-Registrierung endet am Fr, 20.02.2026.
Sie können sich ab dem 26.02.2026 auch vor Ort mit Ihrem Presseausweis oder einer Redaktionsbescheinigung (journalistische Redaktion/Verlag) anmelden und die Tagung besuchen.
Online-Pressekonferenz von DDG und BVDD
Termin: 24.02.2026, 11 bis 12 Uhr
Link zur virtuellen Teilnahme:
https://us06web.zoom.us/j/82878513610?pwd=Fa2NyXlweKgsgCRVpxrinURh2TGaWx.1
Kenncode: 371049
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Pressekontakt:
Deutsche Dermatologische Gesellschaft e. V. (DDG)
Dagmar Arnold
Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 30 246253-35
E-Mail: d.arnold@derma.de
https://derma.de/fileadmin/PDF-Dateien/Vorl%C3%A4ufiges_Programm_DDG_BVDD_Presse... Programm der Pressekonferenz
https://www.derma-tagungen.de, Tagungswebseite der KoPra 2026
https://www.derma.de, Webseite der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG)
Criteria of this press release:
Journalists
Medicine
transregional, national
Press events, Transfer of Science or Research
German

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