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Wissenschaft
Die an der Harvard University promovierte Forscherin Eirliani Abdul Rahman wechselte Anfang März dank einer Förderung der Baden-Württemberg Stiftung an die Universität Mannheim. Das Programm für internationale Wissenschaftsfreiheit unterstützt sie mit rund 1,8 Millionen Euro und ermöglicht ihr einen sechsjährigen Aufenthalt am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES).
Die aus Singapur stammende Forscherin Dr. Eirliani Abdul Rahman erlangte weltweite Bekanntheit, als sie 2022 aus dem Trust and Safety Council von Twitter zurücktrat – aus Protest gegen den rasanten Anstieg von Hassrede nach der Übernahme der Plattform durch Elon Musk. Zu diesem Zeitpunkt war sie an der Harvard University und absolvierte dort ein Promotionsprogramm im Bereich Public Health. Mit dem Amtsantritt der neuen US-Regierung im Januar 2025 und angesichts zunehmender Bedrohungen der Wissenschaftsfreiheit bewarb sich die Sozialwissenschaftlerin im Juli 2025 mit Unterstützung der Universität Mannheim um eine Förderung der Baden-Württemberg Stiftung, um nach Deutschland zu kommen. Mit Erfolg: Seit Anfang März kann sie ihre Forschung hier fortführen.
Abdul Rahman erhielt die Zusage für einen dreijährigen Aufenthalt mit Option auf eine Verlängerung um weitere drei Jahre am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES). Im Rahmen ihres neuen Forschungsprojekts wird sie bis Ende 2027 einen Prototypen für ein KI-gestütztes Tool zur Bekämpfung von Kinderhandel in Indien entwickeln. Zuvor arbeitete sie über ein Jahrzehnt lang mit dem Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi in Indien zusammen, um Kinderhandel und sexuellen Missbrauch von Kindern zu bekämpfen.
„Ich bin erst seit wenigen Tagen in Mannheim und fühle mich komplett anders. Es ist einfach beruhigend, nicht ständig auf der Hut sein zu müssen und nicht ständig überlegen zu müssen, ob mich eine neue präsidiale Verordnung betrifft und in meiner Freiheit einschränkt“, sagt die Singapurerin und ehemalige Diplomatin.
Ihr Forschungsprojekt führt sie gemeinsam mit Prof. Marc Ratkovic, Ph.D., Inhaber des Lehrstuhls für Social Data Science durch. Ratkovic, der selbst 2023 von der Princeton University nach Mannheim wechselte, nominierte sie für das Programm für Internationale Wissenschaftsfreiheit der Stiftung und vermittelte so den Wechsel.
Laut Marc Ratkovic „ist das Engagement von Dr. Abdul Rahman für Wissenschaftsfreiheit, kollaborative Forschung und den Schutz von Kindern ebenso inspirierend wie beeindruckend“. Ratkovic weiter: „Die Universität Mannheim und das Land Baden-Württemberg haben Führungsstärke, Innovationskraft und Flexibilität bewiesen, indem sie ein Umfeld geschaffen haben, das weltweit führende Forschende sowie Aktivist*innen wie Dr. Abdul Rahman anzieht. In einer sich wandelnden Welt ist die Qualität und der wissenschaftliche Anspruch an der Universität Mannheim erfreulicherweise konstant geblieben.“
Zur Person
Dr. Eirliani Abdul Rahman ist Expertin für Online-Sicherheit und für Formen digitaler Belästigung. Ihre internationale Karriere begann im diplomatischen Dienst Singapurs, wo sie rund zehn Jahre tätig war und unter anderem an den Botschaften in Berlin und Delhi arbeitete.
Internationale Bekanntheit erlangte sie als Gründungsmitglied des Trust and Safety Council von Twitter, von dem sie 2022 öffentlichkeitswirksam zurücktrat. Später wechselte sie in die Forschung und promovierte im Bereich Öffentliche Gesundheit an der Harvard University. Während ihrer Zeit in Harvard richtete sie ihre Dissertation neu aus und entwickelte eine Systematik für eine Form von Online-Belästigung, die sie als „indirect swarming“, also indirekt ausgelöste kollektive Online-Angriffe, bezeichnet. Ausgangspunkt war ihre Beobachtung, dass dieses Phänomen bislang nicht quantifiziert worden war und die Forschung sich vor allem auf qualitative Ansätze und Netzwerkanalysen konzentriert hatte.
Nach ihrem Abschluss an der Harvard University wurde Abdul Rahman Research Affiliate am Minderoo Centre for Technology and Democracy an der Universität Cambridge und war zudem als Senior Fellow an der Georgetown University.
Zum Projekt Trafficking Risks: AI for Proactive Protection (TRAPP): https://www.sowi.uni-mannheim.de/ratkovic/research/trapp/
Im Rahmen ihres am MZES angesiedelten Projekts nutzt Abdul Rahman künstliche Intelligenz, um Muster des Kinderhandels zu identifizieren. In Indien wurden laut dem Kriminalitätsbericht der Regierung im Jahr 2023 82.000 Kinder entführt. Eine skalierbare Plattform, die auf prädiktiver Analyse basiert und unter anderem Heatmaps erstellt, soll künftig dabei helfen, fragmentierte Datensätze zu bündeln, Strafverfolgungsbehörden bei der Planung von Einsätzen zu unterstützen und die Infrastruktur zur Bekämpfung des Menschenhandels zu stärken. Ein Pilotprojekt wird derzeit im indischen Bundesstaat Odisha durchgeführt.
Weitere Infos zum Programm für internationale Wissenschaftsfreiheit der Baden-Württemberg Stiftung: https://www.bwstiftung.de/de/programm/sonderprogramm-fuer-internationale-wissens...
Kontakt:
Dr. Eirliani Abdul Rahman (verfügbar für Interviews auf Englisch)
Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES)
Universität Mannheim
Tel. +49 621 181-1996
E-Mail: eirliani.abdul.rahman@uni-mannheim.de
Yvonne Kaul
Forschungskommunikation
Universität Mannheim
E-Mail: kaul@uni-mannheim.de
Criteria of this press release:
Journalists
Social studies
transregional, national
Research projects, Science policy
German

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