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Der Ehrenvorstand des Historischen Archivs zum Tourismus der TU Berlin, Prof. Dr. Hasso Spode, im Interview
Prof. Dr. Hasso Spode ist Historiker, Soziologe und Ehrenvorstand des Historischen Archivs zum Tourismus (HAT) an der TU Berlin, das er 25 Jahre lang geleitet hat. Im Interview erzählt er anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der „Internationalen Tourismusbörse“ ITB von den Anfängen der Messe als Anhängsel einer postkolonialen Verkaufsschau, der Verwundbarkeit der Tourismusbranche und der weltweit ersten Touristikmesse, die 1911 ebenfalls in Berlin stattfand – in einer verblüffend globalisierten Phase der Weltgeschichte.
Lesen Sie jetzt das vollständige Interview mit Hasso Spode: https://www.tu.berlin/go306889/
Hasso Spode berichtet über seinen ersten Besuch auf der ITB und den Optimismus der Branche nach der politischen Wende in Osteuropa. Er ordnet die internationale Bedeutung der ITB ein und erzählt von der verbindenden Wirkung, die die Messe auch für Vertreter*innen von Staaten mit angespannten Beziehungen hat. Und von den Anfängen dieser heute mit Abstand wichtigsten Tourismusschau: „Die fand quasi als Sidekick statt zu einer Verkaufsschau mit Handwerksprodukten aus Ländern der ‚Dritten Welt‘ wie man damals sagte. ‚Partner des Fortschritts‘ hieß diese Verkaufsschau programmatisch“, erklärt Spode. „Viele ehemalige Kolonien waren gerade erst unabhängig geworden, die waren natürlich daran interessiert, Produkte zu verkaufen und auch Touristen anzulocken. Diese Mini-ITB war allerdings nicht die erste Touristikmesse in Berlin.“
Globetrotter am Anfang des 20. Jahrhunderts
Tatsächlich eröffnete am 18. März 1911 in den Messehallen am Zoo – also dort, wo heute das Bikini-Haus steht – die weltweit erste Tourismusschau, ausgerichtet vom Verein Berliner Kaufleute und Industrieller. Diese „Internationale Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr“ ging über Wochen, ein Dutzend Länder waren vertreten, von Norwegen bis Österreich-Ungarn. „Die Welt damals war bereits unglaublich globalisiert, das können wir uns heute gar nicht vorstellen“, so Spode. In Europa etwa waren Pass und Visum abgeschafft. „Als wohlhabender Mensch – und nur für solche kam das Reisen damals überhaupt in Frage – konnten Sie einfach aufs Postamt gehen und sich für 50 Pfennige eine „Postausweiskarte“ besorgen. Die hat als Identitätsnachweis ausgereicht und gleichzeitig Ihre Bonität bestätigt, ein bisschen so, wie das eine Kreditkarte heute tut. Damit konnten Sie dann völlig freizügig durch weite Teile Europas reisen.“
ITB sollte sich wieder dem Laienpublikum öffnen
Für die nächsten 60 Jahre wünscht Hasso Spode der ITB, dass Sie weiterhin so sensibel auf globale Diskurse reagiert. Bereits Ende der 70er-Jahre seien die negativen Folgen des Massentourismus ein Thema gewesen – Stichwort „anders reisen“ –, seit der Jahrtausendwende dann Nachhaltigkeit, Klimawandel, Overtourism; nur die derzeitigen Kriege würden aus guten Gründen außen vor bleiben. „Dem Standing der Branche würde es allerdings guttun, wenn sie sich wieder dem Laienpublikum, sprich: den Bereisten und Reisenden, öffnen würde“, erklärt Spode.
Das Historisches Archiv zum Tourismus (HAT)
Das Historisches Archiv zum Tourismus (HAT) bewahrt tourismushistorisches Material für die Nachwelt und macht es für die Forschung und Lehre, sowie für Medien, Touristik und das Ausstellungswesen zugänglich. Damit nimmt es ein Projekt von Prof. Dr. Robert Glücksmann auf, der 1929 in Berlin das weltweit erste wissenschaftliche "Forschungsinstitut für den Fremdenverkehr", nebst einem Archiv, ins Leben gerufen hatte. Das Archiv verfügt über rund 13.000 Buch- und Zeitschriftentitel und 1500 Plakate sowie 1300 Karten in Extradateien.
Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Prof. Dr. Hasso Spode
Wissenschaftlicher Ehrenvorstand
Historisches Archiv zum Tourismus (HAT)
Fakultät I - Geistes- und Bildungswissenschaften
Technische Universität Berlin
Tel.: +49 (0)30 314-28329
E-Mail: hasso.spode@gmx.de
Criteria of this press release:
Journalists
Traffic / transport
transregional, national
Miscellaneous scientific news/publications
German

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