idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
03/23/2026 11:23

Neue Sonde macht Karies in 3D sichtbar – ohne Röntgen

Claudia Zahn Kommunikation & Marketing
Westsächsische Hochschule Zwickau

    Zwickau/Dresden, 20.03.2026 Die Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ) entwickelt gemeinsam mit der Poliklinik für Zahnerhaltung (PK-ZER) der Medizinischen Fakultät der TU Dresden am Universitätsklinikum Dresden im Verbundprojekt KARiSO-3D eine handgeführte Intraoral-Sonde. Diese soll Zahnstrukturen nichtinvasiv, tiefenaufgelöst und dreidimensional abbilden.

    Die Karies wird in der Praxis heute vor allem visuell beurteilt und bei Bedarf per Röntgen abgeklärt. Frühstadien und verdeckt liegende kariöse Läsionen lassen sich dabei nur begrenzt erfassen – zugleich gilt es, die Strahlenexposition in der Medizin auf das notwendige Maß zu reduzieren. „Unser Ziel ist eine klinisch praktikable Bildgebung, die frühe Veränderungen der Zahnhartsubstanz zuverlässiger sichtbar macht als heutige Routineverfahren“, sagt Prof. Dr. rer. nat. habil. Peter Hartmann, Leiter der Arbeitsgruppe Optische Technologien an der WHZ. „Dafür entwickeln wir eine speziell angepasste Sonde für den Einsatz im Mundraum.“

    OCT statt Röntgen: 3D-Blick in die Zahnhartsubstanz

    Technologische Basis der Sonde ist die optische Kohärenztomografie (OCT). Das Verfahren nutzt die Interferenz von nahinfrarotem Licht, um innere Strukturen in hoher Auflösung sichtbar zu machen. Anders als klassische Kamerasysteme liefert OCT nicht nur Oberflächenbilder, sondern Schichtinformationen aus tieferen Strukturen. So entsteht aus vielen Einzelmessungen ein volumetrisches 3D-Bild. Ein Schwerpunkt von KARiSO-3D liegt auf der 3D-Datenfusion: Messdaten sollen so aufeinander abgestimmt und zusammengeführt werden, dass Befunde vergleichbar dokumentiert und über Zeitpunkte hinweg reproduzierbar ausgewertet werden können. Perspektivisch unterstützt das die klinische Entscheidungsfindung, etwa bei der Frage, ob eine Läsion noch nichtinvasiv kontrolliert oder minimalinvasiv behandelt werden sollte.

    Von der Entwicklung zur Pilotstudie

    Nach der technischen Entwicklung und experimentellen Validierung ist eine Pilotstudie mit Probanden geplant. Ziel ist es, erstmals systematisch Bilddatensätze kariöser Läsionen mit der neuen Sonde zu erfassen. Diese Datengrundlage ist entscheidend, um Bildmerkmale zuverlässig zu interpretieren, Auswerteverfahren zu vergleichen und die spätere klinische Anwendung vorzubereiten.

    Verbund aus Zahnmedizin und Ingenieurwissenschaften

    Im Projekt ergänzen sich die Partner entlang der gesamten Kette von der Technologie bis zur klinischen Anwendung: Die PK-ZER am Universitätsklinikum Dresden unter Leitung von Prof. Christian Hannig bringt die klinische Perspektive, Expertise zu oralen Bioadhäsionsprozessen sowie Fragestellungen aus der Kariologie und den praktischen Rahmenbedingungen der Anwendung ein. "Das Projekt passt hervorragend zu den Forschungsschwerpunkten der Poliklinik für Zahnerhaltung: Medizintechnik, Prävention und Oberflächeninteraktionen in der Mundhöhle an der Schnittstelle von Smart Technology und Life Sciences“ erklärt Hannig.
    Die WHZ verantwortet die technische Entwicklung der Sonde, die optischen Konzepte sowie die Methoden der 3D-Datenfusion und Auswertung. Mittelfristig soll KARiSO-3D nicht nur die minimalinvasive Zahnmedizin stärken, sondern auch die Ausbildung unterstützen – etwa durch neue Möglichkeiten zur objektiven Visualisierung und Dokumentation von Befunden.

    Über das Projekt KARiSO-3D

    Projektname: KARiSO-3D – Kariesdiagnostik mit einer Intraoral-Sonde und optischer 3D-Datenfusion
    Projektpartner: Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ), TU Dresden / Universitätsklinikum Dresden (PK-ZER)
    Laufzeit: 10/2025 - 12/2027
    Fördermittelgeber/ Förderprogramm: SAB / EFRE InfraProNet 2021-2027
    Förderkennzeichen: 100759301

    Über die Arbeitsgruppe „Optische Technologien“ der WHZ

    Die Arbeitsgruppe „Optische Technologien“ am Leupold-Institut für angewandte Naturwissenschaften der WHZ entwickelt Lösungen für messtechnische Aufgaben u. a. in Medizintechnik, Photonik, Halbleiter- und Automobilanwendungen. Der Schwerpunkt liegt auf optischer Sensorik, Bildgebung und datengetriebener Auswertung – mit einem klaren Fokus auf den Transfer in robuste Anwendungen.

    Über die Poliklinik für Zahnerhaltung (PK-ZER)

    Die Poliklinik für Zahnerhaltung (PK-ZER) mit den Bereichen Parodontologie und Kinderzahnheilkunde der Medizinischen Fakultät der TU Dresden am Universitätsklinikum Dresden ist spezialisiert auf die Prävention, Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen der Zahnhartsubstanz und des Zahnhalteapparates. In Forschung und Lehre entwickelt und evaluiert die PK-ZER evidenzbasierte Konzepte der minimalinvasiven Zahnmedizin und untersucht neue Verfahren zur objektiven Befundung und Therapieplanung. In der Patientenversorgung verbindet die Poliklinik moderne klinische Standards mit wissenschaftlich fundierten Behandlungsstrategien.

    Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch die Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.


    Contact for scientific information:

    Westsächsische Hochschule Zwickau
    Fakultät Physikalische Technik/ Informatik
    Kornmarkt 1, 08056 Zwickau
    Prof. Dr. rer. nat. habil. Peter Hartmann
    Peter.hartmann@whz.de
    Telefon +49 375 536-1538
    Mobil +49 1522 9262090


    Images

    Demonstration der Intraoral-Sonde im Rahmen des Projektauftakts von KARiSO-3D an der Poliklinik für Zahnerhaltung der TU Dresden. Das System soll eine strahlungsfreie, dreidimensionale Kariesdiagnostik ermöglichen
    Demonstration der Intraoral-Sonde im Rahmen des Projektauftakts von KARiSO-3D an der Poliklinik für ...
    Source: Svea Steuer
    Copyright: TU Dresden

    Projektteam des Verbundprojekts KARiSO-3D
    Projektteam des Verbundprojekts KARiSO-3D
    Source: Svea Steuer
    Copyright: TU Dresden


    Attachment
    attachment icon Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch die Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.

    Criteria of this press release:
    Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars
    Electrical engineering, Information technology, Medicine, Physics / astronomy
    transregional, national
    Research projects, Transfer of Science or Research
    German


     

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).