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Wissenschaft
Stuhltest und Darmspiegelung ähnlich wirksam in der Darmkrebsvorsorge
Zum Darmkrebsmonat März macht das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) auf die Ergebnisse einer neuen Studie aufmerksam: Sowohl regelmäßige Stuhltests als auch Vorsorge-Darmspiegelungen können die Zahl der Darmkrebserkrankungen und Todesfälle deutlich senken – bei konsequenter Teilnahme sind beide Strategien ähnlich wirksam.
Darmkrebs zählt in Deutschland nach wie vor zu den häufigsten Krebserkrankungen und ist eine der häufigsten krebsbedingten Todesursachen. In Deutschland können Frauen und Männer ab 50 Jahren zwischen zwei Angeboten der Darmkrebsvorsorge wählen: einem immunologischen Test auf Blut im Stuhl (FIT) alle zwei Jahre oder bis zu zwei Darmspiegelungen (Vorsorgekoloskopien) im Abstand von zehn Jahren. Nur, wenn der Stuhltest positiv ausfällt, ist eine Darmspiegelung erforderlich. Die langfristigen Auswirkungen dieser Optionen haben Forschende um Hermann Brenner vom DKFZ nun mithilfe eines etablierten Simulationsmodells untersucht.
Bis zu 80 Prozent weniger Darmkrebs-Todesfälle
Die Ergebnisse zeigen: Wenn die Vorsorgeangebote konsequent genutzt werden, lassen sich bis zu drei Viertel aller Darmkrebserkrankungen verhindern. Die Zahl der Todesfälle durch Darmkrebs kann sogar um mehr als 80 Prozent reduziert werden – unabhängig davon, ob die Vorsorge primär über den Stuhltest oder über die Vorsorgekoloskopie erfolgt. Besonders große Effekte ergeben sich, wenn beide Verfahren sinnvoll kombiniert werden, etwa Koloskopien in jüngeren Jahren und ergänzende Stuhltests im höheren Alter.
„Unsere Analysen zeigen sehr klar: Beide Vorsorgestrategien sind hochwirksam. Entscheidend ist nicht so sehr, welche Methode gewählt wird, sondern dass die Vorsorge von möglichst vielen Menschen genutzt wird“, sagt Studienleiter Hermann Brenner vom DKFZ.
Informierte Entscheidung und persönliche Präferenz
Die Studie unterstreicht, dass Menschen eine informierte Wahl treffen können: Die Vorsorgekoloskopie ist aufwendiger, bietet jedoch den Vorteil, dass Krebsvorstufen direkt erkannt und entfernt werden können. Der Stuhltest ist weniger invasiv und einfacher durchzuführen, muss dafür aber häufiger wiederholt werden. Eine Darmspiegelung ist nur bei einem positiven Testergebnis erforderlich. In ihrer Wirksamkeit gegen Darmkrebs sind beide Ansätze bei regelmäßiger Teilnahme vergleichbar.
Aus Sicht der Forschenden ist die hohe Teilnahme an der Darmkrebsvorsorge der entscheidende Faktor, um die Krankheitslast in Deutschland weiter zu senken. „Wenn alternative Angebote dazu beitragen, mehr Menschen zur Vorsorge zu motivieren, ist das ein großer Gewinn für die Krebsprävention und die öffentliche Gesundheit“, so Brenner.
In der aktuellen Analyse waren die die Forschenden von einer maximalen Nutzung der Vorsorgeangebote ausgegangen, um die maximalen möglichen Effekte darzustellen. Doch Hermann Brenner betont, dass die tatsächliche Gesamtnutzung der Darmkrebsvorsorge in Deutschland deutlich hinter den Teilnahmequoten zurückbleibt, die in Ländern wie den Niederlanden, Dänemark oder den USA erreicht werden. „Um dahinzukommen, braucht es gut organisierte Vorsorgeprogramme mit wiederholten persönlichen Einladungen sowie Maßnahmen, die die Vorsorge so einfach wie möglich gestalten, wie zum Beispiel die direkte Zusendung von Stuhltests oder das Angebot von Koloskopieterminen“, fasst der Präventionsexperte zusammen.
Dmitry Sergeev, Thomas Heisser, Michael Hoffmeister, Hermann Brenner: Koloskopie versus Test auf Blut im Stuhl versus keine Vorsorgeuntersuchung - Vergleichende Analyse der Langzeiteffekte
Dtsch. Ärzteblatt 2026, DOI: 10.3238/arztebl.m2025.0208
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, Interessierte und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.
Um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Patientinnen und Patienten zu verbessern, betreibt das DKFZ gemeinsam mit exzellenten Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland Translationszentren:
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT, 6 Standorte)
Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK, 8 Standorte)
Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg
Helmholtz-Institut für translationale Onkologie (HI-TRON) Mainz – ein Helmholtz-Institut des DKFZ
DKFZ-Hector Krebsinstitut an der Universitätsmedizin Mannheim
Nationales Krebspräventionszentrum (gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe)
Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.
Ansprechpartner für die Presse:
Dr. Sibylle Kohlstädt
Pressesprecherin
Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2843
E-Mail: S.Kohlstaedt@dkfz.de
E-Mail: presse@dkfz.de
www.dkfz.de
Criteria of this press release:
Journalists
Medicine, Nutrition / healthcare / nursing
transregional, national
Research results, Scientific Publications
German

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