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03/17/2026 12:30

Gesundheitsstudie SHIP: Start der sechsten Untersuchungswelle der ersten Bevölkerungsgruppe

Constanze Steinke Pressearbeit
Universität Greifswald

    Langzeitprojekt liefert seit fast drei Jahrzehnten Erkenntnisse zur Gesundheit in Vorpommern – älteste Teilnehmerin 102 Jahre

    Mit dem Start der neuen Untersuchungswelle SHIP-START-5 beginnt im Greifswalder SHIP-Untersuchungszentrum im März die sechste medizinische Untersuchungsreihe zur ersten Bevölkerungsgruppe des Projektes „Study of Health in Pomerania“ (SHIP).

    Seit dem Beginn der Langzeitstudie im Jahr 1997 begleiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitätsmedizin Greifswald mehrere tausend Menschen aus Vorpommern über Jahrzehnte hinweg medizinisch und zahnmedizinisch.

    Für die aktuelle Untersuchungsrunde werden bis zu 1.000 Probandinnen und Probanden erwartet. Die Teilnehmenden sind heute zwischen 47 und 102 Jahre alt und wurden größtenteils bereits fünfmal im Rahmen der Studie untersucht. Bislang haben 925 Personen an allen fünf bisherigen Untersuchungswellen teilgenommen, weitere rund 150 Teilnehmende haben höchstens eine Untersuchungsrunde ausgelassen.
    „Die außergewöhnliche Langzeitbeteiligung vieler Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist eine der größten Stärken unserer Studie“, betonte Studienleiter Prof. Dr. Henry Völzke vom Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald. „Sie ermöglicht es uns, Veränderungen der Gesundheit über Jahrzehnte hinweg zu verfolgen und Ursachen von Krankheiten sehr viel präziser zu analysieren.“
    Die Untersuchungen der sechsten Runde sollen voraussichtlich bis Ende Oktober 2026 abgeschlossen sein, bevor das Team des SHIP-Untersuchungszentrums sowie der Abteilung SHIP – Klinisch-Epidemiologische Forschung in das neue William B. Kannel Center for Community Medicine umzieht.

    Neue Untersuchungsrunde mit bewährtem Programm und neuen Modulen

    Das Untersuchungsprogramm von SHIP-START-5 kombiniert bereits etablierte klassische medizinische und zahnmedizinische Untersuchungen wie Messungen von Körpergröße und Gewicht, Ultraschalluntersuchungen, zahnmedizinische Diagnostik sowie ausführliche medizinische Interviews mit neuen wissenschaftlichen Modulen. Neu in dieser Untersuchungswelle sind unter anderem ein standardisiertes Kopfschmerzinterview sowie eine Untersuchung der Funktionen des Gehirns (transkranielle Magnetstimulation). Zusätzlich werden wieder umfangreiche Zusatzuntersuchungen angeboten, darunter eine Magnetresonanztomografie (MRT) sowie Untersuchungen der Herz-Kreislauf- und Lungenleistung in der Klinik für Innere Medizin B der Universitätsmedizin Greifswald.

    Das gesamte Untersuchungsprogramm dauert etwa 4,5 Stunden; mit MRT-Untersuchung rund 5,5 bis 6 Stunden. Etwa die Hälfte der erwarteten Teilnehmenden erhalten eine zusätzliche MRT-Untersuchung.
    „Durch die Kombination aus bewährten Standarduntersuchungen und innovativen Methoden können wir Veränderungen der Gesundheit über lange Zeiträume hinweg beobachten und gleichzeitig neue wissenschaftliche Fragestellungen untersuchen“, erläuterte Prof. Dr. Henry Völzke. „Gerade diese Verbindung aus Kontinuität und Innovation macht den besonderen Wert von SHIP aus.“

    Seit Beginn der Studie sind enorme Datenmengen zusammengekommen. Bis Ende 2025 wurden in SHIP insgesamt 27.796 Blutproben, 24.176 Urinproben, 8.744 MRT-Untersuchungen, 22.360 Herz-Ultraschalluntersuchungen sowie 24.567 Schilddrüsen-Ultraschalls erhoben und ausgewertet. Diese Daten bilden eine einzigartige Grundlage für die medizinische Forschung weltweit.

