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Wieso wählen ausgerechnet Menschen mit Zuwanderungsgeschichte eine Partei, die sich seit Jahren migrationskritisch positioniert? Diese Frage drängt sich nach den Integrationsratswahlen 2025 in Nordrhein-Westfalen auf. In mehreren Kommunen erzielte die AfD erstaunliche Ergebnisse. Eine politikwissenschaftliche Studie der Universitäten Siegen und Duisburg-Essen, veröffentlicht in der Politischen Vierteljahresschrift, liefert eine überraschende Erklärung: Nicht soziale Not oder wirtschaftlicher Abstieg erklären den Erfolg der AfD, sondern vor allem fehlender politischer Wettbewerb.
Integrationsräte, die mittlerweile in Ausschüsse für Chancengerechtigkeit und Integration umbenannt wurden, sind kommunale Gremien, die vor allem eine beratende Funktion für Stadt- und Gemeinderäte haben. Sie werden von Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit, Doppelstaatler:innen oder Eingebürgerten gewählt. Öffentlich werden sie jedoch oft wenig beachtet. Genau das könnte entscheidend sein, meinen die Politikwissenschaftler:innen Jessica Kuhlmann (Universität Siegen) und Prof. Dr. Conrad Ziller (Universität Duisburg-Essen). Für ihre Analyse untersuchten sie die Integrationsratswahlen 2025 in 113 NRW-Kommunen.
„Dort, wo etablierte Parteien kaum präsent waren oder sich nur schwach engagierten, konnte die AfD besonders hohe Stimmenanteile erzielen“, nennt Conrad Ziller ein wichtiges Ergebnis der Studie. Zwar sei die Partei häufiger in Kommunen angetreten, die von steigender Arbeitslosigkeit oder wirtschaftlichen Spannungen betroffen waren – entscheidend für die Höhe der Stimmenanteile waren diese sozioökonomischen Faktoren jedoch nicht.
„Unsere Analyse zeigt: Tritt eine größere Zahl etablierter Parteien an und mobilisiert aktiv zur Wahl, geht dies mit geringerem Wahlerfolg der AfD einher“, sagt Jessica Kuhlmann. „Ist der Parteienwettbewerb schwach, kann sie vergleichsweise stark abschneiden.“ Das sei ein Hinweis auf strukturelle Effekte: „Politische Opportunitätsstrukturen – also die konkreten Wettbewerbsbedingungen vor Ort – spielen eine entscheidende Rolle.“
Die Befunde stellen verbreitete Annahmen infrage. Häufig wird der Erfolg rechtspopulistischer Parteien mit wirtschaftlicher Unsicherheit oder sozialer Benachteiligung erklärt. Die Untersuchung legt jedoch nahe, dass institutionelle Rahmenbedingungen mindestens ebenso wichtig sind – selbst bei Wahlen, die öffentlich kaum Aufmerksamkeit erhalten. „Wo demokratische Konkurrenz fehlt, entstehen Räume, die andere Akteure füllen“, so Ziller. Auch scheinbar politisch randständige Gremien seien daher ernst zu nehmen.
Jessica Kuhlmann, Sozialwissenschaften, Universität Siegen, jessica.kuhlmann@uni-siegen.de
Prof. Dr. Conrad Ziller, Empirische Politikwissenschaft, Universität Duisburg-Essen, conrad.ziller@uni-due.de
https://link.springer.com/article/10.1007/s11615-026-00651-z
Criteria of this press release:
Journalists, all interested persons
Politics, Social studies
transregional, national
Research results, Scientific Publications
German

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