idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
04/30/2026 12:44

Warum CEOs immer älter werden

Katrin Piecha Dezernat 8 - Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

    Ein Forscherteam der Universitäten Bonn und Princeton zeigt in einem neuen Diskussionspapier, dass Führungskräfte in den USA heute deutlich später in Spitzenpositionen gelangen als noch vor zwei Jahrzehnten. Das höhere Antrittsalter als Geschäftsführer ist insbesondere außerhalb der großen börsennotierten Unternehmen zu beobachten. Die Forscher führen die Entwicklung darauf zurück, dass Unternehmen heute breites Wissen und vielfältige Fähigkeiten von ihren CEOs verlangen.

    Der Aufstieg in die Spitzenposition eines Unternehmens dauert heute deutlich länger als früher. Das zeigt eine aktuelle Studie der Ökonomen Valentin Kecht und Prof. Dr. Farzad Saidi vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Bonn und Mitglieder im Exzellenzcluster ECONtribute der Universitäten Bonn und zu Köln, zusammen mit Alessandro Lizzeri von der Princeton University.

    Die Forscher fanden heraus: Der Altersdurchschnitt von CEOs in den Vereinigten Staaten ist zwischen 2000 und 2023 um rund zehn Jahre gestiegen. Das Alter bei der Ernennung nahm von etwa 48 auf 55 Jahre deutlich zu. Ein vergleichbarer Anstieg ist für eine Stichprobe aus 19 europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, zu beobachten.

    Um die Ursachen zu untersuchen, wertete das Forscherteam Daten von mehr als 50.000 CEOs aus, unter anderem aus BoardEx, einer Datenbank zu Führungskräften und deren Karriereverläufen, sowie von LinkedIn, und verknüpfte diese mit Unternehmensdaten aus der Datenbank Compustat. Zudem entwickelten sie ein ökonomisches Matching-Modell, das beschreibt, wie Unternehmen und Führungskräfte zueinanderfinden und warum bestimmte Kandidat:innen ausgewählt werden.

    Die Ergebnisse zeigen, dass der spätere Aufstieg vor allem darauf zurückgeht, dass Karrierewege bis zur CEO-Ernennung länger und vielfältiger geworden sind. Andere Faktoren wie Demografie oder Ausbildung spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen deuten die Befunde auf veränderte Auswahlprozesse hin, bei denen Unternehmen stärker auf angesammelte Erfahrung und sogenannte Generalisten setzen. Heutzutage wird breites Wissen in verschiedenen Fachbereichen gefordert.

    „Die Rolle von CEOs ist komplexer geworden und damit auch die Anforderungen an ihre Erfahrung“, sagt Professor Farzad Saidi, Co-Autor der Studie.

    Auf diese veränderte Nachfrage reagierten Kandidat:innen strategisch. Sie sammeln heute länger als früher Erfahrungen in unterschiedlichen Positionen, Unternehmen und Branchen und sind dafür kurzfristig sogar bereit, Gehaltseinbußen hinzunehmen.

    Besonders deutlich zeigt sich der Wandel je nach Unternehmensgröße. Große Unternehmen besetzen Spitzenpositionen häufiger intern und bauen Generalisten im eigenen Haus auf. Kleinere Unternehmen greifen dagegen überwiegend auf externe Kandidat:innen mit breiter Erfahrung zurück. Dort ist ein verstärkter Anstieg von älteren Führungskräften an der Spitze zu beobachten.

    Die Forscher weisen darauf hin, dass der Trend weitreichende Folgen haben könnte: Ältere CEOs führen im Durchschnitt Unternehmen mit geringerer Wachstumsdynamik und weniger radikaler Innovation. Gleichzeitig sehen die Autoren darin eine Anpassung an ein zunehmend unsicheres und komplexes wirtschaftliches Umfeld.

    „Langfristig spiegelt sich darin eine Verschiebung hin zu generalistischen Kompetenzen wider, also Fähigkeiten, die zur Koordination, Anpassung und Entscheidungsfindung unter Unsicherheit genutzt werden können“, sagt Saidi. „Diese sind schwer zu automatisieren und gewinnen daher an Bedeutung.“

    Förderung: An der Studie waren die Universität Bonn sowie die Princeton University beteiligt. Sie wurde gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Exzellenzclusters ECONtribute sowie des Sonderforschungsbereichs Transregio 224 – Economic Perspectives on Societal Challenges: Equality of Opportunity, Market Regulation, and Financial Stability.


    Contact for scientific information:

    Prof. Farzad Saidi Ph.D.
    Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
    Exzellenzcluster ECONtribute
    Universität Bonn
    Tel.: +49 228 73-9288
    E-Mail: saidi@uni-bonn.de

    Valentin Kecht
    Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
    Exzellenzcluster ECONtribute
    Universität Bonn
    E-Mail: kecht@uni-bonn.de


    Original publication:

    Valentin Kecht, Alessandro Lizzeri, Farzad Saidi: Aging at the Very Top. ECONtribute Discussion Paper No. 404. April 2026. https://www.econtribute.de/RePEc/ajk/ajkdps/ECONtribute_404_2026.pdf


    Images

    Criteria of this press release:
    Journalists
    Economics / business administration
    transregional, national
    Research results
    German


     

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).