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Auf ihrer Jahrestagung in Köln verlieh die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie vergangenes Wochenende gemeinsam mit dem Springer Medizin Verlag den Publikationspreis der Zeitschrift für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie (ZHTG) 2026. Preisträgerin Kinga Oleksiuk von der Charité Berlin wurde für ihren Artikel über das Potenzial von Künstlicher Intelligenz bei der postoperativen Behandlung von Patient:innen ausgezeichnet.
Brückenbauerin zwischen KI und Menschlichkeit
Eine Reise zurück in die Zeit der Pandemie: Corona beherrscht die Welt, Lockdowns prägen den Alltag, ein Virus bedroht das Leben vieler Menschen. Mitten in dieser Ausnahmesituation arbeitet Kinga Oleksiuk auf der kardiochirurgischen Intensivstation des Deutschen Herzzentrums der Charité. Die junge Gesundheits- und Krankenpflegerin versorgt täglich an COVID-19 erkrankte Patientinnen und Patienten in einer für die gesamte Welt nie dagewesene Ausnahmesituation.
Doch besonders in den Isolationszimmern fällt ihr etwas auf, das sie nicht mehr loslässt. Wenn Behandlungsmaterialien fehlen oder assistierende Unterstützung gebraucht wird, kostet das aufwendige An- und Ablegen der Schutzkleidung, um den Raum zu verlassen, wertvolle Minuten – Zeit, die sie lieber am Bett der Erkrankten verbringen würde.
In ihr keimt ein Gedanke auf: Könnte es nicht eine helfende Hand geben? Einen kleinen Roboter vielleicht, der selbstständig zwischen den Zimmern pendelt und Aufgaben übernimmt? Eine Unterstützung, die Freiräume schaffen könnte – und mehr Zeit für das Wesentliche ließe: die Patientinnen und Patienten.
Recherchereise in die Welt der Künstlichen Intelligenz
Die junge Pflegerin beginnt zu recherchieren. Sie taucht ein in die Welt der Künstlichen Intelligenz, wälzt Bücher und Studien – und ist fasziniert. Ein kleiner Roboter? Was zunächst wie ein niedlicher Wunsch klingt, ist längst Realität: Intelligente Pflegewagen oder robotische Service-Assistenten lassen sich vom Fachpersonal per Smartphone navigieren, nutzen Fahrstühle und transportieren Material, Wäsche oder Nahrungsmittel selbstständig.
Auf ihrer Recherche entdeckt Kinga Oleksiuk zahlreiche weitere KI-gestützte Hilfsmittel – und erklärt den möglichen Einsatz Künstlicher Intelligenz in der postoperativen Versorgung kurzerhand zum Thema ihrer Bachelor-Arbeit. Denn neben der Arbeit auf der kardiochirurgischen Intensivstation studiert sie „Erweiterte Klinische Pflege“ mit Schwerpunkt Anästhesie- und Intensivpflege – und schließt ihr Studium mit Bravour ab.
Kleiner Social-Media-Post wird zu erfolgreichem Artikel
Ihren Erfolg teilt sie auf LinkedIn. Ein Beitrag, der Dimitrios Stavridis sofort auffällt. Er ist Assistenzarzt an der Klinik für Herzchirurgie im Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen und Herausgeber der Rubrik „Leben“ der Zeitschrift für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie (ZHTG). Er erkennt das Potenzial für einen Artikel und kontaktiert Kinga Oleksiuk. „Ich habe mich sehr darüber gefreut“, erzählt sie. Aus der umfangreichen Bachelor-Arbeit entsteht ein kompakter Bericht, der die Brücke schlägt zwischen klinischer Realität und digitaler Zukunft. Überzeugend, sachlich, ohne erhobenen Zeigefinger zeigt Kinga Oleksiuk: Trotz allgemeiner Digitalisierung steckt die postoperative patientennahe Versorgung noch voller Entwicklungspotenzial – und konkrete innovative Lösungen könnten genutzt werden.
Kein Gegeneinander, sondern sinnvolle Ergänzung
Eine dieser Lösungen hat sie besonders beeindruckt: die Fähigkeit, die Schmerzintensität von Patient:innen einzuschätzen. Studien zeigen, dass KI-gestützte Analysen anhand von Gesichtsausdrücken die Stärke von Schmerzen oft präziser erkennen als Menschen oder traditionelle Messmethoden. Kinga Oleksiuk weiß: Solche Ergebnisse können bei Kolleg:innen auch Skepsis oder Unbehagen auslösen. Wie kann eine Maschine empathischer sein als ein Mensch? – eine natürlich berechtigte Frage. Doch dieser Schluss ist falsch. KI misst einfach anders: Sie erkennt minimale Muskelbewegungen und subtile Anspannungen im Gesicht und bewertet anhand erlernter Muster. Die menschliche Beobachtung dagegen ist oft subjektiv, geprägt von eigenen Erfahrungen, Gefühlen oder Stress.
In ihrem Artikel gelingt es Kinga Oleksiuk, KI und Mensch nicht gegeneinander auszuspielen. Wer ihren Text liest, merkt vor allem eines: Modernste Technik kann das Leben von Klinikpersonal und Patient:innen deutlich erleichtern – aber niemals die menschliche Zuwendung ersetzen. „Diese Botschaft ist mir sehr wichtig“, sagt Oleksiuk. „Ich möchte einfach meine Neugier auf diese neue Welt teilen – und sie bestenfalls weitergeben.“
Ausbildung, Bachelor, Master: Kinga Oleksiuk auf ihrem Karriereweg
Diese Neugier zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben: Mit 18 Jahren kam Kinga Oleksiuk aus Polen nach Deutschland, um hier ihre Pflegeausbildung zu machen. „Es war ein schwerer Schritt für mich damals, ganz allein in Deutschland. Doch auch aus der Ferne hatte ich immer den Rückhalt meiner Familie, die fest an mich geglaubt hat. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Umso mehr bedeutet ihr der Publikationspreis der DGTHG: „Er zeigt mir, dass sich alles gelohnt hat!“
Wer glaubt, die Erfolgsgeschichte von Kinga Oleksiuk sei hier zu Ende, irrt. Derzeit absolviert sie ein Masterstudium in Cybersecurity. Ihr Ziel ist klar: Nach Abschluss des Studiums möchte sie im Krankenhaus die digitale Sicherheit und den Schutz von Patientendaten stärken – ohne den Kontakt zu den Patient:innen zu verlieren. Auch hier gilt für sie dasselbe Prinzip wie zuvor: Brücken bauen und das Beste aus allen Welten zusammenführen.
Die DGTHG wünscht ihr auf diesem Weg viel Erfolg und gratuliert nochmals herzlich zum Publikationspreis.
DGTHG-Geschäftsstelle
030 519995691
sekretariat@dgthg.de
https://link.springer.com/article/10.1007/s00398-025-00711-3
https://dgthg.de/aktuelles/kinga-oleksiuk-erhaelt-dgthg-publikationspreis-2026/
Kinga Oleksiuk erhielt ihre Urkunde von Prof. Dr. Christian Heim
Source: Carla Riegler
Copyright: DGTHG/interplan
Criteria of this press release:
Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars, Students, all interested persons
Information technology, Medicine, Social studies, Teaching / education
transregional, national
Contests / awards, Scientific conferences
German

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