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03/25/2026 13:20

10 Jahre Medizininformatik-Initiative: Millionen klinischer Daten für Forschung und Versorgung

Wiebke Lesch Geschäftsstelle TMF e.V.
TMF - Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF)

    Berlin, 25. März 2026. Die Medizininformatik-Initiative (MII) zeigt eindrucksvoll, wie digitale Gesundheitsdaten Forschung und Versorgung verändern. Auf dem MII-Symposium 2026 wird deutlich: Deutschland verfügt heute über eine leistungsfähige Infrastruktur, die klinische Daten in großem Umfang für die Forschung nutzbar macht und damit die Grundlage für eine neue, datengetriebene Medizin legt. Auf dem Jubiläumssymposium am 24. und 25. März 2026 kamen zentrale Akteure der digitalen Gesundheitsforschung zusammen, um Bilanz zu ziehen und Perspektiven für die kommenden Jahre zu diskutieren.

    „Daten sind der Rohstoff der Zukunft“, betonte der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Matthias Hauer, bei der Eröffnung des MII-Symposiums. „Die MII hat gezeigt, was möglich ist, wenn Wissenschaft, Versorgung und Politik gemeinsam den digitalen Aufbruch wagen.“ Er verwies auf den Erfolg der MII, die in den letzten zehn Jahren aus einer fragmentierten Datenlandschaft eine vernetzte Struktur mit einheitlichen Standards aufgebaut hat.

    Forschungsdatenportal für Gesundheit stellt Real-World-Daten in großem Umfang bereit

    Basierend auf dieser Infrastruktur können Forschende über das Forschungsdatenportal für Gesundheit (FDPG) auf Daten in bislang unerreichtem Umfang zugreifen: Mehr als zwei Milliarden Laborwerte, die Basisdaten von über 21 Millionen Patientinnen und Patienten aus allen Universitätskliniken sowie über 200 Millionen Vitaldaten aus der Intensivmedizin stehen für wissenschaftliche Fragestellungen zur Verfügung.

    „Die Medizininformatik-Initiative zeigt eindrucksvoll, wie man mit harmonisierten Daten und intelligenten Algorithmen Krankheiten besser erforschen kann. Mit der MII haben wir eine leistungsfähige Dateninfrastruktur aufgebaut, die medizinische Datensätze aus der Universitätsmedizin verknüpft und nutzbar macht“, sagt Sebastian C. Semler, Leiter der Koordinationsstelle der MII.

    Grundlage dieser Entwicklung ist der bundesweite Aufbau von Datenintegrationszentren (DIZ) an allen Universitätskliniken. Sie bereiten klinische Versorgungs- und Forschungsdaten datenschutzgerecht auf und stellen sie standortübergreifend für die Forschung bereit. Das FDPG bündelt diese Datenbestände, ermöglicht Machbarkeitsanfragen und standardisierte Antragsverfahren.

    Real-World-Daten ermöglichen neue Datenanalysen

    Was mit diesen Real-World-Daten möglich ist, zeigen zahlreiche Forschungsprojekte auf dem Symposium: Von der Analyse komplexer Krankheitsverläufe über die Optimierung von Therapien bis hin zu neuen Ansätzen in der Präzisionsmedizin tragen datengetriebene Auswertungen bereits heute dazu bei, die Patientenversorgung zu verbessern.

    Prof. Dr. Irit Nachtigall, Vivantes GmbH, wies auf geschlechtsspezifische Unterschiede bei Diagnostik, Therapie und Verlauf von Sepsis hin. „Sepsis wird bei Frauen häufig später erkannt und behandelt“, so Nachtigall. Die Daten der MII schaffen die Grundlage, solche Unterschiede systematisch zu identifizieren und künftig eine gezieltere, geschlechterspezifische Sepsiserkennung und -therapie zu ermöglichen.

    Dr. Jakob Zierk vom Uniklinikum Erlangen stellte dar, dass für pädiatrische Referenzintervalle bisher verlässliche Datengrundlagen fehlen. Die deutschlandweite Studie PEDREF 2.0 nutzt daher klinische Routinedaten der MII und moderne Data-Mining-Methoden, um präzisere Referenzintervalle zu entwickeln und so die labordiagnostische Entscheidungsfindung in der Pädiatrie deutlich zu verbessern.

