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03/19/2026 12:02

Präzisere Diagnostik bei Lungenrundherden: Dr. Erik Büscher erhält Pneumologie-Forschungspreis für klinische Medizin

Nina Meckel Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP)

    Der Forschungspreis für klinische Medizin der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) geht in diesem Jahr an Dr. med. Erik Büscher von der Universitätsmedizin Essen Ruhrlandklinik. Ausgezeichnet wird seine Forschungsreihe zur präziseren und zugleich ressourcenschonenden Diagnostik von verdächtigen Veränderungen im Lungengewebe. „Die Arbeiten befassen sich mit der gesamten diagnostischen Kette – von der ersten Risikoeinschätzung über die Bildgebung bis hin zu neuen minimal-invasiven Zugangswegen für Gewebeproben.

    Sie haben besonders mit Blick auf das geplante nationale Lungenkrebs-Screening eine hohe Relevanz, um noch sicherer und effizienter abklären zu können“, würdigt Prof. Dr. Wolfram Windisch, Pastpräsident der DGP die Leistung des Preisträgers. Der mit 10.000 Euro dotierte Forschungspreis wurde heute im Rahmen des DGP-Jahreskongresses in München verliehen.

    Im Mittelpunkt der Forschung von Dr. Erik Büscher stehen Lungenrundherde, also kleine Verdichtungen in der Lunge. Solche Befunde werden in Computertomografien relativ häufig entdeckt und künftig voraussichtlich noch häufiger, wenn noch in diesem Jahr ein nationales Programm zur Früherkennung von Lungenkrebs in Deutschland startet. Dann müssen Ärztinnen und Ärzte entscheiden: Ist der Befund harmlos oder könnte es sich um Krebs handeln? Und wenn eine Gewebeprobe nötig ist – wie lässt sich der Herd möglichst schonend erreichen? „Wir wollen die gesamte diagnostische Kette verbessern, vom ersten Verdacht bis zur gezielten Gewebeentnahme“, erklärt Dr. Erik Büscher deshalb seine Intention.

    Deutlich weniger Strahlung bei hochauflösender Bildgebung

    Eine der ausgezeichneten Studien zeigt, dass sich moderne photonenzählende Computertomografie (Photon-Counting CT: https://publications.ersnet.org/content/erj/65/4/2402476) besonders gut für die Planung einer Navigationsbronchoskopie eignet. Dafür wird eine hochauflösende CT-Aufnahme benötigt, aus der eine präzise 3D-Rekonstruktion der Atemwege erstellt wird. Diese dient während der Bronchoskopie als „Navigationskarte“, mit deren Hilfe Ärztinnen und Ärzte gezielt zu einem Rundherd gelangen können. Der Vorteil der neuen Technik: Die Strahlenbelastung lässt sich stark reduzieren. In der Studie sank diese um rund 83 Prozent im Vergleich zur herkömmlichen CT-Technik, bei gleichzeitig besserer Bildqualität. „Damit könnten künftig mehrere diagnostische Schritte in einer einzigen Untersuchung zusammengefasst werden“, sagt der Preisträger. „Das spart Zeit, Kosten und vor allem unnötige Strahlenbelastung für die Patientinnen und Patienten.“

    Neue Zugangstechnik für schwer erreichbare Lungenherde

    Eine zweite Arbeit (Essen Tunnel: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40396513/) widmet sich einem praktischen Problem der Bronchoskopie: Manche Rundherde liegen so in der Lunge, dass sie über die natürlichen Atemwege kaum erreichbar sind, weil kein zuführender Bronchus vorhanden ist. Traditionell waren dafür oft invasivere Verfahren wie eine Punktion durch die Brustwand oder sogar eine Operation nötig. Das Forschungsteam um Erik Büscher entwickelte deshalb eine modifizierte Form einer 2015 erstmals beschriebenen bronchoskopischen Zugangstechnik. Der sogenannte „Essen-Tunnel“ erlaubt es, einen künstlichen Zugang zum Rundherd zu schaffen und auch periphere Läsionen mit einem sehr dünnen Bronchoskop zu erreichen. Gleichzeitig verzichtet die Methode auf zuvor notwendige Zugangskits und reduziert so den Ressourceneinsatz. „Mit dieser Methode können wir Läsionen erreichen, die früher bronchoskopisch praktisch unzugänglich waren“, erklärt der Preisträger. „Wir erweitern also das Spektrum der bronchoskopischen Diagnostik enorm.“

    Besser abschätzen: Bösartig oder nicht?

    Die dritte Studie befasst sich mit einer entscheidenden Frage vor jeder invasiven Untersuchung: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Lungenrundherd tatsächlich bösartig ist? Hier validierte das Forschungsteam das sogenannte LIONS-PREY-Modell an einer Real-World-Patientenkohorte. Das Modell kombiniert verschiedene klinische und radiologische Informationen und kann in Hochrisikokollektiven noch verlässlicher als andere etablierte Modelle zwischen gutartigen und bösartigen Veränderungen unterscheiden. „Eine präzise Risikoeinschätzung hilft uns, unnötige Eingriffe zu vermeiden und gleichzeitig potenziell bösartige Befunde frühzeitig zu erkennen“, so Erik Büscher.

    Forschung als Teamarbeit

    „Der Preis ist für mich eine große Würdigung der Arbeit der letzten Jahre und eine Motivation, diesen Weg weiterzugehen“, sagt der junge Pneumologe. Das sei auch nur durch ein tolles und unterstützendes Team an der Universitätsmedizin Essen Ruhrlandklinik möglich, insbesondere durch Faustina Funke (lt. Oberärztin der Sektion Interventionelle Pneumologie), Prof. Dr. Kaid Darwiche (früherer Sektionsleiter), PD Dr. Marcel Opitz (Oberarzt Radiologie) sowie Prof. Dr. Christian Taub (Direktor der Klinik für Pneumologie).
    Mit Blick auf die Zukunft plant der Preisträger weitere Studien, unter anderem mit Methoden des maschinellen Lernens, die Ärztinnen und Ärzten bei der Entscheidungsfindung und Bewertung von Lungenbefunden unterstützen sollen. Eine Botschaft ist ihm besonders wichtig: „Wenn das Lungenkrebs-Screening startet, sollten Menschen, die dafür infrage kommen, dieses Angebot unbedingt nutzen! Eine frühe Diagnose kann Leben retten.“


    More information:

    https://pneumologie.de/aktuelles-service/presse/pressemitteilungen/praezisere-di...


    Images

    Dr. med. Erik Büscher
    Dr. med. Erik Büscher

    Copyright: privat


    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars
    Medicine
    transregional, national
    Contests / awards, Transfer of Science or Research
    German


     

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