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03/12/2026 15:00

Neue ZMT-Studie: Welche Rolle die Biodiversität für die Widerstandsfähigkeit von Mangrovenwäldern spielt

Andrea Daschner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

    Mangrovenwälder schützen tropische Küsten vor Stürmen, speichern große Mengen Kohlenstoff und bieten zahlreichen Pflanzen und Tieren Lebensraum – etwa als Kinderstube für Fische und Krebse. Auch für die Menschen vor Ort sind sie wichtig, etwa als Quelle für Holz oder medizinisch genutzte Pflanzenstoffe. Doch wie widerstandsfähig sind diese Ökosysteme gegenüber zunehmenden Umweltbelastungen? Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) untersuchte, welche Rolle die Biodiversität für die Resilienz von Mangrovenwäldern spielt. Im Fokus der Studie standen die Sundarbans, eines der größten zusammenhängenden Mangrovenökosysteme der Erde.

    Mehr als 10.000 Quadratkilometer weit erstrecken sich Sundarbans über Bangladesch und Indien. Sie sind eines der letzten noch im Wesentlichen intakten Mangrovenökosysteme. Die Wälder bieten Lebensraum für zahlreiche gefährdete Arten, wie den für die Region charakteristischen Sundari-Baum, den vom Aussterben bedrohten Königstiger, das Salzwasserkrokodil und den Irrawaddy-Delfin. Die Sundarbans sind als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt.

    Mangrovenwälder wie die Sundarbans sind zahlreichen Einflüssen ausgesetzt, darunter Brände, Stürme oder Krankheitserreger sowie Belastungen durch Aquakultur oder Forstwirtschaft und die Folgen des Klimawandel.

    Die Fähigkeit eines Ökosystems, sich von solchen natürlichen oder anthropogenen Störungen zu erholen, wird als ökologische Resilienz bezeichnet. Sie ist entscheidend für den Fortbestand und das Gleichgewicht von Mangrovenwäldern unter sich verändernden Bedingungen.

    Um die Widerstandsfähigkeit der Sundarbans und die damit verbundenen Einflussfaktoren zu untersuchen und zu bewerten, nutzten die Forschenden satellitengestützte Messwerte für Pflanzenwachstum (Vegetationsindizes) sowie Biodiversitäts- und Umweltdaten. Mit Hilfe eines komplexen statistischen Modells konnten sie die Korrelation verschiedener Messgrößen für Artenvielfalt und Umweltparameter mit Werten für die Widerstandsfähigkeit vergleichen.

    +++ Rolle von Artenreichtum und verschiedenen Mangrovenarten für die Widerstandfähigkeit +++

    Die Berechnungen zeigten: In den Sundarbans wirken bis zu acht Umweltstressoren auf das Ökosystem ein. Dazu zählen: Zyklone, das Eindringen von Salzwasser, Hitze und eine verringerte Süßwasserverfügbarkeit während Trockenzeiten.

    Die Widerstandsfähigkeit der Mangrovenwälder gegenüber derartigen Störungen und Stress unterschied sich je nach Gebiet und Zone. Insgesamt jedoch verloren in den vergangenen Jahrzehnten 10 bis 15 Prozent der gesamten Sundarbans an Widerstandskraft, so die Ergebnisse der Forschenden.

    Um derartigem Resilienz-Verlust zukünftig besser entgegenzuwirken, wollten die Forschenden verstehen, welche Rolle die Zahl der Arten (Artenreichtum) oder das Vorkommen verschiedener Mangrovenarten für die Widerstandfähigkeit spielen.

    Martin Zimmer und seine Mitautor:innen fanden ein Muster, das sie zuvor im Zusammenhang mit der Biodiversität als Treiber von Ökosystemprozessen und -eigenschaften entdeckt hatten. „Nach unseren Analysen spielt die bloße Anzahl der Arten, oft als Artenreichtum bezeichnet, nur eine untergeordnete Rolle, wenn es darum geht, die Widerstandsfähigkeit von Mangrovenwäldern vorherzusagen“, so der Mangrovenforscher.

