idw - Informationsdienst
Wissenschaft
Hof / Gefrees, Februar 2026 – Ein neues Forschungsprojekt zur nachhaltigen Wärmedämmung und Verbesserung der Raumakustik geht an der Hochschule Hof in die Umsetzung: Unter dem Titel „WAVE“ (Wärmedämmung und Akustikverbesserung durch Verwendung von Reststoffen als Füllstoffe in endkonturnahen 3D-Gewebestrukturen für textile Paneele) haben sich Hochschule und regionale Partner aus Oberfranken zusammengeschlossen, um funktionale textile Dämmlösungen auf Basis von regionaler Wolle zu entwickeln. Das Projekt, das Anfang des Jahres startete, soll zwei Jahre dauern und wird im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) gefördert.
„Mit WAVE greifen wir ein hochaktuelles Thema auf, bei dem ökologische Anforderungen, materialtechnische Innovation und regionale Wertschöpfung sinnvoll zusammengeführt werden“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Frank Ficker, Projektleiter und Leiter des Instituts für Materialwissenschaften (ifm) der Hochschule Hof.
Die Nachfrage nach ökologisch verträglichen Produkten für Wärmedämmung und Akustik steigt, denn viele herkömmliche Lösungen bestehen aus petrochemischen Rohstoffen, enthalten schwer trennbare Stoffverbunde und sind oft nicht recyclingfähig oder biologisch abbaubar. Der Markt fordert daher eine neue Generation von Dämmprodukten, die aus nachwachsenden oder recycelten Rohstoffen bestehen und ohne Klebstoffe oder kritische Additive auskommen und stofflich verwertbar oder kompostierbar bleiben – und das ohne Abstriche bei thermischer und akustischer Leistungsfähigkeit. Genau hier setzt das Forschungsprojekt WAVE an.
„Wir sehen hier einen klaren Bedarf am Markt, aber auch ein enormes ungenutztes Potenzial in regional verfügbaren Rohstoffen wie Wolle“, betont Isabell Korn, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ifm und Projektbearbeiterin. „Unser Ansatz ist es, diese Ressource gezielt funktional nutzbar zu machen und in ein marktfähiges textiles System zu überführen.“
Innovative Lösung: Textile 3D-Paneele aus regionaler Wolle
Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines vollständig textilen 3D-Paneelsystems, das sowohl thermische Dämmung als auch akustische Wirksamkeit vereint – und zwar auf Basis regional verfügbarer Wollfasern. Die textile Struktur verspricht neben hoher Funktionalität auch eine Gestaltungsfreiheit und mechanische Stabilität, die über klassische Dämmstoffe hinausgeht. Das Projekt adressiert dabei nicht nur die funktionalen Anforderungen an moderne Dämmmaterialien, sondern nutzt zugleich einen lokal vorhandenen Rohstoffüberschuss: Wolle, die in der Region anfällt und bislang kaum in funktionalen Bauprodukten genutzt wird.
„Textile Strukturen bieten die Möglichkeit, Funktion, Stabilität und Design in einem Materialsystem zu vereinen“, so Corinna Anzer, stellvertretende Projektleitung und Fachliche Leitung der Bereiche Weberei, Flechten und Garnentwicklung am Institut für Materialwissenschaften der Hochschule Hof (ifm). „Das eröffnet neue Wege für nachhaltige Dämm- und Akustiklösungen im Innenausbau.“
Vom Labor zur industriellen Anwendung
Der Entwicklungsprozess sieht eine Laborphase am ifm vor, in der funktionale textile Strukturen und Füllkonzepte erarbeitet und getestet werden. Anschließend folgt die Übertragung in den industriellen Maßstab bei der Möbelstoffweberei Reich e.K., begleitet von kontinuierlichem Wissensaustausch und Evaluierungen. Am Projektende soll ein marktreifer Prototyp stehen, der seine akustische und thermische Wirksamkeit nachweist und den Anforderungen moderner Innenausbaulösungen gerecht wird. „Für uns ist die enge Verzahnung von Forschung und Praxis ein zentraler Erfolgsfaktor“, sagt Claudia Schödel-Reich von der Möbelstoffweberei Reich e.K. „Die frühe Einbindung in den Entwicklungsprozess schafft die Basis dafür, dass aus einer guten Idee auch ein industriell umsetzbares Produkt wird.“
Chancen für den Innenausbau der Zukunft
Die aus dem Projekt hervorgehenden textilen Dämmpaneele könnten so künftig in Büro-, Bildungs- oder Kulturbauten eine nachhaltige Alternative zu konventionellen Produkten darstellen und einen Beitrag zu besserer Raumakustik, thermischer Behaglichkeit und ökologischem Bauen leisten. „Gerade im Innenausbau werden flexible, nachhaltige und gestalterisch ansprechende Lösungen zunehmend nachgefragt“, ergänzt Isabell Korn. Und weiter: „Textile Paneelsysteme können hier echte Mehrwerte bieten.“ Mit WAVE soll nun ein innovativer Lösungsansatz geliefert werden, der nachhaltige Materialnutzung, regionale Wertschöpfung und technologische Exzellenz verbindet – und damit ein positives Signal für die Zukunft der Textilindustrie in Oberfranken und darüber hinaus setzt.
Glücklicher Zufall beim TextilTreff Oberfranken
Die Projektidee entstand durch eine Begegnung bei einem „TextilTreff Oberfranken“, einer Netzwerkveranstaltung von Bayern Innovativ GmbH und dem Verband der Bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie e. V. (VTB), die regelmäßig zum Austausch über aktuelle Trends und Innovationen in der Textilindustrie einlädt. Der Austausch zwischen den Anwesenden der Weberei Reich, des ifm und Felix Meier von neowistra dort führte zur Initiative für einen gemeinsamen Forschungsantrag und zur anschließenden Bewilligung im Rahmen des ZIM-Programms. „Der TextilTreff hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig persönliche Begegnungen und offene Gespräche für Innovationen sind“, unterstreicht Prof. Dr.-Ing. Frank Ficker. Das innovative Projekt stärkt die regionale Textilindustrie und fördert den Wissenstransfer zwischen Hochschule, mittelständischem Handwerk und Technologieexperten.
Prof. Dr. Frank Ficker
Corinna Anzer
Criteria of this press release:
Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars, Students, Teachers and pupils, all interested persons
Construction / architecture, Economics / business administration, Environment / ecology, Materials sciences
transregional, national
Cooperation agreements, Research projects
German

You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.
You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).
Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.
You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).
If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).