idw - Informationsdienst
Wissenschaft
Neue Werte für das 2. Quartal 2026
IMK Konjunkturindikator: Rezessionsrisiko durch Iran-Krieg spürbar gestiegen
Der Iran-Krieg hat das Risiko, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten in eine Rezession gerät, deutlich erhöht. Das signalisiert der monatliche Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, der die neuesten verfügbaren Daten zu den wichtigsten wirtschaftlichen Kenngrößen bündelt.
Für das zweite Quartal von April bis Ende Juni 2026 weist der Indikator eine Rezessionswahrscheinlichkeit von 33,5 Prozent aus. Anfang März betrug sie für die folgenden drei Monate noch 11,6 Prozent. Gleichzeitig ist die statistische Streuung im Indikator, die eine Verunsicherung von Wirtschaftsakteuren widerspiegelt, gestiegen. Deshalb schaltet der nach dem Ampelsystem arbeitende Indikator erstmals seit Oktober 2025 von „gelb-grün“, was für ein moderates Wachstum spricht, auf „gelb-rot“. Diese Phase markiert eine erhöhte konjunkturelle Unsicherheit.
Maßgeblich für den Anstieg der Rezessionswahrscheinlichkeit sind vor allem Eintrübungen bei Finanzmarkt- und Stimmungsindikatoren. Dazu zählen unter anderem höhere Risikoprämien bei Kreditausfallversicherungen für Unternehmen, eine gestiegene Volatilität am Aktienmarkt sowie Zinsentwicklungen, die darauf schließen lassen, dass Finanzmarktakteure sich auf eine Anhebung der EZB-Leitzinsen einstellen. Zudem haben sich neben dem Geschäftsklima die vom ifo-Institut gemessenen Exporterwartungen deutscher Unternehmen verschlechtert, was damit zu tun hat, dass die Weltwirtschaft, darunter insbesondere das Wachstum vieler Schwellenländer, durch den Iran-Krieg belastet wird.
Die schlechteren wirtschaftlichen Aussichten ergeben sich somit sowohl aus Faktoren, die im Inland wirken, als auch international. „Mit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran im März hat die Wahrscheinlichkeit für weitere Produktionsrückgänge aufgrund höherer Energiepreise und unterbrochener Lieferungen, insbesondere im Bereich der in Deutschland seit Beginn des Ukraine-Kriegs stark belasteten energieintensiven Industrien, zugenommen“, skizziert IMK-Forscher Dr. Thomas Theobald das aktuelle Konjunkturbild. „Für die kommenden Monate ist zudem mit einer spürbaren Dämpfung des privaten Verbrauchs zu rechnen, da die Energiepreisschocks zunächst die Öl-nahen Ausgaben der privaten Haushalte verteuern, aber sich auch nach und nach auf die Preise weiterer Güter und Dienstleistungen auswirken werden.“
-Dullien: Entlastungssignale nicht durch Kürzungsdebatten entwerten-
Die Bundesregierung handele richtig, wenn sie in der aktuellen Situation kurzfristig für Entlastung sorge, erklärt Prof. Dr. Sebastian Dullien, der wissenschaftliche Direktor des IMK. Dabei hält er den temporären Tankrabatt, über den heute im Bundesrat abgestimmt wird, für ein „akzeptables Instrument“. Er schwäche zwar die Preissignale ab, habe aber eine Reihe von Vorteilen gegenüber allen anderen derzeit diskutierten Maßnahmen: „Er ist sehr schnell umsetzbar und er dämpft direkt die Inflation. Seine Verteilungswirkung ist weniger negativ als oft unterstellt, denn er kommt vor allem Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen zugute. Außerdem entlastet er das Gewerbe und beugt so Kostendruck in der Logistik und bei der Herstellung vieler Güter und Dienstleistungen vor.“*
Ebenso wichtig sei, dass die Verbraucher*innen nicht immer wieder durch von der Politik angekündigten Abbau bei sozialer Sicherung und Arbeitsbedingungen verunsichert werden, mahnt Dullien. Das gelte für Belastungen durch die Gesundheitsreform ebenso wie für Deregulierungen bei der Arbeitszeit und immer wieder diskutierte Einschnitte bei der Alterssicherung oder beim Kündigungsschutz. „Alles, was den privaten Konsum weiter schwächt, ist aktuell ein schweres Wachstumsrisiko. Es ist widersinnig, richtigerweise Entlastungssignale zu setzen, diese dann aber postwendend zu entwerten – etwa, wenn beim Thema Rente unnötig zugespitzt wird“, warnt der IMK-Direktor.
Dr. Thomas Theobald
IMK-Konjunkturexperte
Tel.: 0211-7778-215
E-Mail: Thomas-Theobald@boeckler.de
Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de
Zum IMK-Konjunkturindikator: https://www.imk-boeckler.de/de/imk-konjunkturampel-15362.htm
*Sebastian Dullien, Katja Rietzler, Silke Tober: Temporärer Tankrabatt: Trotz Nachteilen vertretbar - Primärer Vorteil ist die Dämpfung der Inflation, IMK Policy Brief Nr. 214, April 2026. Download: https://www.imk-boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-009383
Criteria of this press release:
Journalists
Economics / business administration, Politics, Social studies
transregional, national
Research results, Scientific Publications
German

You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.
You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).
Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.
You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).
If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).