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Wissenschaft
Mit After Matter – A Gathering for Circular Un/Making präsentiert die Staatliche
Hochschule für Gestaltung Karlsruhe am 5.3.2026 die Abschlussveranstaltung des zweijährigen Forschungsprojekts Living Library, welches vom Bio Design Lab entwickelt wurde. Statt einen klaren Endpunkt zu markieren, greift die Veranstaltung den zirkulären Ansatz des Projekts auf: Sie bündelt Prozesse, Experimente und Kooperationen und öffnet sie zugleich für zukünftige Weiterentwicklungen
Die Living Library an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe ist ein transdisziplinäres, von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördertes, Projekt, das sich mit zirkulären Materialkulturen beschäftigt – durch praxisbasiertes Lernen, experimentelles Arbeiten und lokal gewonnene Biomaterialien.
Als hybrides System aus physischem Archiv und digitaler Plattform untersucht es, wie Materialien gewonnen, transformiert und schließlich in ökologische Kreisläufe zurückgeführt werden können. Am 5.3.26 findet nun die öffentliche Abschlussveranstaltung des Projekts an der HfG Karlsruhe statt.
Das Programm:
Das Rahmenprogramm umfasst Vorträge, Diskussionen, Performances und partizipative Formate.
Nach einer Einführung durch Julia Ihls (Projektleiterin, Bio Design Lab) spricht Franziska
Müller-Reissmann (Materialarchiv, ZHdK) über Boden als kulturelles Archiv, während
Carmen Donet und Lena Widmann die Urbanen Gärten vorstellen – ein Projekt, das
organische Abfälle in lokale Ressourcen überführt.
Im Abendprogramm reflektiert Katharina Mischer (mischer’traxler studio) über relationale
und kontextbezogene Designpraktiken. Yasmine Ostendorf-Rodríguez (Green Art Lab
Alliance) widmet sich regenerativen Ansätzen in Kunst und Materialpraxis aus einer
mykologischen Perspektive und rückt Kollaboration, Zersetzung und materielles 'Afterlife‘
in den Fokus.
Ein zentraler Programmpunkt ist der Launch der Living Library-Publikation, präsentiert
von Pleun van Dijk (Editorial Lead). Sie bündelt die Ergebnisse aus zwei Jahren
gestalterische Forschung und spiegelt die Prinzipien der Zirkularität sowohl inhaltlich als
auch in ihrer materiellen Umsetzung und offenen Zugänglichkeit wider.
Über die Vorträge hinaus aktiviert After Matter Materialkreisläufe auch sinnlich und
performativ: mit einem Live-Set von Soundkünstler Paul Bießmann, einem Kompost-
Ritual von Bioartist Fara Peluso und einer Map Decay-Performance von Designer Jaap
Knevel.
Ergänzend dazu realisiert The Other Archive eine Food-Performance, die Essenszubereitung und Nahrungsaufnahme als gestalterische und forschende Praxis versteht. Mit regionalen Zutaten und in enger Zusammenarbeit mit lokalen Produzent:innen macht sie die oft unsichtbaren Netzwerke, Ressourcen und Arbeitsprozesse von Ernährung erfahrbar.
Indem Kompostierung, Zerfall, Transformation – und auch Essen – als kulturelle wie
ökologische Praktiken verstanden werden, schlägt After Matter einen Perspektivwechsel
vor: weg von Extraktion und Dauerhaftigkeit, hin zu Kreisläufen, Fürsorge und
Regeneration.
Kontakt: Julia Ihls (Projektleiterin, Leitung Bio Design Lab)
Email: jihls@hfg-karlsruhe.de / livinglibrary@hfg-karlsruhe.de
Website: https://livinglibrary.hfg-karlsruhe.de/en
Social Media/Instagram: @biodesignlab_hfgk @hfg_ka
Ort: HfG Karlsuhe, Lorenzstraße 15, 76135 Karlsruhe – Erdgeschoss
Datum/Zeit: 05.03.2026, 16:00 – 22:00 Uhr
Vollständiges Programm:
Welcome and informal gathering
16:00 Uhr
Panel 1 – Reading the Ground: Soil, Memory, and Cycles
16:30 Uhr
Wie lässt sich der Boden unter unseren Füßen lesen? In dem Panel wird Boden als Ort von
Erinnerung reflektiert, an dem sich biologische, kulturelle und urbane Prozesse überlagern und sichtbar werden.