    Der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald, Prof. Dr. Karlhans Endlich, hob die Bedeutung der Studie für den Wissenschaftsstandort Greifswald hervor. „SHIP ist eines der bedeutendsten epidemiologischen Forschungsprojekte in Deutschland und ein zentraler Motor für die Gesundheitsforschung in Greifswald. Die gewonnenen Daten tragen dazu bei, Krankheiten besser zu verstehen, Prävention zu verbessern und medizinische Versorgung langfristig zu optimieren.“

    SHIP-NEXT abgeschlossen: Erste One-Health-Untersuchungen von Mensch und Tier

    Parallel zur Vorbereitung von SHIP-START-5 wurde zum 31. Dezember 2025 die erste Untersuchungswelle der neuen Bevölkerungsgruppe SHIP-NEXT abgeschlossen. Seit Mai 2021 wurden dabei 4.395 Probandinnen und Probanden im Alter von 20 bis 85 Jahren untersucht.
    Ein besonderer Schwerpunkt lag erstmals auf dem One-Health-Ansatz, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt gemeinsam betrachtet. Insgesamt rund 34 Prozent der Studienteilnehmenden hielten Haustiere. In knapp 600 Hausbesuchen konnten mehr als 1.000 Tiere untersucht werden, darunter etwa 400 Hunde, 450 Katzen sowie rund 250 Geflügel wie beispielsweise Hühner, Enten, Gänse sowie Tauben. Neben tiermedizinischen Untersuchungen und Interviews zur Tierhaltung wurden umfangreiche Blut- und Abstrichproben entnommen. Die Untersuchungen erfolgten direkt in den Haushalten der Teilnehmenden. Ziel ist es, die Häufigkeit und Risikofaktoren von Zoonosen – also Krankheiten, die zwischen Mensch und Tier übertragen werden können – besser zu verstehen.
    „Mit dem One-Health-Ansatz erweitern wir die klassische Bevölkerungsmedizin um eine wichtige Dimension“, erklärte Prof. Dr. Carsten Oliver Schmidt, Stellvertretender Leiter der Abteilung SHIP – Klinisch-Epidemiologische Forschung am Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald. „Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Empfehlungen für einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit Haus- und Nutztieren zu entwickeln.“
    Die umfangreichen Daten aus SHIP-NEXT werden derzeit überprüft und aufbereitet. Die wissenschaftlichen Analysen sollen voraussichtlich im Mai 2026 beginnen und erste Ergebnisse liefern. Eine erste Folgeuntersuchung der SHIP-NEXT-Teilnehmenden ist in etwa drei bis vier Jahren angedacht. Ob dabei erneut Tieruntersuchungen stattfinden können, wird derzeit noch geprüft.

    Forschung für die Zukunft – neues Zentrum für Community Medicine

    Noch im Laufe des Jahres steht ein weiterer Meilenstein für die Greifswalder Gesundheitsforschung an. Das SHIP-Team zieht in das neue William B. Kannel Center for Community Medicine, ein modernes Forschungszentrum für bevölkerungsbezogene Gesundheitsforschung. Der Neubau verfügt über rund 7.000 Quadratmeter Nutzfläche und umfasst unter anderem Untersuchungsräume, MRT-Kapazitäten, ein Schlaflabor sowie eine Bioprobenbank. Die Investitionskosten belaufen sich auf rund 69 Millionen Euro.
    „Der Neubau bietet hervorragende Bedingungen für die Weiterentwicklung der epidemiologischen Forschung in Greifswald“, sagte Prof. Dr. Karlhans Endlich. „Ein hochmodernes Untersuchungszentrum und kurze Wege in einer zeitgemäßen Infrastruktur werden neue Synergien durch die enge Vernetzung verschiedener Forschungsgruppen ermöglichen.“
    Im neuen Zentrum werden künftig mehrere Forschungseinheiten der Universitätsmedizin Greifswald gemeinsam arbeiten, darunter das Institut für Community Medicine, die Community Dentistry, das Klinische Krebsregister Mecklenburg-Vorpommern sowie Greifswalder Forschungsgruppen der Deutschen Zentren für Herz-Kreislauf-Forschung, Neurodegenerative Erkrankungen und Kinder- und Jugendgesundheit.

