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Ob in Kleidung oder Verpackungen – Chemikalien sind überall. Sie sorgen für Widerstandsfähigkeit und Haltbarkeit. Doch wie steht es um ihre Nachhaltigkeit? Viele Chemikalien haben erhebliche Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. Zu den besonders problematischen Stoffgruppen zählt PFAS, organische Verbindungen mit Fluor. In der neuen Folge des Podcasts „Wenden bitte!“ erklärt Prof. Dr. Dirk Bunke, welche Risiken PFAS bergen, warum Regulierung zunehmend ganze Stoffgruppen in den Blick nimmt und welche Alternativen es bereits gibt.
Zum Podcast „Nachhaltige Chemikalien – geht das?“ des Öko-Instituts (https://www.oeko.de/podcast/nachhaltige-chemikalien-geht-das/)
Neue Regulierung: Stoffgruppen im Blick
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Umgang mit gefährlichen Chemikalien deutlich verbessert. Viele problematische Stoffe wurden durch die europäische Chemikaliengesetzgebung oder zum Teil auch weltweit durch die Stockholmer Konvention verboten oder eingeschränkt, darunter Verbindungen aus der Stoffgruppe PFAS. Diese Kohlenstoffverbindungen mit Fluor sind extrem langlebig und bauen sich in der Umwelt kaum ab. Einige reichern sich in Lebewesen an, andere können das Grundwasser verunreinigen. Manche dieser sogenannten „ForeverChemicals” können beim Menschen schwerwiegende Gesundheitsschäden verursachen. Das Verbot einzelner Substanzen führte in der Vergangenheit häufig dazu, dass sie durch Chemikalien mit ähnlichen Eigenschaften und Risiken ersetzt wurden.
„Heute wird bei der rechtlichen Regulierung stärker auf ganze Stoffgruppen geschaut“, erklärt der Experte im Podcast. Ein Beispiel dafür ist der aktuelle Beschränkungsvorschlag für PFAS unter der europäischen Chemikalienverordnung REACH, der seit 2023 diskutiert wird. „Mit diesem Vorschlag sollen, anders als bei früheren Regelungen, gesamte Gruppen verwandter Stoffe eingeschränkt werden können.“ Die Regelung soll in der Europäischen Union gelten und kann auch auf importierte Produkte angewandt werden. Sollte die Regelung verabschiedet werden, sind Übergangsfristen von sechs bis zwölf Jahren vorgesehen. Für Anwendungen ohne Alternativen sollen Ausnahmen bestehen bleiben. „Unternehmen hätten ausreichend Zeit, ihre Produkte und Prozesse umzustellen. Für den schnellen Umstieg wäre es vorteilhaft, wenn sie jetzt beginnen, Alternativen zu entwickeln“, schlussfolgert Prof. Dr. Bunke.
Für viele Anwendungen gibt es bereits Alternativen
PFAS werden in zahlreichen Produkten eingesetzt. Für einige Anwendungen wie Pfannenbeschichtungen, Outdoorjacken oder auch Verpackungsbeschichtung gibt es bereits Alternativen. „Etwa bei Backpapier wurde PFAS vollständig ersetzt“, sagt der Wissenschaftler. „Bei anderen Produktgruppen gibt es inzwischen Auswahl. Regenjacken können zum Beispiel mit Wachs oder Silikon behandelt werden und bleiben so wasserabweisend.“ Für einige Anwendungen wie Dichtungen bei Reaktionskesseln in der Chemieindustrie, die einem hohen Druck standhalten müssen, wird es weiterhin Ausnahmen geben. Der Wissenschaftler ist aber zuversichtlich: „Bei hundert Anwendungen wird man für 99 eine Alternative finden.“
Nachfrage und Förderung als Hebel für Ersatzstoffe
Alltagsanwendungen haben einen großen Anteil an Produkten, die PFAS verwenden. Deswegen können Verbraucherinnen und Verbraucher mit ihrer Kaufentscheidung Einfluss auf das Angebot nehmen. Steigt die Nachfrage nach PFAS-freien Produkten, beschleunigt sich auch ihre Entwicklung. Umweltsiegel können bei der Auswahl helfen.
„Um die Markteinführung von alternativen Stoffen zu unterstützen, wäre politische Förderung sinnvoll“, sagt Prof. Dr. Dirk Bunke. „Neue Chemikalien haben es sonst schwer, sich wirtschaftlich gegen etablierte Stoffe durchzusetzen.“ Durch Förderungen könnten Ersatzstoffe schneller in vielen Produkten eingesetzt werden. Unternehmen können bei der Auswahl ihrer verwendeten Stoffe auf das Online-Tool ChemSelect zugreifen. Die Webanwendung unterstützt Anwender und Hersteller dabei, die Nachhaltigkeit ihrer Chemikalien zu bewerten und gute Chemikalien auszuwählen.
Wissen statt Alltagsberatung
Der Podcast „Wenden bitte!“ des Öko-Instituts richtet sich an alle mit politischem und ökologischem Interesse aus Politik, Wissenschaft, Medien, NGOs und Öffentlichkeit. Den Podcast moderieren Mandy Schoßig, Leiterin Öffentlichkeit & Kommunikation am Öko-Institut, und Nadine Kreutzer, Journalistin und Moderatorin. Rund eine Stunde lang sprechen sie mit einem Experten beziehungsweise einer Expertin aus dem Öko-Institut über anstehende Nachhaltigkeitstransformationen – genug Zeit für die „Langstrecke der Umweltpodcasts“. Die Spezial-Folgen greifen tagesaktuelle politische und gesellschaftliche Themen auf.
Podcast „Wenden bitte!“, Episoden der 6. Staffel
Episode 1 „Wie wird Klimaschutz gerecht?“ mit Jonathan Schreiber, erschienen am 29. Januar 2026 (https://www.oeko.de/podcast/wie-wird-klimaschutz-gerecht/)
Episode 2 „Nachhaltige Chemikalien – geht das?“ mit Prof. Dr. Dirk Bunke, erschienen am 12. März 2026 (https://www.oeko.de/podcast/nachhaltige-chemikalien-geht-das/)
Das Öko-Institut ist seit seiner Gründung vor mehr als 40 Jahren eine der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungseinrichtungen für eine nachhaltige Zukunft. Es erarbeitet Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.
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Ansprechpartner am Öko-Institut
Prof. Dr. Dirk Bunke
Senior Researcher im Institutsbereich
Produkte & Stoffströme
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Telefon: +49 761 45295-246
E-Mail: d.bunke@oeko.de
Criteria of this press release:
Journalists, all interested persons
Chemistry, Environment / ecology, Oceanology / climate
transregional, national
Miscellaneous scientific news/publications, Transfer of Science or Research
German

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