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04/01/2026 10:29

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert drei neue Forschungsgruppen an der Uni Bonn, davon eine mit Bonner Sprecher

Johannes Seiler Dezernat 8 - Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

    Welche Denkstrukturen stecken hinter Gottesbildern im Alten Israel? Die Frage untersucht eine neue Forschungsgruppe an der Universität Bonn. Sie wird mit fast zwei Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Sprecher ist Prof. Dr. Jan Dietrich von der Evangelisch-Theologischen Fakultät. Bonner Wissenschaftler:innen sind auch noch an zwei weiteren neuen Forschungsgruppen beteiligt, die sich damit befassen, wie chinesische Technologie-Unternehmen neue Abhängigkeiten schaffen (Politikwissenschaft) und wie sich die Erdrotation noch genauer messen lässt (Geodäsie).

    Die neue Forschungsgruppe „Epistemologie des Göttlichen. Auf der Suche nach den religiösen Denkstrukturen des Alten Palästina/Israel“ befasst sich mit der Entstehung des Monotheismus in der südlichen Levante des 1. Jahrtausends vor Christus. „Dies ist nach wie vor eines der großen Rätsel der Menschheitsgeschichte“, sagt Prof. Dr. Jan Dietrich von der Literatur- und Religionsgeschichte des Alten Testaments an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn, als Sprecher der neuen Forschungsgruppe. „Die Entwicklung in diese Richtung war keinesfalls selbstverständlich.“ Das Forschungsteam untersucht die Denkstrukturen, die sich hinter der Konstruktion von Gottesbildern der vor-hellenistischen Zeit finden.

    Das Team nimmt biblische und außerbiblische Text- und Bildquellen (wie etwa Siegel) sowie archäologische Hinterlassenschaften (rund 30 Tempelanlagen aus Israel und Palästina) in den Blick. Dabei sollen aktuelle Methoden der Religionsarchäologie, digitale Werkzeuge für Texte und Geländemodelle, soziale epistemische Netzwerkanalyse (SENA) und auch Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz kommen. Die Bilderkennung nutzt eine speziell trainierte KI, um wiederkehrende Strukturen und Standardisierungen zu erkennen. So unterstützt sie die Analyse von Siegeln und ermöglicht neue Erkenntnisse zu Motiven.

    „Wir leisten nicht nur einen Beitrag zur Wissensgeschichte der Vormoderne und zur Rekonstruktion der ihr zugrunde liegenden Denkstrukturen und -muster, sondern möchten der heutigen Forschung auch konzeptionelle Alternativen aufzeigen, die die aktuellen Debatten über das Denken des Göttlichen im interreligiösen Dialog und in der vergleichenden Theologie maßgeblich verändern“, sagt Dietrich, der Mitglied in den Transdisziplinären Forschungsbereichen „Individuals & Societies“ sowie „Present Pasts“ ist und im Exzellencluster „Bonn Center for Dependency & Slavery Studies“ forscht.

    Die Forschungsgruppe startet im Juli 2026 und wird in den nächsten vier Jahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit fast zwei Millionen Euro gefördert. Weitere Teilprojekte sind an den Universitäten Leipzig (Prof. Dr. Angelika Berlejung), Wuppertal (Dr. Thomas Wagner) und Wien (Prof. Dr. Annette Schellenberg-Lagler) angesiedelt. Die Forschungsgruppe wird auch im Rahmen der D-A-CH-Zusammenarbeit mit dem österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) gefördert. Nach erfolgreicher Evaluierung können Forschungsgruppen durch die DFG um vier Jahre verlängert werden.

    Forschungsgruppe zu China

    Die Universität Bonn ist an einer weiteren von der DFG geförderten neuen Forschungsgruppe beteiligt: „Learning Empire. Autonomie, Abhängigkeit und Chinas entstehende imperiale Praktiken“ untersucht Praktiken für den Aufbau eines neuen Typs von Imperium in den Schlüsselbereichen Finanzen und Auslandsinvestitionen, Infrastrukturen, Rohstoffe, Ideologie und Wissenschaft. Sprecher ist Prof. Dr. Tobias ten Brink von der Constructor University Bremen. Darüber hinaus sind die Universitäten Tübingen, Bremen und die Goethe Universität Frankfurt, die Helmut‑Schmidt‑Universität Hamburg sowie die Stiftung Wissenschaft und Politik sowie das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin beteiligt.

