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04/10/2026 10:45

THWS-Prof. Dr. Dieter Kulke präsentiert Forschungsergebnisse an der Universität Triest

Anne Speda Hochschulkommunikation
Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt

    Für Studierende der Sozialen Arbeit: Vereinbarung „ERASMUS+“ mit Mobilitätsmöglichkeiten

    Eine Gastprofessur führte Prof. Dr. Dieter Kulke von der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) an die Universität Triest, in der Hauptstadt der italienischen Region Friaul-Venezien. Auf Einladung der Humanistischen Fakultät, des Dipartimento di Studi Humanistici der Università degli Studi di Trieste, präsentierte Prof. Dr. Kulke Forschungsergebnisse in mehreren Formaten, lernte die Universität und den Bereich Soziale Arbeit in Italien besser kennen und besprach weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Wichtig besonders für Studierenden: Die THWS hat mit der Universität Triest eine ERASMUS+-Vereinbarung mit Mobilitätsmöglichkeiten geschlossen. Nicht nur deswegen ist die Universität Triest sehr interessant für ein Studium der Sozialen Arbeit, denn sie bietet auch ein breites Studienprogramm in einer sehr persönlichen Atmosphäre mit lebendigem Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden. „Außerdem“, findet Prof. Dr. Kulke, „ist es sehr interessant, Vergleiche zu Deutschland zu ziehen.“ Ähnlichkeiten bestünden zum Beispiel hinsichtlich der föderalen Organisation der Rahmenbedingungen Sozialer Arbeit und der verwendeten Methoden, während sich Unterschiede hinsichtlich der Regulierung der Sozialen Arbeit finden ließen.
    Politisches Engagement von Sozialarbeitenden
    Im Rahmen eines interuniversitären Promotionskollegs der Universität Triest mit der Universität Udine, ebenfalls Italien, stellte Prof. Dr. Kulke aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema politisches Engagement von Sozialarbeitenden dar. Nach der international geltenden Berufsdefinition Sozialer Arbeit soll diese auch für strukturelle Änderungen und die Stärkung sozialer Gerechtigkeit einstehen. Prof. Dr. Kulke stellte Resultate zu freiwilligen politischen Aktivitäten vor, die Sozialarbeitende als Bürgerinnen und Bürger ihres Gemeinwesens unternehmen.
    „Auf europäischer Ebene sind Sozialarbeitende tatsächlich – und auch nach Kontrolle mit anderen relevanten Merkmalen – politisch aktiver als der Rest der Bevölkerung.“ Wichtige Erklärungsfaktoren dafür seien das politische Interesse und die interne politische Selbstwirksamkeit. „Das ist Kompetenz, eine aktive Rolle in politischen Zusammenhängen einnehmen zu können, sowie das Beschäftigungsverhältnis im öffentlichen Dienst, das politische Aktivitäten eher einschränkt“, erklärt Prof. Dr. Kulke weiter. In weiteren Beiträgen wurden insbesondere Ergebnisse einer umfangreichen Studie zur Policy Practice von Prof. Silvana Mordeglia, Universität Genua, Prof. Riccardo Guidi, Universität Florenz, und Prof. Luigi Gui, Universität Triest, vorgestellt und dann diskutiert.