    MII und Netzwerk Universitätsmedizin wachsen zusammen

    In einer nächsten Entwicklungsstufe wachsen die MII und das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) zu einer leistungsfähigen Forschungsinfrastruktur zusammen. Das schafft die Voraussetzungen für mehr Innovationen, mehr Wettbewerbsfähigkeit und mehr Wertschöpfung durch Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz.
    „Harmonisierte Daten und smarte Algorithmen sind der Treibstoff für die Medizin der Zukunft. Mit der Medizininformatik-Initiative werden die Voraussetzungen geschaffen, um die Gesundheitsdatennutzung fit für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz zu machen und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands nachhaltig zu stärken“, betonte Jens Bussmann, Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD).

    Wie stark sich die Medizin durch Daten verändern wird, verdeutlicht auch die Keynote von Prof. Dr. Björn Eskofier von der Ludwig-Maximilians-Universität München: „Gesundheitsdaten werden zur Grundlage moderner, präziser und personalisierter Medizin. Künstliche Intelligenz wird Ärztinnen und Ärzte zunehmend bei Diagnostik und Therapie unterstützen. Damit dieses Potenzial Realität wird, brauchen wir jedoch nachhaltige Dateninfrastrukturen und klare wissenschaftspolitische Strategien. Mit der Medizininformatik-Initiative und dem European Health Data Space entstehen auch in Deutschland und Europa wichtige Grundlagen dafür.“

    Digitale FortschrittsHubs erschließen Daten transsektoral

    In einem nächsten Schritt soll die MII nun transsektoral von der Universitätsmedizin in die Versorgung erweitert werden. Dr. Johanna Ludwig von der gematik sagte in ihrer Keynote: „Erst wenn Daten aus dem klinischen Alltag strukturiert verfügbar sind, können wir die Versorgung wirklich verstehen und verbessern.“ Die Digitalen FortschrittsHubs (DigiHubs) haben sich dieses Ziel gesetzt und stellten ihre Konzepte dazu im Rahmen des 1. DigiHubs-Symposiums auf dem MII-Symposium vor. „Die DigiHubs verankern modellhafte digitale Lösungen aus der Universitätsmedizin in die regionale Versorgung und entwickeln die Ergebnisse der MII weiter“, so Semler. Bis 2029 sollen so Daten aus der Versorgung transsektoral für die Forschung erschlossen werden.

    Über die Medizininformatik-Initiative

    Die MII ist ein deutschlandweites Innovationsprojekt, das medizinische Daten aus der Versorgung nutzbar macht – für die Forschung und für eine bessere Patientenversorgung. Dabei arbeiten Universitätskliniken, Forschungseinrichtungen und Partner aus der Praxis eng zusammen, um den digitalen Wandel in der Medizin voranzutreiben. Koordiniert wird die MII von der TMF e. V., gemeinsam mit dem Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) und dem Medizinischen Fakultätentag der Bundesrepublik Deutschland e. V. (MFT). Das Bundesministerium für Forschung, Raumfahrt und Technologie (BMFTR) fördert die MII bis einschließlich 2026 mit insgesamt über 480 Millionen Euro.

    Die MII baut seit 2016 Dateninfrastrukturen an den Universitätskliniken auf. Anhand vielfältiger Anwendungsfälle – von der Intensiv- bis zur Krebsmedizin – demonstrierten die MII-Partner bereits den Mehrwert ihrer IT-Lösungen in der Praxis. Im Fokus der Ausbau- und Erweiterungsphase (2023–2026) steht eine erweiterte Zusammenarbeit zwischen den Universitätskliniken und deren Kooperation mit neuen Partnern, insbesondere auch aus der regionalen Versorgung, den sogenannten Digitalen FortschrittsHubs (DigiHubs).

    Ein wichtiger Baustein der MII ist das Forschungsdatenportal für Gesundheit (FDPG). Es soll allen Forschenden als zentrale Anlaufstelle dienen, wenn sie Daten und Bioproben der Universitätsmedizin nutzen wollen.


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    Criteria of this press release:
    Journalists
    Information technology, Medicine
    transregional, national
    Research projects, Scientific conferences
    German


     

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