    „Die digitalen Infrastrukturen chinesischer Firmen werden weltweit immer wichtiger“, sagt Junior-Prof. Dr. Maximilian Mayer vom Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS) der Universität Bonn. Im Fokus der digitalen Dimension steht die Frage, wie chinesische Unternehmen durch die Bereitstellung technischer Infrastruktur, Plattformen und cloud-basierter Dienstleistungen neue Abhängigkeiten schaffen.

    „Das Projekt konzentriert sich einerseits auf das strategische Lernen sowie die Abstimmung zwischen dem chinesischen Parteistaat und High-Tech-Unternehmen des Landes und andererseits auf die entstehenden infrastrukturellen Freiräume und Abhängigkeiten lokaler Akteure, insbesondere im Globalen Süden“, sagt Mayer, der auch Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich „Individuals & Societies“ der Universität Bonn ist. Die Forschungsgruppe startet im Juni 2026 und wird in den nächsten vier Jahren mit insgesamt rund fünf Millionen Euro gefördert, davon fließen 490.000 Euro nach Bonn.

    Genaue Messung der Erdrotation

    Hochdruckgebiete in der Atmosphäre, die Verlagerung von Wassermassen durch Ebbe und Flut, aber auch das Abschmelzen der Eisschilde an den Polen haben Auswirkungen auf die Erdrotation. Nicht nur für die Erforschung des Klimawandels, sondern auch für funktionierende Navigationsgeräte sind genaue Messungen der Erdrotation unerlässlich. Verbesserte Voraussetzungen dafür will die Forschungsgruppe „RING: Rotationsbewegungen in der Physik, Geophysik und Geodäsie“ schaffen. Die DFG fördert das Vorhaben mit insgesamt rund fünf Millionen Euro, davon gehen rund eine Million Euro an die Universität Bonn.

    „Rotationsbewegungen der Erdoberfläche bieten einen neuen Zugang, um das System Erde zu untersuchen und besser zu verstehen“, sagt Prof. Dr. Simon Stellmer vom Physikalischen Institut der Universität Bonn. „Hierzu entwickeln wir transportable Laser-Interferometer, die an schwer zugänglichen Orten wie etwa an Vulkanen oder auf dem Meeresboden eingesetzt werden können.“ Der Wissenschaftler ist Co-Sprecher der neuen Forschungsgruppe, Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich „Matter“ und Standortsprecher des Exzellenzclusters „ML4Q“ an der Universität Bonn. Sprecher ist Prof. Dr. Heiner Igel von der LMU München. Weitere Beteiligte sind TU München, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Universitäten Hamburg und Hannover, Bundesamt für Geodäsie und Kartographie, TU Berlin, Helmholtz Zentrum für Geoforschung GFZ und das Karlsruher Institut für Technologie KIT.


    Contact for scientific information:

    Prof. Dr. Jan Dietrich
    Literatur- und Religionsgeschichte des Alten Testaments
    Evangelisch-Theologischen Fakultät
    Universität Bonn
    Tel. 0228/734851
    E-Mail: jan.dietrich@uni-bonn.de

    Dr. Maximilian Mayer
    Junior-Professor for International Relations and Global Politics of Technology
    Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS)
    Universität Bonn
    Tel. 0228/735640
    E-Mail: maximilian.mayer@uni-bonn.de

    Prof. Dr. Simon Stellmer
    Quantum Metrology Research Group
    Physikalisches Institut
    Universität Bonn
    Tel. 0228/733720
    E-Mail: stellmer@uni-bonn.de


    More information:

    https://www.dfg.de/de/aktuelles/neuigkeiten-themen/pressemitteilungen/2026/press...


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    Criteria of this press release:
    Journalists, all interested persons
    Geosciences, Physics / astronomy, Politics, Religion
    transregional, national
    Cooperation agreements, Research projects
    German


     

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