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Wissenschaft
Ein deutsch-bulgarisches Forschungsteam um SNSB Paläontologen Christian Bartel hat einen neuen Weberknecht in 35 Millionen Jahre altem ukrainischem und baltischem Bernstein entdeckt. Das Tier ist verwandt mit Weberknechten, die heute in Europa ausgestorben sind. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden in der Fachzeitschrift Acta Palaeontologica Polonica.
Das Spinnentier wurde perfekt konserviert vor 35 Millionen Jahren in einem Tropfen Baumharz - Bernsteinfossilien sind ein Glücksfall für die Wissenschaft. Der jetzt entdeckte Weberknecht stammt aus eozänen Bernsteinvorkommen der Ukraine und dem Baltikum. Paläontologen identifizierten das Tier als eine bisher unbekannte Art aus der Unterfamilie der Ortholasmatinen. Weberknechte dieser Gruppe zeichnen sich oft durch ein auffälliges Erscheinungsbild aus: Ihr Körper ist stark ornamentiert, mit zahlreichen, teils gitterartigen Fortsätzen im Kopfbereich. Fossile Ortholasmatinen kannte man bisher nicht.
Balticolasma wunderlichi heißt nun der erste fossile Vertreter dieser Weberknechte, entdeckt und beschrieben durch ein Forschungsteam um Dr. Christian Bartel von den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) und Prof. Plamen Mitov von der Sofia Universität, Bulgarien. Wie ihre heutigen Verwandten besitzen auch die Fossilien eine stark strukturierte Körperoberfläche und einen besonders auffälligen Augenhügel. Um alle Details ihrer dreidimensionalen Anatomie sichtbar zu machen, nutzten die Forschenden spezielle Röntgenstrahlung: Scans der Weberknechtfossilien an einer Computer-Tomografie Station des Helmholtz-Zentrum Heron am Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg zeigten unter anderem ein netzartiges Muster feiner Leisten, das die gesamte Oberseite des Körpers bedeckt, sowie komplexe Mundwerkzeuge mit mehreren Fortsätzen.
„Der Nachweis eines ortholasmatinen Weberknechts in europäischen Bernsteinvorkommen hat uns überrascht. Weberknechte dieser Gruppe gibt es heute in Europa nicht mehr. Verwandte dieser Tiere findet man aktuell nur in Ostasien sowie in Nord- und Mittelamerika. Offensichtlich waren diese Weberknechte vor 35 Millionen Jahren, zur Zeit des Eozän, deutlich weiter über die Nordhalbkugel der Erde verbreitet als heute“, sagt SNSB Paläontologe Dr. Christian Bartel und Erstautor der Studie. Bartel forscht am Naturkundemuseum Bamberg, eines von insgesamt zehn Museen der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB).
„Der baltische Bernstein ist bekannt für seine große Vielfalt an Fossilien. Er bringt immer wieder Arten zutage, die heute in Europa nicht mehr vorkommen. Dass die neue Weberknecht-Art auch in der Ukraine gefunden wurde, zeigt einmal mehr, dass die Weberknecht-Faunen beider Regionen wohl ähnlich waren. Mit dem Neuzugang steigt die Zahl der bekannten Weberknecht-Arten aus dem baltischen Bernstein auf 19, die aus dem ukrainischen Rovno-Bernstein auf sieben. Sechs Arten finden wir in beiden Regionen“, sagt Co-Autor Dr. Jason Dunlop vom Museum für Naturkunde, Berlin.
Dr. Christian Bartel
SNSB – Naturkundemuseum Bamberg
Fleischstraße 2, 96047 Bamberg
Tel.: +49 (0)951 – 8631257
E-Mail: bartel@snsb.de
Bartel, C., Mitov, P. G., Dunlop, J. A. & Hammel, J. U. 2026. 3D analyses of the first ortholasmatine harvestmen from European Eocene ambers. Acta Palaeontologica Polonica, 71, 95-107.
doi:10.4202/app.01283.2025 https://www.app.pan.pl/article/item/app012832025.html
https://www.snsb.de - Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns (SNSB)
https://www.naturkundemuseum-bamberg.de - Naturkundemuseum Bamberg (SNSB-NKMB)
Lebendrekonstruktion von Balticolasma wunderlichi
Source: Joschua Knüppe (Künstler)
Fossil Balticolasma wunderlichi (Weibchen) aus ukrainischem Rovno Bernstein.
Source: Jonas Damzen
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars, Students, Teachers and pupils, all interested persons
Biology, Geosciences
transregional, national
Miscellaneous scientific news/publications, Research results
German

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