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02/24/2026 10:45

Ukrainer zeigen geringeres Interesse an einer dauerhaften Auswanderung

Harald Schultz Kommunikation
Rockwool Foundation Berlin

    Unter den Ukrainern, die im Land geblieben sind, ist das Interesse an einer dauerhaften Auswanderung zu Beginn des Krieges stark zurückgegangen. Es liegt auch jetzt weit unter dem Vorkriegsniveau. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie von RFBerlin, die auf Gallup-Umfragen im Land basiert. Vor 2022 gaben etwa 30 bis 35 Prozent der erwachsenen Ukrainer an, dass sie gern dauerhaft ins Ausland ziehen würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Im Jahre 2022 sank dieser Anteil auf etwa 9,5 Prozent. Bis 2023–2024 hatte sich dieser Wert nur geringfügig auf etwa 13–15 Prozent erholt. Das ist immer noch weniger als die Hälfte des Durchschnittswerts vor dem Krieg.

    Dieser Rückgang ist breit angelegt und zeigt sich in allen Regionen, Altersgruppen, Geschlechtern und Familienständen.
    Deutschland bleibt gleichzeitig in den meisten Regionen der Ukraine das am häufigsten genannte Wunschziel für eine Auswanderung und festigt seine Position nach 2022, während Polen im Westen des Landes besonders an Bedeutung gewonnen hat.
    „Unsere Ergebnisse stellen die gängige Annahme in Frage, dass Krieg automatisch den Wunsch nach einer dauerhaften Auswanderung verstärkt“, sagt Christian Dustmann, Mitautor des Berichts und Professor am University College London. „Bei denjenigen, die in der Ukraine bleiben, beobachten wir nach Ausbruch des Krieges einen starken und anhaltenden Rückgang der Absicht, dauerhaft auszuwandern. Die Veränderungen in der Zusammensetzung der Bevölkerung aufgrund der Flüchtlingsströme allein können das Ausmaß des Rückgangs des Migrationswunsches nicht erklären. Es ist wahrscheinlich, dass externe Bedrohungen die Bedeutung der Gruppenzugehörigkeit erhöhen und die Identifikation mit der eigenen Gruppe stärken.“
    „Im Kontext eines Krieges legen Menschen möglicherweise mehr Wert auf nationale Zugehörigkeit, Solidarität und die wahrgenommene Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft. Dies kann die Attraktivität einer Auswanderung verringern, selbst wenn sich die materiellen Bedingungen verschlechtern“, fügt Mitautor Tommaso Frattini hinzu, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Mailand.
    Gleichzeitig sank zwar die Zufriedenheit mit dem aktuellen Leben nach 2022. Aber die Erwartungen an das Leben in fünf Jahren stiegen im Vergleich zu den aktuellen Einschätzungen deutlich an. Dies hat zu einem historisch großen Unterschied zwischen der aktuellen und der erwarteten Lebenszufriedenheit geführt, der auch bis 2024 hoch geblieben ist.
    Die Erwartungen an das Leben in fünf Jahren haben sich im Vergleich zu den aktuellen Bedingungen verbessert. Da deutet darauf hin, dass Auswanderungswünsche nicht nur von unmittelbaren Schwierigkeiten geprägt sind, sondern auch von der Überzeugung, dass es zu einer Erholung kommen wird und vom Vertrauen in die Zukunft des Landes.
    Die Studie stützt sich auf die jährlichen Daten der Gallup World Poll für den Zeitraum 2007–2024, die auf national repräsentativen Stichproben von Einwohnern der Ukraine basieren.


    Contact for scientific information:

    Prof. Christian Dustmann, 0044/ 7818 048 380; cd@rfberlin.com
    Auf Englisch und Italienisch: Prof. Tommaso Frattini, 0039/ 347/ 640 38 45; tf@rfberlin.com


    Original publication:

    "Four Years On: What Gallup Data Reveal About Staying, Leaving, and Life Expectations in Ukraine" von Christian Dustmann, Tommaso Frattini und Camilla Piovesan; basierend auf dem Gallup World Poll, 2007–2024; veröffentlicht hier: https://www.rfberlin.com/wp-content/uploads/2026/02/CReAMRFBerlin-RepFeb2026.pdf


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    Criteria of this press release:
    Journalists
    Economics / business administration, Social studies
    transregional, national
    Research results
    German


     

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