Gast: Franziska Müller-Reißmann: Soil as Living Archive
Franziska Müller-Reissmann leitet die Materialsammlung (Materialarchiv) an der Zürcher
Hochschule der Künste. Als Kunsthistorikerin und ausgebildete Tischlerin forscht sie zu
Materialästhetik und Nachhaltigkeit und lehrt in den Bereichen Design, Szenografie und
Kunstpädagogik.
In ihrem Vortrag untersucht sie Boden als lebendiges Archiv von Kultur, Erinnerung und
materiellen Kreisläufen. Ausgehend von Archäologie, Kompostierung und dem
Anthropozän fragt sie, wie Erde Wissen speichert — und welche nachhaltigen Zukünfte
daraus entstehen können.
Gast: Carmen Donet, Lena Widmann: Urbane Gärten
Urbane Gärten Karlsruhe gGmbH wurde 2021 gegründet, um die Essbare Stadt zu
fördern. An der Schnittstelle von Kunst, Design und ökologischem Gärtnern entwickelt die
Organisation partizipative Projekte in Umweltbildung und lokaler Stadtpraxis.
Gegründet von Lena Widman, die Design (BA) an der Freien Universität Bozen–Bolzano
und Web Science (MSc) an der Technischen Hochschule Köln studierte, sowie Carmen
Donet Garcia, die Philosophie, Kunstgeschichte und Medienkunst an der Hochschule für
Gestaltung Karlsruhe studierte.
In ihrem Beitrag stellen sie das Kompost Bike vor — einen emissionsfreien Lastenrad-
Service, der organische Abfälle in Karlsruhe sammelt, lokal kompostiert und als Humus
am Lernort FROG in den Anbau von Obst und Gemüse zurückführt. Indem urbane
Nährstoffkreisläufe geschlossen werden, wird Abfall als Ressource sichtbar und
Kompostierung als kulturelle Praxis für nachhaltige und resiliente Städte positioniert.
Moderation: Julia Ihls
Pause
17:30 Uhr
Panel 2 – From Objects to Relations: Designing Regenerative Futures
18:00 Uhr
Was passiert, wenn Design über Objekte hinausgeht? Diese Session untersucht
Praktiken, die Interdependenz, Zerfall und Zusammenarbeit als Grundlage zukünftiger
Gestaltung begreifen.
Gäste: Katharina Mischer (mischer’traxler studio) – Wandel im Werden
mischer’traxler studio ist ein vielfach ausgezeichnetes Designstudio mit Sitz in Wien,
gegründet 2009 von Katharina Mischer und Thomas Traxler. Ihre Arbeiten untersuchen
die Beziehung zwischen Mensch und Natur und bewegen sich zwischen Produktdesign,
interaktiver Kunst und Installation, wobei sie technologische und handwerkliche Ansätze
miteinander verbinden.
In ihrem Vortrag reflektiert Katharina Mischer über den Übergang zu achtsameren
Designpraktiken und verknüpft konzeptionelles Denken mit Materialexperimenten und
realisierten Projekten. Die Arbeiten zeigen eine Verschiebung von objektzentriertem
Design hin zu relationalen und kontextsensiblen Ansätzen und thematisieren
Verantwortung, Interdependenz sowie ein erweitertes Verständnis von Schönheit als
offenen Prozess.
