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03/18/2026 17:50

Forschung auf Augenhöhe im Amazonas

Melanie Nyfeler Kommunikation
Universität Zürich

    Zwei Forschende der Universität Zürich haben im Urwald Kolumbiens eine neue, bisher unbekannte Palmenart entdeckt und beschrieben. In enger Zusammenarbeit mit der indigenen Gemeinschaft vor Ort kartographierten sie deren Vorkommen und unterzogen ihre Studie einem lokalen Peer-Review-Prozess.

    Rodrigo Cámara-Leret, Professor am Institut für Systematische und Evolutionäre Botanik an der Universität Zürich und sein PhD-Studenten Juan Carlos Copete kamen letztes Jahr mit einem Schatz aus dem kolumbianischen Urwald zurück: eine neue Palmenart, die bisher noch nie beschrieben wurde. Sie trägt den Namen «Attalea táam» und wächst rund um das Gebiet der indigenen Cacua-Gemeinschaft bei Wacará im Departement Vaupés im Südosten Kolumbiens. Die Region ist nur über eine lange Bootsfahrt und einen rund zweistündigen Fussmarsch erreichbar.

    Ein Zufallsfund

    «Es ist purer Zufall, dass wir die neue Palmenart entdeckt haben», lacht Copete. «Dank des Hinweises eines lokalen Professors wurden wir auf die Cacua-Gemeinschaft aufmerksam und reisten dorthin.» Die Cacua lebten mitten im Urwald nahe der Grenze zu Brasilien. Die rund 200 Personen haben wenig Kontakt zur Aussenwelt und sprechen ihre eigene Sprache.

    Die beiden Forschenden wurden von den Indigenen mit einem Imbiss empfangen, an dem ihnen unbekannte Palmenfrüchte serviert wurden. Auf ihre Nachfrage meinte jemand, dass die Pflanzen wohl angebaut würden. Erst der direkte Kontakt mit den Cacua ergab später, dass die Palmen, die diese Früchte hervorbrachten, in der Umgebung wild wuchsen.

    Enge Zusammenarbeit mit indigener Bevölkerung

    Von da an war die wissenschaftliche Neugier der beiden Forscher nicht mehr zu bremsen: Zusammen mit Cacua-Ältesten und einem jungen Jäger lokalisierten sie die wild wachsenden Bestände der Palme im Wald, Pflanzenmaterial wurde gesammelt und dokumentiert. «Für die Cacua ist die Palmfrucht ein wichtiges Nahrungsmittel, mit den Blättern decken sie ihre Scheunen. Sie wussten genau, wo die einzelnen Bäume standen und wie viele Früchte sie ernten durften, um den Bestand nicht zu gefährden», erklärt Cámara-Leret.

    Zurück in Zürich analysierten die Forscher die morphologischen Merkmale der Palmen und ihrer Früchte im Detail, untersuchten die Blüten mithilfe digitaler Mikroskopie und zogen wissenschaftliche Literatur zu Rate. Die Cucua arbeiten derweil vor Ort weiter: Sie kartierten eigenständig das Vorkommen der Bäume, fotografierten Standorte und dokumentierten Bodenbedingungen.

    Häufigste Baumkronenpalme im Amazonas

    Die Gattung Attalea ist eine der am häufigsten vorkommenden Baumkronenpalmen in tropischen Tieflandregenwald des Amazonas. Die verscheiden Arten sind jedoch schwierig zu identifizieren, da sie erhebliche morphologischen Unterschiede innerhalb einer Art aufweisen und meist männliche und weibliche, aber auch hybride Blütenstände haben.
    Die neue Art «Attalea táam», benannt nach ihrer Cacua-Bezeichnung, ist an ihrem Stamm mit deutlich ausgeprägten orange-braunen ringförmigen Blattnarben zu erkennen. Die Palmen können bis zu 23 Meter hoch werden. Die Krone hat aufrechte, bis zu 12 Meter lange Blätter. Die eiförmigen Früchte sind gelblich-braun mit brauner Spitze und müssen etwa ein Jahr lang reifen, um essbar zu sein.

    Wissenschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe

    Die beiden Forscher unterstreichen, dass sie die Artenvielfalt der Region dank der interkulturellen Zusammenarbeit mit den Cacua viel schneller erfassen konnten. «Für uns war dies ein Meilenstein. Wir hatten die einmalige Gelegenheit, eine andere Art von Wissenschaft zu machen und die lokale Bevölkerung aktiv zu integrieren», sagt Cámara-Leret. Die Cacua schätzten diese Kooperation ebenfalls und engagierten sich aktiv. «Sie waren stolz, dass sie uns ihr Wissen weitergeben konnten. Gleichzeitig wollten sie von uns lernen», fügt Copete an.

    Daher war es den Forschenden wichtig, die Einheimischen auch am Ergebnis teilhaben zu lassen. Wieder zurück in Kolumbien, erstellten sie zusammen mit den Cacua und einer kolumbianischen Künstlerin eine Karte der gesamten Region und liessen die einzelnen Symbole von dortigen Schulkindern malen. Die Karte wie auch die auf Cacua übersetzte Studie wurde der Gemeinschaft präsentiert. «Wir bestanden auf einem lokalen Peer-review, um den Cacua zu zeigen, wie wertvoll ihr Input und ihr Feedback sind», sagt Camara-Leret. «Wir wollten nicht wie zu Zeiten Humboldts indigenes Wissen anzapfen, ohne etwas zurückzugeben.» Ein solches gemeinsames Ergebnis ist die erstellte Karte, auf der die Cacua zum ersten Mal die Namen ihrer Flüsse, Hügel und Pflanzenarten geschrieben sehen.

    Gemeinsam wachsen

    Auch als Forschender lerne man viel über die andere Kultur und die Lebensumstände der Einheimischen, wachse am gemeinsamen Austausch. «Das ist das Schöne an Wissenschaft: Wenn man offen für das Unerwartete ist und sich die nötige Zeit nimmt, wird man reich beschenkt», fasst Cámara-Leret zusammen.

    Literatur:
    Juan Carlos Copete et al. Attalea taam - a new palm species well known by the Cacua Indigenous people. Phytotaxa, 23 Jan. 2026. DOI: 10.11646/phytotaxa.739.1.5


    Contact for scientific information:

    Dr. Rodrigo Cámara Leret
    Department of Systematic and Evolutionary Botany
    University of Zürich
    044 634 84 11
    rodrigo.camaraleret@uzh.ch


    Original publication:

    Literatur:
    Juan Carlos Copete et al. Attalea taam - a new palm species well known by the Cacua Indigenous people. Phytotaxa, 23 Jan. 2026. DOI: 10.11646/phytotaxa.739.1.5


    More information:

    https://www.news.uzh.ch/de/articles/news/2026/citizen-sience.html


    Images

    Die Karte, wo die neue Palme «Attalea táam» zu finden ist, entstand in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit mit den Cacua.
    Die Karte, wo die neue Palme «Attalea táam» zu finden ist, entstand in gemeinschaftlicher Zusammenar ...
    Source: (Bild: Juan Carlos Copete)
    Copyright: (Bild: Juan Carlos Copete)


    Criteria of this press release:
    Journalists
    Biology, Cultural sciences, Environment / ecology, Social studies, Zoology / agricultural and forest sciences
    transregional, national
    Research projects, Research results
    German


     

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