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03/30/2026 12:50

Europa liegt bei KI-Nutzung am Arbeitsplatz deutlich hinter den USA

Gritje Hartmann Abteilung Kommunikation
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH

    Lücke bei Produktivitätswachstum droht sich weiter zu öffnen

    Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) am Arbeitsplatz unterscheidet sich erheblich zwischen verschiedenen Ländern. Das zeigt eine neue Studie, die Nicola Fuchs-Schündeln, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), und Jonas Jessen, Postdoc am WZB, gemeinsam mit US-amerikanischen Forschern durchgeführt haben. Die USA liegen dabei vorne, sowohl beim Umfang als auch bei der Intensität der KI-Nutzung am Arbeitsplatz. Deutschland liegt im Mittelfeld der europäischen Länder. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind über die Zeit gewachsen und beeinflussen die Produktivität der Beschäftigten. Die geringere Nutzung von KI ist ein wichtiger Erklärungsfaktor für das geringere Produktivitätswachstum in Europa im Vergleich zu den USA zwischen 2019 und 2024.

    Die Studienautor*innen haben untersucht, wie sich die KI-Nutzung in den USA im Vergleich zu den vier größten Volkswirtschaften in Europa (Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich und Italien) und zwei der im Digital Economy and Society Index (DESI) der Europäischen Kommission führenden Länder (Schweden und Niederlande) unterscheidet. Sie führten dazu 2025 und 2026 jeweils eine repräsentative Umfrage bei insgesamt gut 55.000 Beschäftigten in diesen sieben Ländern durch und werteten Unternehmensbefragungen des US Census Bureau und von Eurostat aus.

    In den USA nutzen Anfang 2026 43 Prozent der Beschäftigten KI am Arbeitsplatz, während es in den europäischen Ländern nur 32 Prozent sind. Dabei gibt es innerhalb Europas große Unterschiede: Die Spanne reicht von 36 Prozent im Vereinigten Königreich bis zu 26 Prozent in Italien; Deutschland liegt mit 32 Prozent im europäischen Mittelfeld. Wenn man die Intensität der Nutzung betrachtet, ist die Lücke sogar noch größer: Während in den USA in 5 Prozent der Arbeitszeit KI genutzt wird, sind es im Vereinigten Königreich, in Schweden und den Niederlanden nur halb so viele und in Deutschland, Frankreich und Italien weniger als ein Drittel. Die Schere geht dabei immer weiter auseinander – zwar hat die KI-Nutzung 2026 im Vergleich zu 2025 überall zugenommen, der Anstieg war jedoch größer in den Ländern, die bereits höhere Nutzungsquoten hatten.

    Die international vergleichbaren Ergebnisse der Unternehmensbefragungen bestätigen dieses Bild: 7 Prozent der US-Unternehmen nutzen KI in der Produktion, in Europa dagegen nur durchschnittlich 4 Prozent. Auch hier gibt es große Unterschiede in Europa selbst, unter anderem ein Nord-Süd-Gefälle: Während 9 Prozent der schwedischen Firmen KI in der Produktion nutzen, sind es in Serbien weniger als 1 Prozent; in Deutschland sind es 5 Prozent. In allen Ländern nutzen die Unternehmen KI überwiegend außerhalb der Produktion. In Deutschland liegt der Anteil der Unternehmen, die KI insgesamt nutzen, bei 26 Prozent.

    Worauf lassen sich internationale Unterschiede in der KI-Nutzung von Beschäftigten zurückführen? Ein länderübergreifendes Grundmuster ist dabei, dass Beschäftigte mit Universitätsabschluss sowie Jüngere überproportional häufig KI nutzen. Und der Anteil dieser Gruppen variiert stark nach Land. Die demografische Zusammensetzung der Beschäftigten – Alter, Geschlecht und Bildungsabschlüsse – sowie andere Faktoren, wie Unternehmensgröße und Branche, erklären jedoch nur etwa die Hälfte der Unterschiede zwischen Europa und den USA. Die Studie zeigt, dass sich ein großer Teil der Unterschiede auf die Qualität des Managements und insbesondere auf die explizite Aufforderung des Managements zur Nutzung von KI zurückführen lassen. „Wo KI-Tools am Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt und ihre Nutzung aktiv gefördert wird, wenden mehr Beschäftigte sie an“, so Jonas Jessen. „Die Unternehmen haben hier also einen Handlungsspielraum, den sie für ihre Weiterentwicklung nutzen sollten.“

    Denn die Häufigkeit und Intensität der KI-Nutzung haben Auswirkungen auf die Produktivität. Die Forschenden zeigen, dass diejenigen Beschäftigten, die KI nutzen, dadurch viel Zeit sparen, nämlich im Durchschnitt 5 bis 6 Prozent ihrer Arbeitszeit. Ebenso konnten die Autor*innen auf der Makroebene einen starken Zusammenhang zwischen KI-Nutzung und Produktivitätswachstum identifizieren. Über 29 europäische Länder und 10 Sektoren hinweg sowie innerhalb der USA zeigt sich, dass eine stärkere Nutzung von KI mit höherem Produktivitätswachstum im jeweiligen Wirtschaftszweig korreliert. Wenn der Anteil der KI-nutzenden Unternehmen in einem Sektor um 10 Prozentpunkte stieg, erhöhte sich das sektorale Produktivitätswachstum zwischen 2019 und 2024 um 2 bis 5 Prozentpunkte. Dies entspricht ungefähr dem gesamtwirtschaftlichen Produktivitätswachstum in der EU in diesem Zeitraum.

    Bereits seit Mitte der 1990er Jahre wächst die Produktivität in den USA deutlich stärker als in Europa, was die ökonomische Forschung zu einem großen Teil auf die schnellere und intensivere Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien in den USA zurückführt. „Mit dem jetzt schon bestehenden Abstand in der KI-Nutzung ist daher eine noch wachsende Produktivitätslücke zu erwarten, wenn in Europa nicht gegengesteuert wird“, warnt Nicola Fuchs-Schündeln. „Gerade angesichts der demografischen Entwicklung wird es entscheidend sein, unser Produktivitätswachstum in den nächsten Jahren zu erhöhen.“

    Die Studie wurde bei der Spring 2026 Brookings Papers on Economic Activity (BPEA) Conference vorgestellt (https://www.brookings.edu/wp-content/uploads/2026/03/6_Bick-et-al_unembargoed.pd...); das finale Paper wird in der Spring 2026 BPEA issue veröffentlicht.

    Abbildung als PDF s. weiterführende Informationen: Anteil der Beschäftigten, die Anfang 2026 Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz nutzen, in Prozent


    Contact for scientific information:

    Gritje Hartmann
    Leiterin der Abteilung Kommunikation
    Telefon 030 25491 509
    E-Mail: gritje.hartmann@wzb.eu


    Original publication:

    https://www.brookings.edu/wp-content/uploads/2026/03/6_Bick-et-al_unembargoed.pd...


    More information:

    https://www.wzb.eu/system/files/docs/sv/k/pm_wzb_3_0.pdf


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    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars
    Economics / business administration
    transregional, national
    Research results
    German


     

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