    „Die funktionelle und strukturelle Vielfalt, also beispielsweise wie vielfältig und komplex ein Mangrovenwald in Bezug auf Baumhöhe, Dichte, räumliche Anordnung und Wurzelform ist, hat einen größeren Einfluss auf die Widerstandsfähigkeit des Ökosystems. Der Beitrag der Artenvielfalt ist daher eher indirekter Natur und erfolgt über die funktionellen und strukturellen Unterschiede zwischen verschiedenen Mangrovenarten“, erklärt Zimmer.

    +++ Neue Impulse für den Mangrovenschutz +++

    Kürzlich trat Deutschland dem Anfang des Jahres von den Vereinten Nationen ratifizierten Meeresschutz-Abkommen (BBNJ) bei. Darin ist das sogenannte 30x30-Ziel verankert, demzufolge bis 2030 weltweit mindestens 30 Prozent der Meeres- und Landflächen wirksam unter Schutz stehen sollen.

    Auf Grundlage ihrer Analysen formulieren die Forscher nun neue Empfehlungen, um die Widerstandsfähigkeit von Mangrovenwäldern und Küstengemeinden, deren Lebensunterhalt und Wohlergehen von ihnen abhängt, gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels gezielt zu stärken und so diese Ökosysteme im Einklang mit dem 30x30-Ziel zu schützen.

    Aus ihren Analysen leiten die Forschenden nun neue Empfehlungen ab, um die Widerstandsfähigkeit von Mangrovenwäldern gegenüber Störungen und anhaltenden Stressfaktoren gezielt zu stärken und so diese wertvollen Lebensräume im Sinne des 30x30-Ziels zu schützen.

    Martin Zimmer: „Anstatt beim Schutz oder der (Wieder-)Herstellung von Mangrovenwäldern einfach die Anzahl der verschiedenen Arten zu erhöhen, sollten sich solche Bemühungen auf einige wenige standortspezifische dominante Mangrovenarten konzentrieren und diese durch funktionell unterschiedliche Arten ergänzen, um die strukturelle Vielfalt zu erhöhen.“

    +++ Ökosystem-CoDesign als wirkungsvolles Konzept +++

    Dabei könne auch das am ZMT entwickelte Konzept des Ökosystem-CoDesigns zum Tragen kommen, meint Zimmer. Dem Ansatz zufolge würde die gezielte (Wieder)-Ansiedlung bestimmter Arten mit geeigneten Merkmalen davon abhängen, welche Eigenschaften, Prozesse oder Leistungen des Ökosystems gewünscht oder benötigt würden. „In diesem Fall geht es um die Widerstandsfähigkeit der Mangrovenwälder. In früheren Studien haben wir den Fokus auf die Kohlenstoffspeicherung oder die Produktivität von Mangrovenwäldern gelegt“, so der Forscher.


    Contact for scientific information:

    Prof. Dr. Martin Zimmer | Leiter der Arbeitsgruppe Mangrovenökologie am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) und Professor für Mangrovenökologie an der Universität Bremen
    E-Mail: martin.zimmer@leibniz-zmt.de


    Original publication:

    Rahman MM, Zimmer M, Donato D, Liang J, Khan MNI, Weng Q. 2026. Functional composition and structural diversity enhance mangrove forest resilience in the Sundarbans. Nature Comm Earth Env. https://doi.org/10.1038/s43247-026-03305-5


    Images

    Mangrovenbäume in den Sundarbans in Bangladesch. Die Sundarbans erstrecken sich mehr als 10.000 Quadratkilometer weit über Bangladesch und Indien und sind die größten Mangrovenwälder der Erde.
    Mangrovenbäume in den Sundarbans in Bangladesch. Die Sundarbans erstrecken sich mehr als 10.000 Quad ...

    Copyright: Martin Zimmer, Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

    Die Mangrovenwäldern der Sundarbans bieten Lebensraum für zahlreiche Arten.
    Die Mangrovenwäldern der Sundarbans bieten Lebensraum für zahlreiche Arten.

    Copyright: Martin Zimmer, Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)


    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars, Students, all interested persons
    Biology, Environment / ecology, Oceanology / climate
    transregional, national
    Research results, Scientific Publications
    German


     

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