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04/14/2026 08:42

Neues Positionspapier: Versorgungslücke in psychiatrischer Behandlung entgegenwirken

Lena Bösch Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität

    Prof. Dr. David Zilles-Wegner, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), maßgeblich beteiligt an internationalem Positionspapier zur Wirksamkeit und Verträglichkeit der Elektrokonvulsionstherapie (EKT) bei schweren psychischen Erkrankungen. Die EKT beruht auf Stromimpulsen, die unter anderem zur Bildung neuer Nervenzellverbindungen im Gehirn führen. Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Lancet Psychiatry“.

    Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) ist ein Verfahren, bei dem unter kurzer Vollnarkose und Muskelentspannung mittels Stromimpulsen ein kurzer und kontrollierter Krampfanfall ausgelöst wird. Dadurch kommt es unter anderem zur Bildung neuer Nervenzellverbindungen im Gehirn. Die EKT ist ein seit Jahrzehnten bewährtes und hochwirksames Verfahren zur Behandlung schwerer depressiver und psychotischer Erkrankungen, die nur unzureichend auf andere, zum Beispiel medikamentöse Therapien, angesprochen haben. In aktuellen Empfehlungen stellt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die EKT jedoch als tendenziell schädliche und für manche Patient*innengruppen einzuschränkende Therapieform dargestellt.

    In einem neuen Positionspapier internationaler Fachgesellschaften unter Beteiligung von Prof. Dr. David Zilles-Wegner, Leitender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), fordern die Autor*innen eine auf wissenschaftlichen Fakten sowie auf Studien basierte Darstellung der EKT, um Vorurteilen gegenüber der Therapie und möglichen Versorgungslücken für Patient*innen entgegenzuwirken.

    „Die Elektrokonvulsionstherapie ist eines der am besten untersuchten Verfahren in der Psychiatrie und wird seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt. Internationale Leitlinien und umfangreiche Studien belegen die Wirksamkeit, Sicherheit und Bedeutung der Methode insbesondere bei schweren Krankheitsbildern wie depressiven Episoden, bipolaren Störungen, Schizophrenien und sogenannten katatonen Zuständen, bei denen Betroffene manchmal kaum noch sprechen oder sich bewegen können“, sagt Prof. Zilles-Wegner. „Dabei ist es wichtig, gerade Patient*innen mit besonders schwerwiegenden Symptomen eine Elektrokonvulsionstherapie anbieten zu können, da diese durch Studien belegt, besonders gut von der Therapie profitieren können.“

    Die Erkenntnisse und Positionen wurden Anfang April 2026 in der Fachzeitschrift „Lancet Psychiatry“ publiziert.

    Originalpublikation:
    David Zilles-Wegner, Danuta Wassermann, Thomas G Schulze, Oliver Pogarell, Theresa Miskimen, Mark H Rapaport, Paul Summergrad, Andrea Fiorillo, Celso Arango, the Global Task Force on ECT, und Alexander Sartorius. Joint statement by the World Psychiatric Association, the American Psychiatric Association, the European Psychiatric Association, and the Global Expert Task Force on ECT on the portrayal of electroconvulsive therapy in the WHO Guidance on Mental Health Policy and Strategic Action Plans. The Lancet Psychiatry (2026). DOI: 10.1016/S2215-0366(26)00059-3

    Forderungen im Detail

    Das Positionspapier begrüßt die Forderung der WHO nach einer auf Menschenrechten basierten globalen psychiatrischen Versorgung, die die Person als solches und nicht die Krankheit in den Mittelpunkt stellt und einen genesungsorientierten Ansatz verfolgt, der auf ein selbstbestimmtes Leben trotz möglicher Einschränkungen abzielt. Das weltweite Bündnis führender Fachgesellschaften und Expert*innen betont jedoch gleichzeitig die Bedeutung des biopsychosozialen Krankheitsmodells, das Krankheit und Gesundheit als ein Zusammenspiel von biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren versteht, als Grundlage einer wissenschaftlich begründeten Versorgung von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Patient*innen sollten daher immer umfassend über alle anerkannten Behandlungsmethoden, wie zum Beispiel die EKT, informiert und aufgeklärt werden sowie einen gesicherten, gleichberechtigten Zugang zu diesen Therapien haben.

    Beteiligte Fachgesellschaften

    An dem Positionspapier waren die World Psychiatric Association (WPA), die American Psychiatric Association (APA), die European Psychiatric Association (EPA) sowie eine globale Expert*innengruppe zur Elektrokonvulsionstherapie (EKT) beteiligt.


    Contact for scientific information:

    Prof. Dr. David Zilles-Wegner, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Telefon 0551 / 39-60607, david.zilles@med.uni-goettingen.de


    Original publication:

    David Zilles-Wegner, Danuta Wassermann, Thomas G Schulze, Oliver Pogarell, Theresa Miskimen, Mark H Rapaport, Paul Summergrad, Andrea Fiorillo, Celso Arango, the Global Task Force on ECT, und Alexander Sartorius. Joint statement by the World Psychiatric Association, the American Psychiatric Association, the European Psychiatric Association, and the Global Expert Task Force on ECT on the portrayal of electroconvulsive therapy in the WHO Guidance on Mental Health Policy and Strategic Action Plans. The Lancet Psychiatry (2026). DOI: 10.1016/S2215-0366(26)00059-3


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    Prof. Dr. David Zilles-Wegner, Leitender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).
    Prof. Dr. David Zilles-Wegner, Leitender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der ...

    Copyright: umg/frank stefan kimmel


    Criteria of this press release:
    Journalists
    Medicine
    transregional, national
    Science policy, Scientific Publications
    German


     

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