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Wie wird aus einer globalen Kommunikationsplattform ein politisch aufgeladenes Netzwerk? Eine neue Studie unter Mitwirkung von Clara Iglesias Keller vom Weizenbaum-Institut zeigt, dass der Umbau von Twitter zu X weit über ein Rebranding hinausgeht. Die in der renommierten Fachzeitschrift New Media & Society veröffentlichte Analyse beschreibt die Entwicklung als gezielte ideologische Transformation – und führt dafür den Begriff des „Platform Illiberalism“ ein.
Der Mechanismus des „Platform Illiberalism“
Das internationale Forschungsteam um João C. Magalhães, Clara Iglesias Keller und Robert Gorwa hat mehr als 1.500 Einzelereignisse im Zuge der Umgestaltung von Twitter ausgewertet. Ihr Befund: Zentrale Mechanismen wie Moderation, Plattformregeln und Sicherheitsstrukturen wurden systematisch umgebaut – mit weitreichenden Folgen für die digitale Öffentlichkeit.
Machtverschiebung und neue Plattformlogik
Seit der Übernahme durch Elon Musk habe sich die grundlegende Logik der Plattform verändert. Die Studie identifiziert drei zentrale Treiber dieser Entwicklung: die Vereinfachung von Regeln, die starke Konzentration von Entscheidungsmacht sowie die gezielte Umdeutung von Sicherheitsmechanismen für politische Zwecke.
Unter dem Konzept des „Platform Illiberalism“ verstehen die Autor:innen eine neue Form digitaler Steuerung: Prinzipien wie Meinungsfreiheit werden rhetorisch betont, gleichzeitig aber Moderationsstandards geschwächt, die bislang demokratische Diskurse geschützt haben.
Der Sysop als Despot
Eine Schlüsselrolle spielt dabei Elon Musk selbst. Die Studie vergleicht ihn mit der bekannten Figur des „Sysop“ – also Systemadministrator – der mit weitreichenden Eingriffsmöglichkeiten die Plattform prägt.
„Musk agiert wie ein Administrator, der das Netzwerk nicht nach transparenten Regeln, sondern nach persönlichen ideologischen Präferenzen steuert“, sagt Clara Iglesias Keller. „Hier entsteht das illiberale Paradox: Während maximale Meinungsfreiheit propagiert wird, führt die Schwächung von Trust-and-Safety-Strukturen dazu, dass marginalisierte Stimmen verdrängt werden.“
Relevanz für Regulierung und Demokratie
Auf Basis politikwissenschaftlicher Konzepte setzt die Studie den Umbau zu X in Kontext mit der Erosion demokratischer Strukturen weltweit. Die Autor:innen argumentieren, dass X inzwischen als Teil einer „illiberalen Öffentlichkeit“ fungiert – ein Kommunikationsraum, der autoritäre Akteure und Einstellungen aktiv fördert.
Deshalb sieht die Studie hierin ein prägnantes Fallbeispiel für eine illiberale Umgestaltung digitaler Infrastrukturen. Die Veränderungen hätten nicht nur Auswirkungen auf die Regeln der Plattform, sondern – allein schon durch die Person Elon Musk – auch auf die Stärkung rechtsextremer Projekte weltweit.
Die Ergebnisse bieten eine wichtige Grundlage für die aktuelle Debatte über die Regulierung großer Online-Plattformen und die Sicherung demokratischer Standards im digitalen Raum.
Zur Studie: The Great Sysop: Elon Musk, X, and the emergence of platform illiberalism https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/14614448261424889
Autor:innen:
João C. Magalhães, University of Manchester
Clara Iglesias Keller, Weizenbaum-Institut & Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
Robert Gorwa, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
The Great Sysop: Elon Musk, X, and the emergence of platform illiberalism https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/14614448261424889
Criteria of this press release:
Journalists
Media and communication sciences, Politics, Social studies
transregional, national
Research results
German

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