    Seminar mit Studierenden und Lehrpersonal der Fakultät
    Eine weitere Veranstaltung war ein Seminar mit Studierenden und Lehrpersonal der Fakultät. Hier sprach Prof. Dr. Kulke zu „First Generation Students in Social Work“ und stellte erste Ergebnisse einer Panel-Kohorten-Studie zu dem Zugehörigkeitsgefühl und der Bewältigung von Studienanforderungen bei Studierenden der Sozialen Arbeit vor. Dieses Projekt wird zusammen mit der DHBW Stuttgart, der Hochschule Fresenius und der Katholischen Stiftungshochschule München durchgeführt. „Erste Ergebnisse zeigen, dass gerade die erfolgreiche Bewältigung der Studienanforderungen weniger von der Herkunft aus einem nicht-akademischen Elternhaus als vielmehr von der finanziellen Situation und gesundheitlichen Beeinträchtigungen beeinflusst wird“, so Prof. Dr. Kulke. Daneben standen Lehrveranstaltungen für den Bachelor und Master Soziale Arbeit auf dem Programm.
    Wissenschaftliches Forschungsfeld der Anstaltspsychiatrie
    Triest ist auch aus einer anderen Perspektive für die Soziale Arbeit interessant. Hier erhielt die Reform der Anstaltspsychiatrie entscheidende Impulse durch die Arbeit von Prof. Franco Basaglia, Leiter der psychiatrischen Klinik. Er setzte sich für eine menschengerechte Psychiatrie und die Öffnung der psychiatrischen Klinik in Triest ein. Als verantwortlicher Psychiater hatte er bereits 1961 die Klinik in Gorizia aufgelöst. Dahinter stand der Gedanke, dass große Anstaltskliniken, in Triest mit bis zu 1.200 Patienten, eher zur Aufrechterhaltung der psychischen Erkrankungen beitragen und der Eingliederung der kranken Menschen in die Gesellschaft eher im Wege stehen.
    Ein symbolischer, öffentlichkeitswirksamer Akt fand 1973 statt, als Basaglia mit dem gemeinsam mit Patienten und einem Künstlerkollektiv gebauten Modell eines Pferdes, Marco Cavallo, durch Triest zog, um die Situation in der Psychiatrie zu skandalisieren. Das Pferd war eine Reminiszenz an das frühere Krankenhauspferd namens Marco, das für Wäschetransporte eingesetzt wurde und für das sich die Patienten gemeinsam bei der Verwaltung eingesetzt hatten, um es vor dem Schlachten in einer Abdeckerei zu bewahren. Zeitgleich und nicht zuletzt inspiriert auch von den Ereignissen in Triest wurde in Deutschland die „Psychiatrie-Enquete“ erarbeitet, die die Weiterentwicklung hin zu einer Sozialpsychiatrie enorm beeinflusste. Dies war auch Thema auf der letzten Menschenrechtswoche der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften. Die Einflüsse der von Basaglia und Triest ausgehenden Impulse könnten somit gar nicht überschätzt werden, so Prof. Dr. Kulke.

    Über die THWS
    Die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) zählt zu den größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern und steht seit ihrer Gründung im Jahr 1971 für hervorragende Lehre und angewandte Forschung. Mit rund 9.200 Studierenden, einem breit gefächerten Angebot von mehr als 60 Studiengängen sowie zwei Promotionszentren deckt die THWS ein weites Spektrum ab, das von Technik über Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Sprache bis hin zu Gestaltung reicht. Derzeit studieren an der THWS rund 500 Studierende in 23 Studiengängen in einem dualen Modell. Die THWS ist nicht nur regional in Franken und Bayern verwurzelt, sondern auch stark international ausgerichtet, was sich in zahlreichen Kooperationen und Austauschprogrammen weltweit und nicht zuletzt in einem vielseitigen englischsprachigen Studienangebot widerspiegelt.

    Kontakt:
    Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt
    Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften
    Prof. Dr. Dieter Kulke
    Münzstraße 12
    97070 Würzburg
    dieter.kulke@thws.de

    Pressekontakt:
    Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt
    Angela Kreipl
    Münzstraße 12
    97070 Würzburg
    angela.kreipl@thws.de
    0931 3511-8354


    Images

    Prof. Dr. Dieter Kulke (re.) von der THWS bei seiner Präsentation über First-Generation-Students an der Universität Triest gemeinsam mit Dr. Anna Zenarolla
    Prof. Dr. Dieter Kulke (re.) von der THWS bei seiner Präsentation über First-Generation-Students an ...
    Source: Dieter Kulke
    Copyright: THWS

    Prof. Dr. Dieter Kulke beim interuniversitären Promotionskolleg
    Prof. Dr. Dieter Kulke beim interuniversitären Promotionskolleg
    Source: Anna Zenarolla
    Copyright: Universität Triest


    Criteria of this press release:
    Journalists
    Teaching / education
    transregional, national
    Research results, Studies and teaching
    German


     

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