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Wissenschaft
Um neue Materialien und Produkte zu entwickeln, die weder Mensch noch Umwelt schädigen, braucht es ganzheitliche Ansätze wie «Safe and Sustainable by Design» (SSbD). Doch wie aufwändig ist es für Unternehmen, die damit verbundenen Anforderungen zu erfüllen? Eine neue Empa-Analyse zeigt nun, dass vieles davon bereits heute in zentralen EU-Verordnungen festgelegt ist. Konsequent umgesetzt hilft SSbD Unternehmen also, Innovationen frühzeitig regulatorisch abzusichern und dadurch kostspielige Fehlentwicklungen zu vermeiden.
Neue Chemikalien, Materialien, Produkte und Technologien sollen von Beginn an so entwickelt werden, dass sie sicher für Mensch und Umwelt sind – und dies über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg. Dieses Ziel verfolgt die Europäische Union. Eine zentrale Rolle spielt dabei der ganzheitliche Innovationsansatz «Safe and Sustainable by Design» (SSbD). Doch was bedeutet dies für Unternehmen? Welcher Mehraufwand kommt dadurch auf sie zu?
Eine internationale Studie unter Federführung der Empa im Rahmen des EU‑Projekts «IRISS» zeigt nun erstmals, dass der SSbD-Ansatz bereits mit rund zwei Drittel der dafür relevanten europäischen Umweltgesetzgebung übereinstimmt. «Viele Firmen befürchten, dass dieser ganzheitliche Ansatz zusätzliche regulative Belastungen für sie schaffen würde», sagt Studienautor Akshat Sudheshwar von der Empa. «Unsere Analyse zeigt deutlich, dass SSbD für Unternehmen ein klarer Vorteil ist, weil dieser Ansatz viele regulatorische Anforderungen bereits während der frühen Innovationsphase berücksichtigt.»
Untersuchung der wichtigsten EU‑Verordnungen
In einem ersten Schritt identifizierte das internationale Forschungsteam jene 15 zentralen EU‑Verordnungen, die für die europäische Industrie besonders relevant sind – branchenübergreifend entlang der gesamten Wertschöpfungskette, beispielsweise die Chemikalien- oder Batterieverordnung. Anschliessend analysierten die Forschenden jede Verordnung systematisch und prüften, in welchem Umfang dieser mit dem SSbD‑Bewertungsrahmen übereinstimmt. Dabei ging es insbesondere darum, ob die Verordnungen verbindliche Anforderungen wie Sicherheitsbewertungen enthalten, ob sie messbare Kriterien wie Recyclingquoten oder Grenzwerte vorgeben und ob sie bestimmte Methoden vorschreiben, etwa für Lebenszyklusanalysen oder Ökotoxizitätstests.
Die Ergebnisse wurden in einer so genannten Heatmap dargestellt und zeigen ein klares Bild: 64 Prozent Übereinstimmung zwischen SSbD und den untersuchten EU‑Verordnungen. «Das bedeutet, dass SSbD in vielen Fällen genau jene Art von Daten und Bewertungen verlangt, die Unternehmen später ohnehin für die regulatorische Konformität benötigen», erklärt Sudheshwar. Eine besonders grosse Übereinstimmung zeigten die Verordnungen für Batterien, kritische Rohstoffe und Verpackungen sowie die Abfallrahmenrichtlinie.
PFAS zeigt, warum frühes Handeln entscheidend ist
Warum ein solcher Ansatz notwendig ist, wird etwa am Beispiel PFAS besonders deutlich. Die Risiken der sogenannten Ewigkeitschemikalien waren bei ihrer Einführung mehrheitlich bekannt, wurden jedoch über Jahrzehnte ignoriert – mit gravierenden Folgen für Umwelt, Gesundheit und Wirtschaft. «Heute fällt der Gesellschaft die Entscheidung von damals auf die Füsse, weil PFAS in der Umwelt nicht abgebaut werden, sich in Organismen anreichern und enorme Kosten verursachen», sagt Sudheshwar. «Mit einem ganzheitlichen SSbD-Ansatz hätte man diese Risiken frühzeitig angehen können und nicht erst Jahrzehnte später teure Sanierungen vornehmen müssen. Also besser früh prüfen und einfach korrigieren, statt spät und teuer reagieren.» Genau dies beschreibt die EU treffend mit dem Prinzip «fail early and fail cheap».
Die Studie zeigt aber auch aktuelle Grenzen von SSbD auf. Besonders deutlich wird dies bei der Bewertung der Auswirkungen auf die Biodiversität, die für die Unternehmensberichterstattung und die Compliance von zunehmender Bedeutung sind. Laut dem Empa-Forscher fehlen hierfür bis heute verlässliche Daten, toxikologische Informationen und robuste Methoden. Der SSbD‑Bewertungsrahmen erkenne diese Lücke aber ausdrücklich an und lasse sich anpassen, sobald geeignete wissenschaftliche Methoden und Daten verfügbar sind.
SSbD als Chance für zukunftssichere Innovation
Für Unternehmen bietet SSbD trotz diesen Einschränkungen einen strategischen Vorteil. Wer den Rahmen nutzt, kann langfristig Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Umweltschutz gleichzeitig stärken. «Natürlich erhöht SSbD den Aufwand in der frühen Entwicklungsphase – aber dieser Mehraufwand zahlt sich langfristig aus. Wer jetzt etwas mehr investiert, vermeidet später hohe Kosten durch Verbote, Sanierungen oder Marktanpassungen», so Sudheshwar. Zentral sei für Unternehmen die Fähigkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit früh zusammenzudenken und die nötige Expertise in beiden Bereichen aufzubauen.
Auch auf politischer Ebene sieht die Studie Handlungsbedarf. Laut Sudheshwar braucht es Anreize, damit SSbD in der Breite angewendet werden kann: «Kurzfristige Unterstützung, etwa durch regulatorische Erleichterungen, Patentverlängerungen oder wirtschaftliche Vorteile, könnte den Einstieg für Unternehmen erleichtern.» Gleichzeitig müsse SSbD in EU‑Verordnungen häufiger Eingang finden – mittelfristig nicht zwingend als verpflichtender Standard, sondern vielmehr als Orientierung für die Industrie.
Akshat Sudheshwar
Technology and Society
Tel. +41 58 765 79 43
akshat.sudheshwar@empa.ch
A Sudheshwar, C Apel, K Kümmerer, L G Soeteman‑Hernández, J K Scheper, A Falk, A Batel, J Markard, C Som, Z Wang, B Nowack: Safe and Sustainable‑by‑Design under the European Green Deal—regulatory readiness or pressure for companies?; Integrated Environmental Assessment and Management (2025); doi: https://academic.oup.com/ieam/advance-article/doi/10.1093/inteam/vjaf188/8379701
https://www.empa.ch/web/s604/designing-innovations-safely-and-sustainably-helps-...
Klarer Vorteil: Empa-Forschende zeigen, dass sich der SSbD-Ansatz für die Industrie lohnt.
Copyright: Adobe Stock
Mit einem ganzheitlichen SSbD-Ansatz kann man Risiken frühzeitig angehen.
Copyright: Empa
Criteria of this press release:
Journalists
Chemistry, Construction / architecture, Environment / ecology, Materials sciences, Medicine
transregional, national
Research projects, Research results
German

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