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Wissenschaft
Kein anderer bösartiger Tumor ist für so viele Todesfälle verantwortlich wie der Lungenkrebs: In Deutschland sterben jedes Jahr etwa 45.000 Menschen an den Folgen der Erkrankung. Das Problem: Nur etwa 15 Prozent aller Fälle werden in einem Frühstadium entdeckt (Stadium I), in dem die Heilungschancen noch vergleichsweise günstig sind. Ab dem 1.4.2026 soll sich das ändern: Dann wird das Lungenkrebs-Screening für derzeitige und ehemalige starke Raucher als neue Leistung der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland eingeführt. Für ein deutschlandweit flächendeckendes Angebot müssen jedoch erst ausreichend überweisende Ärzte und Radiologen für das Programm qualifiziert sein.
Der wichtigste Risikofaktor für Lungenkrebs ist das Rauchen. Teilnahmeberechtigt an dem neuen Programm sind daher Menschen zwischen 50 und 75 Jahren, wenn sie mindestens 25 Jahre lang stark geraucht haben (Zigarettenkonsum von mindestens 15 Packungsjahren*) und erst vor weniger als zehn Jahren mit dem Rauchen aufgehört haben.
„Die Prognose von Lungenkrebs hängt ganz maßgeblich vom Zeitpunkt der Diagnose ab. Werden die Tumoren in einem sehr frühen Stadium entdeckt, ist oft noch Heilung möglich“, sagt Rudolf Kaaks, Epidemiologe am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Er erklärt: „Internationale epidemiologische Studien, unter anderem aus dem DKFZ, haben gezeigt, dass jährliche CT-Untersuchungen mit niedriger Strahlendosis die Lungenkrebs-bedingte Sterblichkeit senken können.“ Der Grund: Tumoren lassen sich im CT oft schon in einem frühen Stadium erkennen, in dem sie sich noch nicht durch Symptome bemerkbar machen – also dann, wenn eine Heilung noch möglich ist.
Eine regelmäßige jährliche Niedrigdosis-CT-Untersuchung über zehn Jahre hinweg kann fünf von tausend Raucherinnen bzw. sechs von tausend Rauchern vor einem Tod durch Lungenkrebs bewahren, so informiert der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA). Die Untersuchung kann aber auch Nachteile haben, z.B. wegen der Strahlenbelastung oder durch unklare Befunde, die sich später als gutartig herausstellen. Daher ist sie nur für Personen mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko sinnvoll.
Allerdings steht das neue Früherkennungs-Angebot zum Stichtag 1. April vermutlich noch nicht flächendeckend zur Verfügung: Für die Niedrigdosis-CT-Untersuchung ist eine Überweisung vom Allgemeinmediziner oder Internisten erforderlich. „Doch die Ärztinnen und Ärzte müssen sich erst für das neue Programm qualifizieren“, gibt Susanne Weg-Remers, die Leiterin des Krebsinformationsdienstes am DKFZ, zu bedenken. Vor allem teilnehmende Radiologinnen und Radiologen benötigen eine spezielle Fortbildung und sie müssen ihre Qualifikation sowie bestimmte Mindestmengen an durchgeführten Thorax-CTs nachweisen. Erst dann erhalten sie die erforderliche Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Medizinerin geht davon aus, dass es daher wohl noch etwas dauern könnte, bis interessierte Teilnahmeberechtigte die Untersuchungen in ganz Deutschland wahrnehmen können.
„Raucherinnen und Raucher sollten sich genau über die Vor- und Nachteile des Screenings informieren“, so Susanne Weg-Remers und ergänzt: „Eine Früherkennung kann Lungenkrebs nicht verhindern, aber die Prognose der Erkrankung deutlich verbessern.“
Allerdings sind sich alle Fachleute einig: Die wichtigsten Maßnahmen, um Lungenkrebs nachhaltig einzudämmen, sind eine konsequente Tabakkontrollpolitik sowie Angebote, um Raucherinnen und Raucher beim Rauchstopp zu unterstützen.
Weitere Informationen zum neuen Lungenkrebs-Screening:
Infoblatt Lungenkrebs-Früherkennung des Krebsinformationsdienstes
Information Lungenkrebs-Früherkennung des GBA
* Packungsjahre: Zahl der pro Tag gerauchten Zigarettenpackungen multipliziert mit der Zahl der Raucherjahre
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, Interessierte und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.
Um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Patientinnen und Patienten zu verbessern, betreibt das DKFZ gemeinsam mit exzellenten Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland Translationszentren:
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT, 6 Standorte)
Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK, 8 Standorte)
Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) Heidelberg
Helmholtz-Institut für translationale Onkologie (HI-TRON) Mainz – ein Helmholtz-Institut des DKFZ
DKFZ-Hector Krebsinstitut an der Universitätsmedizin Mannheim
Nationales Krebspräventionszentrum (gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe)
Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.
Ansprechpartner für die Presse:
Dr. Sibylle Kohlstädt
Pressesprecherin
Strategische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2843
E-Mail: S.Kohlstaedt@dkfz.de
E-Mail: presse@dkfz.de
www.dkfz.de
Criteria of this press release:
Journalists
Biology, Medicine
transregional, national
Miscellaneous scientific news/publications
German

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