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03/30/2026 12:53

Opfer vor dem Untergang: Der Duft von Pompejis Hausaltären

LMU Presse und Kommunikation
Ludwig-Maximilians-Universität München

    Ein internationales Forschungsteam der LMU, der Universität Zürich und weiterer Partner untersuchte Aschereste aus Räuchergefäßen. Die entdeckten Substanzen zeigen, dass Pompeji Teil eines globalen Handelsnetzwerks war.

    • Ein internationales Forschungsteam analysierte Aschereste aus Räuchergefäßen in Pompeji und gewann neue Erkenntnisse über die Opfergaben, die römische Familien für ihre Hausgötter verbrannten.
    • Das Team fand erstmals einen archäologischen Beweis für das Verbrennen von exotischen Harzen und Wein in häuslichen Ritualen in Pompeji.
    • Das Räucherharz stammte wahrscheinlich aus tropischen Regenwäldern in Indien oder Afrika: Ein Beleg für die weitreichenden Handelsnetzwerke der Bewohner Pompejis.

    München, 23. März.2026 – Der Untergang von Pompeji hat auch die Asche auf den Hausaltären der Bewohner erhalten. Ein internationales Forschungsteam hat erstmals wissenschaftlich untersucht, was in römischen Räuchergefäßen aus Pompeji verbrannt wurde – und Überraschendes entdeckt: Neben heimischen Pflanzen nutzten die Menschen auch importierte Duftstoffe aus Afrika oder Asien. Was zeigt, dass Pompeji Teil eines globalen Handelsnetzes war.

    79 n. Chr. brach der Vesuv aus und verschüttete das römische Pompeji und viele weitere Orte und Villen in seiner Umgebung. Die Katastrophe für die damaligen Menschen ist zugleich ein Glück für die heutige Archäologie, dank der einmaligen Erhaltungsbedingungen. So hatte sich unter anderem auch die Asche in den Räuchergefäßen erhalten, mit denen die Römer ihren Göttern Rauchopfer darbrachten. Die Asche aus zwei solchen Opferschalen aus Pompeji und einer nahegelegenen Villa wurde nun mit einer Reihe modernster Laborverfahren analysiert.

    Exotische Baumharze aus Afrika oder Asien
    „Wir können nun konkret zeigen, welche Düfte im pompejanischen Hauskult tatsächlich verbrannt wurden“, sagt Johannes Eber von der Universität Zürich, der die Studie leitete. „Neben regionalen Pflanzen fanden wir auch Spuren importierter Harze – ein Hinweis auf weitreichende Handelsverbindungen von Pompeji.“ Besonders bemerkenswert: In einem Gefäß wurden Reste eines exotischen Baumharzes nachgewiesen, das vermutlich aus tropischen Regionen Afrikas oder Asiens stammt. „Molekulare Analysen deuten auch auf ein Traubenprodukt in einem der Räuchergefäße hin“, sagt Maxime Rageot von der Universität Bonn, der die biomolekularen Untersuchungen in der Studie durchführte. „Dies würde mit der Verwendung von Wein in Ritualen übereinstimmen, die in römischen Bildern gezeigt und in Texten beschrieben wird, und zeigt gleichzeitig, wie wichtig es ist, archäologische Studien durch wissenschaftliche Analysen zu ergänzen“, so Rageot. „Die Verbindung verschiedener aktueller chemischer und mikroskopischer Untersuchungsverfahren macht den religiösen Alltag der Menschen in Pompeji plötzlich greifbar“, erklärt LMU-Archäologe Philipp W. Stockhammer, in dessen ERC-Forschungsgruppe die Studie initiiert wurde.

    Weitreichendes Handelsnetz vor knapp 2'000 Jahren
    Der Archäologische Park von Pompeji, der kürzlich eine neue Dauerausstellung über den Ausbruch und seine Opfer eingerichtet hat und dabei auch eine große Anzahl organischer Funde wie Pflanzenreste, Lebensmittel und Holzgegenstände präsentiert, unterstreicht die Bedeutung dieser Art von Studien: „Ohne Pompeji wäre unser Wissen über die römische Welt weniger reich“, sagt der Direktor des Parks, Gabriel Zuchtriegel. „Doch es handelt sich um einen Reichtum an Daten und Erkenntnissen, den nur eine nur eine zeitgemäße Archäologie angemessen erschließen kann: Dank der interdisziplinären Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaften können wir noch viel über das Leben in der antiken Stadt entdecken.“

    Die Untersuchung zeigt: Pompeji war nicht nur eine römische Stadt am Vesuv – sondern Teil eines globalen Handelsnetzes, dessen Spuren sich sogar im Duft ihrer Hausaltäre nachweisen lassen.


    Contact for scientific information:

    Prof. Dr. Philipp Stockhammer
    LMU, Prähistorische Archäologie (Schwerpunkt Ostmittelmeerraum)
    Telefon: +49 (0) 170 6463031
    E‐Mail: philipp.stockhammer@lmu.de

    Dr. des. Johannes Eber
    Universität Zürich, Institut für Archäologie, Klassische Philologie und Altertumswissenschaften (Fachbereich Klassische Archäologie)
    Telefon: +49 (0) 1786249325
    E-Mail: johannes.eber@iaka.uzh.ch


    Original publication:

    Johannes Eber, Shira Gur-Arieh, Robert C. Power, Maxime Rageot & Philipp W. Stockhammer. Ashes from Pompeii: incense burners, residue analyses and domestic cult practices. In: Antiquity. A Review of World Archaeology, 2026.
    https://doi.org/10.15184/aqy.2026.10320


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    Criteria of this press release:
    Journalists
    Cultural sciences, History / archaeology, Social studies
    transregional, national
    Research results, Transfer of Science or Research
    German


     

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