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02/17/2026 13:00

Zecken & FSME: Gefahr für ungeschützte Personen steigt weiter an

Florian Klebs Pressearbeit, interne Kommunikation und Social Media
Universität Hohenheim

    25 Jahre Zecken-Statistik zeigt Trends und wachsende Gefahr, betonen Expert:innen auf Pressekonferenz der Universität Hohenheim / Zeckenkongress startet am 23.2.2026

    2025 könnte die Zahl der FSME-Erkrankungen einen neuen Rekordwert erreicht haben. Und auch in Zukunft ist mit immer weiter steigenden Erkrankungszahlen zu rechnen, so die Prognose von Parasitologin Prof. Dr. Ute Mackenstedt und Virologe Prof. Dr. Gerhard Dobler. Das Expertenduo äußerte sich auf einer heutigen Pressekonferenz an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Dabei stützten sich beide auf 25 Jahre FSME-Statistik als auch auf aktuelle Beobachtungen. Die Zahlen zeigten auch, wie sehr sich das natürliche Infektionsrisiko auf ungeimpfte Personen gesteigert habe. Die Pressekonferenz fand im Vorfeld des 8. Süddeutschen Zeckenkongress statt, der am kommenden Montag beginnt.

    Zecken sind inzwischen ganzjährig aktiv, erobern selbst kühle Berglagen und verbreiten das FSME-Virus in ganz Deutschland. Mit der gestiegenen Verbreitung und Aktivität der Zecken steigt auch die Zahl der Personen, die an der von Zecken übertragenen Hirnhautentzündung (FSME) erkranken.

    „Die Auswertungen laufen noch, aber es ist jetzt schon abzusehen, dass wir die schon sehr hohen Zahlen von 2024 im vergangenen Jahr übertroffen haben werden“, berichtet Prof. Dr Gerhard Dobler. Der Mikrobiologe leitet Deutschlands nationale Konsiliarlabor für FSME. Als solches hat es u.a. die Aufgabe, unklare FSME-Diagnosen zu überprüfen, aber auch die gesamte Epidemiologie und Ökologie der Erkrankung zu beobachten.

    „Aktuell haben wir 693 gesicherte FSME-Fälle in 2025. Hinzu kommen noch 100 Verdachtsfälle, die gerade geprüft werden. Im Jahr 2024 gab es 695 gesicherte Erkrankungen – und das galt damals schon als eines der Rekordjahre.“

    An der Spitze stehen nach wie vor die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern mit 80 % der Krankheitsmeldungen. Ein ansteigender Trend sei jedoch in allen Bundesländern zu beobachten.

    Krankheitszahlen werden vermutlich auch weiter steigen

    Voraussichtlich werden die Werte in den kommenden Jahren auch weiter steigen, so Prof. Dr. Mackenstedt. „In der Vergangenheit hatten wir gewisse Zyklen: Das heißt, auf ein Jahr mit besonders vielen Erkrankungsfällen folgten ein bis zwei Jahre mit geringeren Fallzahlen. Seit 2016 gibt es nur noch Jahre mit hohen Fallzahlen von 400 bis 500 Krankheitsmeldungen.“

    Die Gründe dafür seien vielfältig. Ein Treiber ist jedoch der Klimawandel: „Die wärmeren Temperaturen lassen Zecken in kühlere Regionen im Norden und im Gebirge vordrängen. In manchen Jahren sind sie selbst im Winter aktiv. Vor allem aber überleben viel mehr Zecken die wenigen Frosttage, so dass wir bereits im Frühjahr einen ersten Peak an FSME-Meldungen haben“, so Prof. Dr. Mackenstedt.

    Infektionsrisiko steigt – doch Impfung schützt

    Vor allem zeigten die Zahlen, dass das Infektionsrisiko auf ungeschützte Personen stark zugenommen habe. „Vor FSME geschützt sind nur Personen mit Antikörpern im Blut – also diejenigen, die sich impfen ließen oder schon mal eine FSME-Infektion durchgemacht haben, die ggf. auch nicht zum Ausbruch der Krankheit geführt haben muss“, erklärt Prof. Dr. Dobler.

    Das ließe sich z.B. am Landkreis Passau erläutern: „Dort lassen sich bei 80 % der Bevölkerung Antikörper gegen FSME nachweisen. Das heißt, wir haben nur noch 20 %, die nicht geschützt sind, und trotzdem steigen die Erkrankungszahlen weiter an.“

    Sowohl Prof. Dr. Mackenstedt als auch Prof. Dr. Dobler raten deshalb dringend dazu, sich gegen FSME impfen zu lassen und die Impfung regelmäßig aufzufrischen.

    HINTERGRUND: Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

    Das FSME-Virus wird durch europäische Zecken wie den europäischen Holzbock, aber auch die Auwaldzecke, übertragen. In den Risikogebieten liegt die Wahrscheinlichkeit für eine

    FSME-Infektion nach einem Zeckenstich bei 1:50 bis 1:100. Nach circa 3-8 Tagen treten grippeähnliche Symptome auf. Bei rund einem Drittel der Patienten kommt es nach einer vorübergehenden Besserung zu einem erneuten Fieberanstieg und einer zweiten Krankheitsphase mit Symptomen des Gehirns.

    Bei leichten Verläufen klagen die Patienten vorwiegend über starke Kopfschmerzen. Bei schwereren Verläufen sind auch Gehirn und Rückenmark beteiligt. Zu den Symptomen gehören Koordinationsstörungen, Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen sowie Bewusstseinsstörungen und epileptische Anfälle. Für rund ein Prozent der Patienten endet die Krankheit tödlich. Ist die Krankheit erst einmal ausgebrochen, können nur die Symptome therapiert werden. Schützen kann eine Impfung.

    Text: Klebs


    Contact for scientific information:

    Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Universität Hohenheim, Fachgebiet Parasitologie
    T +49 711 459 22275, E mackenstedt@uni-hohenheim.de

    Prof. Dr. Gerhard Dobler, Nationales Konsiliarlabor FSME am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München
    T +49 89 992692 3974, E gerharddobler@bundeswehr.org


    More information:

    https://zeckenkongress.de "8. Süddeutscher Zeckenkongress"


    Images

    Verlauf der gemeldeten FSME-Fälle | Bildquelle: Universität Hohenheim | Datenquelle: Robert Koch-Institut: SurvStat@RKI 2.0, https://survstat.rki.de, Abfragedatum: 16.02.2026
    Verlauf der gemeldeten FSME-Fälle | Bildquelle: Universität Hohenheim | Datenquelle: Robert Koch-Ins ...

    Zecke im Fokus: Prof. Dr. Ute Mackenstedt mit Forschungsobjekt im Labor | Bildquelle: Universität Hohenheim / Schmid | weitere Pressefotos in Druckqualität
    Zecke im Fokus: Prof. Dr. Ute Mackenstedt mit Forschungsobjekt im Labor | Bildquelle: Universität Ho ...
    Source: Corinna Schmid
    Copyright: Universität Hohenheim


    Attachment
    attachment icon FSME-Statisktik seit 2001

    Criteria of this press release:
    Journalists, all interested persons
    Biology, Environment / ecology, Medicine, Zoology / agricultural and forest sciences
    transregional, national
    Research results, Scientific conferences
    German


     

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