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05/28/2026 11:44

Tag der Frauengesundheit: Herzchirurgin im Interview über geschlechtersensible Medizin und Frauen in der Herzchirurgie

Sandra Arens Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V.

    Das Thema „Gender“ hat in den letzten Jahren sowohl in der geschlechtssensiblen Medizin als auch in Bezug auf den medizinischen Nachwuchs zunehmend an Bedeutung gewonnen; auch in der Herzchirurgie. Über die neuen Erkenntnisse, positiven Entwicklungen und die Notwendigkeit weiterer Aktivitäten spricht Professorin Anna Meyer, Leitende Oberärztin an der Klinik für Herzchirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie.

    Frau Prof. Dr. Meyer: Medizinische Unterschiede zwischen Patientinnen und Patienten sind erwiesen. Welche gibt es konkret in der Herzchirurgie?

    Ein Beispiel dafür ist die Koronare Herzkrankheit (KHK) bzw. der akute Herzinfarkt. Bei Frauen können sich die Brustschmerzen in ihrer Charakteristik unterscheiden. Zudem haben sie häufiger Rücken-, Nacken- oder Kieferschmerzen als Männer. Die Studienlage zeigt zudem, dass die Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt bei Frauen im ersten Jahr 1,5-fach höher ist als bei Männern. Ein weiteres Beispiel sind die aortokoronaren Bypass-Operationen. Hier haben mehrere Studien gezeigt, dass Frauen häufiger eine schlechtere Prognose haben als Männer und bei ihnen öfter unerwünschte Ereignisse im Kontext der Operationen auftreten. Zudem gibt es einige Herzerkrankungen, die überwiegend Frauen betreffen – beispielsweise das „Broken-Heart-Syndrom“ oder die sogenannte HFpEF, eine Form der Herzinsuffizienz.

    Werden genderspezifische Unterschiede wie diese aus Ihrer Sicht bereits ausreichend im klinischen Alltag berücksichtigt?

    Hier hat sich auf jeden Fall seit den ersten Veröffentlichungen Mitte der 80er Jahre sehr viel getan! Als ich beispielsweise Medizinstudentin war, war die Gendermedizin praktisch kein eigenes Thema. Seit geraumer Zeit verändert sich dies zunehmend und es gibt diverse Forschungsansätze, sich der Problematik zu nähern – auch speziell in der Herzmedizin. An vielen Universitäten wird geschlechtersensible Medizin mittlerweile stärker in die Lehre integriert.

    Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

    Ja, dazu möchte ich gerne auf die Behandlung der KHK bei Frauen mittels einer Bypass-OP zurückkommen und auf die internationale ROMA Studie verweisen. Ziel dieser Studie ist es, die Operationsmethode auszumachen, die speziell für Frauen langfristig die besten Ergebnisse liefert.

    Würden Sie sagen, dass es für die Behandlung von Frauen auch mehr weibliche Ärztinnen braucht?

    Das würde ich pauschal nicht sagen. Es ist eher entscheidend, wie intensiv sich jemand mit Gendermedizin beschäftigt hat – unabhängig vom Geschlecht. Natürlich könnte man vermuten, dass sich Ärztinnen mit manchen Aspekten der Frauengesundheit stärker auseinandersetzen, weil sie selbst betroffen sind. Aber selbstverständlich können sich männliche Kollegen dasselbe Wissen aneignen. Unabhängig davon ist es jedoch sehr wichtig den Frauenanteil in der Herzchirurgie weiter zu steigern. Früher war das Fachgebiet eine echte Männerdomäne – hier hat sich glücklicherweise schon viel getan. Im optimalen Fall entsteht eine Balance – also Teams sowohl aus Männern und Frauen, in die jeder und jede seine eigene Stärke einbringen kann. Wenn wir all unsere positiven Eigenschaften zusammenbringen, lernen wir voneinander – und davon profitieren auch Patientinnen und Patienten am meisten. Daran arbeiten wir.

    Noch ist es nicht so weit. Der Männeranteil in der Herzchirurgie ist noch deutlich höher. Wie lässt sich die „Frauenquote“ in der Herzmedizin erhöhen?

    Da gibt es mehrere Ansätze und Aktivitäten der DGTHG: Beispielsweise schafft das jährlich stattfindende Seminar „Frauen trainieren Frauen“ einen vertrauten Raum, um sich zu vernetzen und mit weiblichen Vorbildern in Kontakt treten zu können. Hier setzen auch das Netzwerk Herzchirurginnen und die Kommission für Diversität der DGTHG an. Zudem ist es wichtig, auch auf Kongressen die beiden Themen „Gendermedizin“ und „Frauen in der Herzmedizin“ zu platzieren. Hier sind bereits deutliche Fortschritte erzielt worden. Dennoch muss dieser Weg konsequent fortgesetzt werden!


    Original publication:

    https://dgthg.de/aktuelles/tag-der-frauengesundheit-interview-mit-prof-anna-meye...


    More information:

    https://www.dgthg.de
    https://dgthg.de/presse/tag-der-frauengesundheit-2026-herzchirurgin-im-interview...


    Images

    Professorin Anna Meyer, Leitende Oberärztin an der Klinik für Herzchirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie
    Professorin Anna Meyer, Leitende Oberärztin an der Klinik für Herzchirurgie des Universitätsklinikum ...

    Copyright: DGTHG


    Criteria of this press release:
    Journalists, all interested persons
    Medicine, Nutrition / healthcare / nursing, Social studies
    transregional, national
    Miscellaneous scientific news/publications
    German


     

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