    Langzeitstudie mit internationaler Bedeutung

    Das SHIP-Projekt zählt zu den umfangreichsten bevölkerungsbezogenen Gesundheitsstudien weltweit. Die Daten werden in zahlreichen nationalen und internationalen Forschungsprojekten genutzt.
    „Unser Ziel ist es, aus den gewonnenen Daten Erkenntnisse zu entwickeln, die sowohl der Wissenschaft als auch direkt der Bevölkerung zugutekommen“, so Studienleiter Prof. Dr. Henry Völzke. „Langzeitstudien wie SHIP sind unverzichtbar, um Ursachen von Krankheiten zu verstehen und wirksame Präventionsstrategien zu entwickeln.“
    Auch das Greifswalder Untersuchungsteam spielt dabei eine zentrale Rolle. Im Untersuchungszentrum arbeiten derzeit 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – darunter Studienschwestern, Interviewerinnen sowie zahnmedizinische Fachangestellte – gemeinsam mit wechselnden Zahnärztinnen und Zahnärzten der Universitätszahnklinik.
    Die Abteilung SHIP – Klinisch-Epidemiologische Forschung am Institut für Community Medicine unterstützt die Studie inzwischen mit rund 80 Mitarbeitenden.
    Die Leiterin des Greifswalder Untersuchungszentrums, Dr. Nicole Werner, unterstrich die Bedeutung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie. „Die langfristige Bereitschaft der Menschen in Vorpommern, sich immer wieder untersuchen zu lassen, ist die Grundlage für den Erfolg von SHIP. Ohne dieses Engagement wären viele wichtige medizinische Erkenntnisse nicht möglich.“
    Mit dem Start von SHIP-START-5 setzt die Universitätsmedizin Greifswald diese einzigartige Langzeitforschung fort – und schafft damit neue Perspektiven für Prävention, Diagnostik und Gesundheitsversorgung weit über die Region hinaus.

    Überblick der Teilnehmenden je SHIP-Studienwelle 1997-2025

    START
    ab 1997
    4.308 (+ vier Folgeuntersuchungen 1-4: 3.300/2.333/1.718/1.182)
    START 5 (ab 03/2026 neu)

    TREND
    ab 2008
    4.420 (+ eine Folgeuntersuchung 2.507, zweite ab 2027)

    NEXT
    2021-25
    4.395 (Folgeuntersuchung geplant)

    13.123 Probandinnen/Probanden (20-79 Jahre*)

    *Folgeuntersuchungen finden auch im höheren Alter statt.

    Wichtiger Hinweis: SHIP-Untersuchungen sind nur mit Einladung möglich; die Teilnehmenden werden nach dem Zufallsprinzip über die Einwohnermeldeämter ausgewählt und angeschrieben. Die Teilnahme ist freiwillig.

    Universitätsmedizin Greifswald
    Institut für Community Medicine
    Abteilung SHIP/Klinisch-Epidemiologische Forschung
    Studienleiter: Prof. Dr. med. Henry Völzke
    Walther-Rathenau-Straße 48, 17475 Greifswald
    T +49 3834 86-75 41
    E ship-next@uni-greifswald.de
    ship.community-medicine.de

    Leiter der Stabsstelle Kommunikation und Marketing
    Pressesprecher: Christian Arns
    T +49 3834 86-5288
    E christian.arns@med.uni-greifswald.de
    www.unimedizin-greifswald.de
    www.facebook.com/UnimedizinGreifswald
    Instagram @UMGreifswald
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    Contact for scientific information:

    Studienleiter: Prof. Dr. med. Henry Völzke
    T +49 3834 86-75 41
    E ship-next@uni-greifswald.de
    ship.community-medicine.de


    Images

    Untersucherin Karen Salewski misst bei einem Probanden den Blutdruck.
    Untersucherin Karen Salewski misst bei einem Probanden den Blutdruck.
    Source: Foto: UMG/Cordula Feck
    Copyright: Unimedizin Greifswald

    Auch zahnmedizinische Untersuchungen gehören zum Programm, hier mit Untersucherin Sylvia Schröder.
    Auch zahnmedizinische Untersuchungen gehören zum Programm, hier mit Untersucherin Sylvia Schröder.
    Source: Foto: UMG/Cordula Feck
    Copyright: Unimedizin Greifswald


    Criteria of this press release:
    Journalists, all interested persons
    Biology, Medicine, Nutrition / healthcare / nursing, Psychology
    transregional, national
    Research projects
    German


     

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