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Wie lassen sich nachhaltige Textilien auf dem europäischen Markt zur Norm machen und insbesondere kurzlebige Produkte vom Markt nehmen? Eine neue Studie des Öko-Instituts, der Hochschule Niederrhein und der Hochschule Hof im Auftrag des Umweltbundesamtes zeigt, wie sich Leistungs- und Informationsanforderungen für Textilien formulieren lassen, die künftig Teil der neuen EU-Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte sein könnten.
Der Fokus der Studie liegt auf zentralen Produktaspekten wie Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit und Rezyklatanteil sowie auf dem Vorhandensein besorgniserregender Stoffe. Als Beispielprodukte untersuchte das Forschungsteam T-Shirts, Jeans und Funktionsjacken – drei Produkte mit hoher Marktbedeutung und unterschiedlichen Anforderungen.
„Unsere Vorschläge zeigen, wie sich Nachhaltigkeitsanforderungen konkret in die Praxis umsetzen lassen“, sagt Katja Moch, Expertin für nachhaltige Textilien am Öko-Institut. „Ziel ist es, nachhaltige Textilien zum Standard zu machen und kurzlebige Massenware Schritt für Schritt vom Markt zu nehmen.“
Haltbarkeit im Zentrum: So lange sollte Kleidung halten
Die Studie zeigt: Haltbarkeit ist das wichtigste Kriterium für die Umweltverträglichkeit von Kleidung. Für die untersuchten Produktbeispiele wurden konkrete und messbare Anforderungen definiert, um diese bewerten zu können. Bei T-Shirts spielen beispielsweise die Formstabilität nach dem Waschen und Trocknen, die Widerstandsfähigkeit des Materials und die Farbechtheit eine Rolle.
Bei Jeans sind neben der Maßänderung beim Waschen – also Einlaufen oder Ausleiern – vor allem die Zugfestigkeit und Dehnbarkeit des Stoffes, seine Widerstandsfähigkeit gegen Abrieb sowie seine Farbechtheit bei Licht und beim Reiben entscheidend. Diese und weitere Aspekte lassen sich mit bestehenden Prüfverfahren ermitteln.
„Haltbarkeit lässt sich gut bewerten, solange sie auf textilspezifischen Eigenschaften beruht. Werden jedoch das Nutzungs- und Pflegeverhalten einbezogen, wird die Bewertung komplexer“, so Prof. Dr. Maike Rabe, Professorin für Textilveredlung und Ökologie an der Hochschule Niederrhein. „Unsere Analyse zeigt, wie wichtig eine differenzierte Betrachtung nach Produkt- und Fasertypen ist.“
Reparieren statt wegwerfen
Auch die Reparierbarkeit wurde untersucht. Die Forschenden empfehlen Mindestanforderungen – etwa die Verfügbarkeit von Ersatzteilen wie Reißverschlüssen oder Knöpfen, Reparaturanleitungen und Kooperationen mit Reparaturservices. Für komplexere Produkte wie Funktionsjacken sind darüber hinaus produktspezifische Anforderungen in Form von freiwilligen Gestaltungsleitlinien sinnvoll.
Recyclingfähigkeit und Rezyklatanteil: Vorschläge für klare Vorgaben
Damit Textilien künftig besser recycelt werden können, empfiehlt die Studie unter anderem, Materialmischungen zu begrenzen – beispielsweise auf maximal zwei Fasertypen pro Fläche und einen reduzierten Einsatz von Elastan von fünf bis zehn Prozent. Für T-Shirts und Jeans schlagen die Autor*innen zudem Anteile von aus Faser-zu-Faser-Recycling stammenden Fasern in Neuprodukten vor, zum Beispiel zehn Prozent bei Baumwolle oder drei Prozent bei Polyester. Diese Angaben beruhen auf der Marktverfügbarkeit und nicht nur auf der technischen Machbarkeit.
Zudem weist die Studie aus, welche politischen Rahmenbedingungen für einen verpflichtenden Rezyklatanteil in Textilien geklärt sein müssen, etwa die Nachverfolgbarkeit.
Vorhandensein besorgniserregender Stoffe
Die Studie empfiehlt die Weitergabe von Informationen zu bestimmten chemischen Stoffen, insbesondere zur Gruppe der besonders besorgniserregenden Stoffe (engl.: substances of very high concern, SVHC), aber auch zu sogenannten Effektchemikalien, die auf dem Textil verbleiben. Voraussetzung ist Wissen über Identität, Menge, Eigenschaften sowie Funktion der eingesetzten Chemikalien entlang des gesamten Produktlebenszyklus – vom Design bis zum Endprodukt.
Prof. Dr. Anett Matthäi von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hof betont: „Diese Kombination von Informationen ermöglicht es in der technischen Produktentwicklung, Einfluss auf Produktqualität, Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit zu nehmen. Eine ausschließliche Weitergabe von Informationen über gefährliche Stoffe wäre im Sinne nachhaltiger Produkte nicht zielführend.“
Hintergrund zur Studie
Die Studie trägt Vorschläge zur Umsetzung der neuen EU-Ökodesign-Verordnung 2024/1781 bei, wie künftig verbindliche Anforderungen an die Nachhaltigkeit von Produkten, darunter Textilien, ermöglicht werden können. Ziel ist die Entwicklung eines delegierten Rechtsaktes der EU für Textilien. Die Ergebnisse fließen in die Kommentierung der europäischen Vorstudie des Joint Research Centre (JRC) der EU-Kommission in den weiteren Gesetzgebungsprozess der EU ein.
Ansprechpartnerin am Öko-Institut
Katja Moch
Senior Researcher im Institutsbereich Produkte & Stoffströme
Öko-Institut Consult GmbH, Büro Freiburg
Telefon: +49 761 45295-265
E-Mail: <k.moch@oeko.de >
Ansprechpartner*innen an der Hochschule Niederrhein
Prof. Dr. Maike Rabe und Prof. Dr. Markus Muschkiet
Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik
Hochschule Niederrhein
E-Mail: maike.rabe@hs-niederrhein.de; markus.muschkiet@hs-niederrhein.de
Ansprechpartnerin an der Hochschule Hof
Prof. Dr. Anett Matthäi
Fakultät Ingenieurwissenschaften
Hochschule für angewandte Wissenschaften Hof
Telefon: +49 9281 409 8592
E-Mail: anett.matthaei@hof-university.de
https://www.oeko.de/publikation/ecodesign-for-sustainable-products-regulation-re... Studie „Ecodesign for Sustainable Products Regulation: requirements for the ecodesign of textiles and the possible transfer to an ecodesign label“ der Öko-Institut Consult GmbH, Hochschule Niederrhein und Hochschule Hof
https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Beipackzettel_PM_Ökodesign-Textilien.pdf Wissenschaftlicher Beipackzettel „Ökodesign-Anforderungen für Textilien. Wie wird Kleidung nachhaltig?“ des Öko-Instituts
Criteria of this press release:
Journalists
Environment / ecology, Materials sciences, Politics
transregional, national
Research results
German

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