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Wissenschaft
Eine Stadt plant Maßnahmen zum Schutz vor Starkregen. Technisch scheint vieles möglich. Doch schnell wird klar: Es geht nicht nur um Ingenieurfragen. Genehmigungen müssen eingeholt werden, verschiedene Behörden sind beteiligt, Daten fehlen oder sind schwer vergleichbar – und einzelne Maßnahmen beeinflussen sich gegenseitig. Was auf den ersten Blick lösbar wirkt, wird so zu einem Geflecht aus Abhängigkeiten.
Solche Situationen sind heute typisch – ob bei Klimaanpassung, Digitalisierungs- und Infrastrukturprojekten oder kommunaler Planung. Entscheidungen entstehen nicht mehr entlang einer einzigen Fragestellung, sondern im Zusammenspiel vieler Faktoren. „Die Herausforderung besteht nicht darin, Komplexität zu vermeiden“, sagt Prof. Müller-Czygan von der Hochschule Hof. „Die Herausforderung besteht darin, sie so zu strukturieren, dass man handlungsfähig bleibt.“
Struktur statt Überforderung
Genau hier setzt die Plattform TIMEA (Innovationstransfer durch Mehrebenenanalyse) an, die am Institut für nachhaltige Wassersysteme (inwa) der Hochschule Hof entwickelt wurde. Sie hilft dabei, komplexe Fragestellungen übersichtlich zu strukturieren und nachvollziehbar zu analysieren. Grundlage ist die sogenannte Mehrebenenanalyse. Vereinfacht gesagt bedeutet das: Ein Problem wird nicht isoliert betrachtet, sondern gleichzeitig aus verschiedenen Perspektiven – etwa technisch, organisatorisch oder rechtlich. So werden Zusammenhänge sichtbar, die sonst leicht übersehen werden.
Was früher häufig in umfangreichen Excel-Tabellen abgebildet wurde, lässt sich heute in TIMEA visuell darstellen. Kriterien können erfasst, miteinander verknüpft und gemeinsam analysiert werden. Ergebnisse bleiben dabei jederzeit nachvollziehbar – ein Vorteil gerade in Abstimmungsprozessen mit vielen Beteiligten. „Gerade in komplexen Projekten ist es entscheidend, den Überblick zu behalten – genau dabei unterstützt TIMEA.“, so Müller-Czygan.
Unterstützung durch KI
Gerade in Workshops oder Diskussionen entsteht oft wertvolles Wissen, das nicht vollständig dokumentiert wird. TIMEA unterstützt diesen Prozess mit einem integrierten Textanalysator. Er vergleicht Notizen mit den bereits erfassten Inhalten, erkennt fehlende Aspekte, weist auf mögliche Dopplungen hin und macht Inkonsistenzen sichtbar. So wird die Analyse vollständiger – ohne dass die fachliche Bewertung aus der Hand gegeben wird. „Die KI ersetzt keine fachliche Bewertung“, betont Müller-Czygan. „Aber sie hilft uns, den Überblick zu behalten und blinde Flecken zu vermeiden.“
Die technische Grundlage bildet die hochschuleigene LLM-Lösung LISA, die über eine Schnittstelle in die Plattform integriert ist. Die Verarbeitung erfolgt innerhalb der Projektumgebung, und der Einsatz der KI wird bewusst gesteuert.
Erprobt in Praxis und Forschung
Von Beginn an wurde TIMEA nicht nur entwickelt, sondern auch aktiv eingesetzt – in Seminaren, Workshops und Forschungsprojekten. Die dabei gewonnenen Rückmeldungen flossen kontinuierlich in die Weiterentwicklung ein. Begriffe wurden geschärft, Abläufe vereinfacht und Darstellungen übersichtlicher gestaltet. Damit wird aus einer wissenschaftlichen Methode ein praxisnahes Werkzeug – für alle, die mit komplexen Fragestellungen arbeiten.
Bereits heute kann die Plattform getestet werden: Unter www.timea-tool.de steht ein Online-Zugang zur Verfügung, über den Interessierte die Arbeitsweise und Möglichkeiten des Werkzeugs kennenlernen können. (Login E-Mail: demo@gmail.com, Passwort: demo)
Das Projekt TIMEA („Transferbeschleunigung von Innovationen durch webbasierte Mehrebenenanalyse“) wurde im Rahmen des Förderprogramms DATIpilot des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt unterstützt.
Prof. Günter Müller-Czygan
Criteria of this press release:
Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars, Students, Teachers and pupils, all interested persons
Economics / business administration, Environment / ecology, Information technology
transregional, national
Research results, Transfer of Science or Research
German

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