Gast: Yasmine Ostendorf-Rodríguez (Green Art Lab Alliance) – Fertilizig the Future
Yasmine Ostendorf-Rodríguez ist Autorin, Kuratorin und Forscherin an der Schnittstelle
von Kunst und Ökologie. Sie ist Gründerin und Direktorin der Green Art Lab Alliance,
einem internationalen Netzwerk von Kunstorganisationen, das sich für soziale und
ökologische Gerechtigkeit durch kollaborative, vom Myzel inspirierte Modelle einsetzt. Sie
gründete und leitete unter anderem das Nature Research Department an der Jan van
Eyck Academie, das Van Eyck Food Lab sowie die Future Materials Bank und arbeitet
weltweit als Curator- und Writer-in-Residence.
In ihrem Vortrag untersucht sie regenerative Ansätze in Kunst und Materialpraxis aus
einer mykologischen Perspektive. Im Fokus stehen Kollaboration, Zersetzung und die
Nachleben von Materialien sowie die Frage, wie ein bewusster Umgang mit Zerfall neue
Perspektiven für Gestaltung und Zukunft eröffnet.
Moderation: Jaap Knevel
Die Vorträge werden auf englisch und deutsch hybrid stattfinden, gestreamt und sind für die breite Öffentlichkeit zugänglich.
Food Performance von The Other Archive –
19:00 Uhr
Living Library Publikation Release mit Pleun van Dijk
19:45 Uhr
Interaktives Performance Programm
ab 20:00 Uhr mit
Paul Bießmann – Soil Sounds
Paul Bießmann ist Musiker, Komponist und Digitalkünstler an der Schnittstelle von Kunst,
Musik und Technologie. Seine Arbeiten erforschen gezielt Reibungspunkte zwischen
diesen Bereichen und entstehen häufig in interaktiven und generativen Formaten: Das
Publikum wird Teil von Klanginstallationen, Sensoren erfassen Bewegungen, und
Smartphones fungieren als multiscreen-basierte Schwarm-Synthesizer. Er ist
Gründungsmitglied des interdisziplinären HIDALGO-Kollektivs und war Artist in Lab im
Fraunhofer-Netzwerk. Seine Arbeiten wurden unter anderem an der Bayerischen
Staatsoper, im Deutschen Museum München sowie beim Beethovenfest Bonn präsentiert.
In seiner Performance entwickelt er ein Live-Set für Modular-Synthesizer und Field
Recordings, aufgenommen mit Geo- und Hydrophonen. Zwischen synthetischen Bässen
und bröckelnder Erde entfaltet sich eine elektronische Klanglandschaft.
Fara Peluso – Compost Ritual
In diesem meditativen Ritual wird Kompost zu einem gemeinsamen Raum der
Transformation, in dem organisches Material nicht als Abfall, sondern als Anfang
verstanden wird. Durch kollektive Gesten des Loslassens, Schreibens und Einbringens in
den Boden setzen sich die Teilnehmenden mit Prozessen von Zerfall, Fürsorge und
Regeneration auseinander.
Das Ritual lädt dazu ein, persönliche und kollektive Zukunftsvorstellungen mit
ökologischen Kreisläufen zu verbinden — im Vertrauen auf unsichtbare Prozesse, in
denen Zersetzung zur Grundlage neuen Lebens wird.
Jaap Knevel – Map Decay
In diesem partizipativen Format wird die analoge Karte der Living Library gemeinsam
übermalt und transformiert. Als symbolischer Akt des Vergessens, Kompostierens und
Loslassens hinterfragt der Prozess die Vorstellung eines Archivs als etwas Festes und
Dauerhaftes. Durch kollektive Gesten des Übermalens und Überschreibens wird die Karte zu einem Ort des Übergangs — an dem Wissen nicht unverändert bewahrt, sondern neu verhandelt, zersetzt und für andere Bedeutungen geöffnet wird.
Open DJ Sets
ab 21:00 Uhr
Criteria of this press release:
Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars, Students, Teachers and pupils, all interested persons
Art / design, Cultural sciences, Environment / ecology, Teaching / education
transregional, national
Studies and teaching, Transfer of Science or Research
German

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