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Neue Werte des IMK Inflationsmonitors
Inflation im Januar für die meisten Haushaltstypen unter 2 Prozent – EZB muss dringend ihre Zinspause beenden
Die Inflationsrate in Deutschland lag im Januar 2026 mit 2,1 Prozent leicht über dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,0 Prozent, nachdem sie im Dezember leicht darunter gefallen war. Der Anstieg beruhte vor allem auf stärker gewachsenen Lebensmittelpreisen. Blickt man auf die Inflationsraten von neun exemplarischen Haushaltstypen, die sich nach Einkommen und Personenzahl unterscheiden, lag die Mehrzahl gleichwohl unterhalb von zwei Prozent.
Das gilt insbesondere für Haushalte mit niedrigen Einkommen, zeigt der neue monatliche IMK Inflationsmonitor.* Der zu erwartende Trend bei der Teuerung weist in diesem Jahr weiter leicht nach unten, so Dr. Silke Tober, Inflationsexpertin des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und Autorin des Inflationsmonitors. Während der Inflations-Ausblick für die nächste Zukunft damit unproblematisch ist, offenbart Tobers Auswertung im Vergleich der vergangenen Jahre ein weiterhin erhöhtes Preisniveau: Verglichen mit Januar 2020, also unmittelbar vor Beginn der Krisenzeit mit Coronapandemie und Ukrainekrieg, ist der Verbraucherpreisindex bis Januar 2026 um 23,0 Prozent gestiegen und damit gut zehn Prozentpunkte stärker als im Einklang mit dem EZB-Ziel gewesen wäre (zusammengerechnet 12,6 Prozent). Besonders deutlich ist in diesem Zeitraum das Preisniveau bei Nahrungsmitteln (38,1 Prozent) und, trotz Preisrückgängen in letzter Zeit, bei Energie (34,7 Prozent) angestiegen.
Für die Geldpolitik der Zentralbank sind indes die mittlerweile wieder entspannte Preisentwicklung – im Euroraum insgesamt lag die Inflation im Januar lediglich bei 1,7 Prozent – und die normalisierte mittelfristige Perspektive maßgeblich, betont Ökonomin Tober. Gleichzeitig belaste neben den US-Zöllen auch die massive Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar die Wirtschaftsentwicklung im Euroraum und insbesondere in Deutschland stark. Daher hält es die Autorin des IMK Inflationsmonitors für dringend erforderlich, dass die EZB ihre Zinspause beendet und den Leitzins weiter senkt. Das „selbstzufriedene Zurücklehnen“ der Zentralbank sei „gemessen an dem Auftrag der EZB deplatziert und gefährdet die künftige Wirtschaftskraft und den Wohlstand im Euroraum“, warnt Tober.
Das IMK berechnet seit Anfang 2022 monatlich spezifische Teuerungsraten für neun repräsentative Haushaltstypen, die sich nach Zahl und Alter der Mitglieder sowie nach dem Einkommen unterscheiden (mehr zu den Typen und zur Methode unten). In einer Datenbank liefert der Inflationsmonitor zudem ein erweitertes Datenangebot: Online lassen sich Trends der Inflation für alle sowie für ausgewählte einzelne Haushalte im Zeitverlauf in interaktiven Grafiken abrufen (Link unten).
Die längerfristige Betrachtung illustriert, dass Haushalte mit niedrigem bis mittlerem Einkommen von der starken Teuerung nach dem russischen Überfall auf die Ukraine besonders stark betroffen waren, weil Güter des Grundbedarfs wie Nahrungsmittel und Energie in ihrem Budget eine größere Rolle spielen. Diese wirkten lange als die stärksten Preistreiber. So betrug auf dem Höhepunkt der Inflationswelle im Oktober 2022 die Teuerungsrate für Familien mit niedrigen Einkommen 11 Prozent, die für ärmere Alleinlebende 10,5 Prozent. Alleinlebende mit sehr hohen Einkommen hatten damals mit 7,9 Prozent die mit Abstand niedrigste Inflationsrate.
