idw - Informationsdienst
Wissenschaft
Eine aktuelle Übersichtsarbeit beschreibt erstmalig Informationen und Leitlinien für Fachkräfte, die PatientInnen mit Störungen der Darm-Hirn-Achse betreuen und fasst evidenzbasierte psychosoziale Ansätze für Erwachsene und für den pädiatrischen Bereich zusammen. Erstautorin in der neuen Ausgabe von Gastroenterology ist die Universitätsprofessorin Dr. Sigrid Elsenbruch, die sowohl an der Ruhr-Universität Bochum wie an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen im Rahmen der Sonderforschungsbereiche „Extinction Learning“ und „Treatment Expectation“ wissenschaftlich arbeitet.
Reizdarmsyndrom, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Dyspepsie oder kurz zusammengefasst funktionelle Magendarmerkrankungen – die Liste der durch eine gestörte Darm-Hirn-Achse verursachten Beschwerden ist lang. Millionen Menschen sind betroffen. Zwischen Gehirn und Eingeweiden besteht eine direkte Verbindung, die sogenannte Darm-Hirn-Achse und. entlang dieser Achse läuft ein wichtiges Kommunikationsnetzwerk in beide Richtungen. Die Erkenntnisse über die wechselseitigen Einflüsse biologischer und psychosozialer Faktoren auf die Darmphysiologie, die Mechanismen des Gehirns sowie die belegten Erwartungseffekte haben in den vergangenen Jahren die Forschung, Diagnostik und Therapie maßgeblich beeinflusst.
Moderne ganzheitliche Versorgung
„Das neue Standardwerk bietet eine fundierte und praxisnahe Orientierung, um die komplexe Darm-Hirn-Interaktion besser zu verstehen und gezielt in die Patientenversorgung zu integrieren. Es richtet sich ausdrücklich an Klinikerinnen und Kliniker aller Fachdisziplinen und nicht nur an die Gastroenterologie“, erklärt die Psychologin Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch. Professorin für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie an der Ruhr-Universität Bochum, Mitglied der Medizinische Fakultät am Universitätsklinikum Essen und Teilprojektleiterin in zwei Sonderforschungsbereichen. Sie gibt auch Empfehlungen für Ausbildungsprogramme von Fachkräften im Bereich der psychosozialen Versorgung bei „Disorders of Gut-Brain Interactions“ (DGBI).
„Es werden zentrale Strategien zur Diagnostik beschrieben, darunter gezielte Fragen für Patientengespräche sowie Hinweise zur Interpretation der Antworten, gefolgt von empirisch gestützten psychosozialen Behandlungsansätzen, die sowohl in integrierten als auch in eigenständigen Versorgungskontexten eingesetzt werden können“, beschreibt Prof. Elsenbruch den praktischen Nutzen der Publikation. Sie will ein integratives Krankheitsverständnis vermitteln, das für die moderne Versorgung essenziell ist und eine differenzierte, ganzheitliche Betreuung von Patientinnen und Patienten unterstützt.
Angst und Stress
Besonders hervorzuheben ist, dass psychologische und verhaltensmedizinische Perspektiven – insbesondere moderne Ansätze aus der kognitiven Verhaltenstherapie – nun auf Basis eines mechanistischen Gesamtverständnisses in dem Beitrag und dem zeitgleich erschienenen Buch zentral integriert sind. Als Erstautorin freut sich Elsenbruch die grundlagenwissenschaftliche Perspektive zur Entstehung und Modulation viszeraler Schmerzen einzubringen, mit einem Fokus auf Furcht-, Stress- und Angstprozesse sowie Lern- und Gedächtnismechanismen. Die Arbeiten in den DFG-geförderten Forschungsverbünden SFB 1280 („Extinction Learning“, Ruhr-Universität Bochum) und TRR 289 („Treatment Expectation“, Universität Duisburg-Essen) haben hierfür eine wesentliche mechanistische und konzeptionelle Grundlage geschaffen. „Dass diese Beiträge nun in einem solchen internationalen Kontext sichtbar werden, ist für mich und mein Team von besonderer Bedeutung.“
Neues Standardwerk
Der Beitrag stellt ein umfassendes, evidenzbasiertes Referenzwerk für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Störungen der Darm-Hirn-Interaktion dar und ist Teil der aktuellen Arbeiten der Rome Foundation, eine unabhängige gemeinnützige Organisation, die sich der Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Störungen widmet. Mit der Veröffentlichung in Gastroenterology – dem offiziellen Fachjournal der American Gastroenterological Association, einer der weltweit führenden Publikationen der Inneren Medizin, ist der internationale Stellenwert dokumentiert. Die Publikation dürfte sich als neues Standardwerk in diesem Fachgebiet etablieren.
Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch
https://www.gastrojournal.org/article/S0016-5085(26)00140-X/fulltext Originalarbeit:
Elsenbruch, Sigrid & Ballou, Sarah & Keefer, Laurie & Murphy, Tasha & Oudenhove, Lukas & Van Tilburg, Miranda & Vasant, Dipesh & Levy, Rona. (2026). Biopsychosocial Aspects of Adult and Pediatric Disorders of Gut–Brain Interaction. Gastroenterology. 170. 10.1053/j.gastro.2026.02.009.n
https://www.uni-due.de/med/meldung.php?id=1925
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars, all interested persons
Medicine, Psychology
transregional, national
Research results, Scientific Publications
German

You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.
You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).
Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.
You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).
If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).