Aktuell sind die Unterschiede weitaus kleiner und das Muster anders, weil sich zuletzt vor allem noch Dienstleistungen deutlich verteuert haben, die Haushalte mit höheren Einkommen stärker nachfragen als Ärmere. Trotz des etwas kräftigeren Anstiegs der Nahrungsmittelpreises hatten Familien und Alleinlebende mit jeweils niedrigen Einkommen im Januar mit je 1,6 Prozent im Haushaltsvergleich die niedrigste Inflationsrate. Am anderen Ende des Haushaltsvergleichs standen – mit geringem Abstand – Alleinlebende mit sehr hohen Einkommen sowie Familien mit hohen Einkommen. Im Januar lag deren Inflationsrate bei je 2,0 Prozent. Die Inflationsraten der übrigen fünf Haushaltstypen mit überwiegend mittleren Einkommen lagen mit 1,8 bzw. 1,9 Prozent dazwischen und knapp unter der EZB-Zielinflation (siehe die Abbildung in der pdf-Version dieser PM; Link unten). Dass aktuell alle vom IMK ausgewiesenen haushaltsspezifischen Inflationsraten leicht unter der Gesamtinflation liegen, wie sie das Statistische Bundesamt berechnet, liegt an unterschiedlichen Gewichtungen: Das IMK nutzt für seine Berechnungen weiterhin die repräsentative Einkommens- und Verbrauchsstichprobe, während Destatis seit Anfang 2023 die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung heranzieht.
-Informationen zum Inflationsmonitor-
Für den IMK Inflationsmonitor werden auf Basis der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamts die für unterschiedliche Haushalte typischen Konsummuster ermittelt. So lässt sich gewichten, wer für zahlreiche verschiedene Güter und Dienstleistungen – von Lebensmitteln über Mieten, Energie und Kleidung bis hin zu Kulturveranstaltungen und Pauschalreisen – wie viel ausgibt und daraus die haushaltsspezifische Preisentwicklung errechnen. Die Daten zu den Haushaltseinkommen stammen ebenfalls aus der EVS. Im Inflationsmonitor werden neun repräsentative Haushaltstypen betrachtet: Paarhaushalte mit zwei Kindern und niedrigem (2000-2600 Euro), mittlerem (3600-5000 Euro), höherem (mehr als 5000 Euro) monatlichem Haushaltsnettoeinkommen; Haushalte von Alleinerziehenden mit einem Kind und mittlerem (2000-2600 Euro) Nettoeinkommen; Singlehaushalte mit niedrigem (unter 900 Euro), mittlerem (1500-2000 Euro), höherem (2000-2600 Euro) und hohem (mehr als 5000 Euro) Haushaltsnettoeinkommen sowie Paarhaushalte ohne Kinder mit mittlerem Haushaltsnettoeinkommen zwischen 3600 und 5000 Euro monatlich. Der IMK Inflationsmonitor wird monatlich aktualisiert.
Dr. Silke Tober
IMK-Expertin für Geldpolitik
Tel.: 0211-7778-336
E-Mail: Silke-Tober@boeckler.de
Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de
*Silke Tober: IMK Inflationsmonitor: Deutsche Inflation steigt im Januar 2026 auf 2,1 %; Euroraum-Inflation mit 1,7 Prozent deutlich niedriger. IMK Policy Brief Nr. 209, Februar 2026. Download: https://www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?produkt=HBS-009339
Die PM mit Abbildung (pdf): https://www.boeckler.de/data/pm_imk_2026_02_26.pdf
Ergebnisse des Inflationsmonitors in interaktiven Grafiken: https://www.imk-boeckler.de/de/imk-inflationsmonitor-51365.htm
Criteria of this press release:
Journalists
Economics / business administration, Politics, Social studies
transregional, national
Research results, Scientific Publications
German

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