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07/07/2026 11:19

DANK: „Zuckersteuer nicht auf die lange Bank schieben.“

Christina Seddig Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten

    Die zweite und dritte Lesung sowie die Debatte im Deutschen Bundestag zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (GKV-BStabG) in dieser Woche kommentiert Barbara Bitzer, Sprecherin des Wissenschaftsbündnisses Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) und Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG):

    „Keine GKV-Reform ohne wirksame Prävention! Wir begrüßen es sehr, dass die Bundesregierung mit dem Beschluss des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes in dieser Woche endlich aus dem Debattier- in den Umsetzungsmodus schaltet. Jetzt ist es entscheidend, das Gesetz zur Einführung einer Zuckersteuer nicht auf die lange Bank zu schieben und sich nicht von Scheindebatten zur Wirksamkeit ablenken zu lassen. Die Empfehlungen der FinanzKommission Gesundheit und der Wissenschaft zur Ausgestaltung der Zuckerabgabe geben einen klaren und sinnvollen Rahmen vor. Daran sollte sich das Bundesministerium für Gesundheit orientieren.“

    Das Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) spricht sich seit 15 Jahren für die Einführung einer Zuckersteuer als Herstellerabgabe aus, damit die gesunde Wahl zur einfachen Wahl wird. In Großbritannien ist es seit der Einführung der Steuer gelungen, den Zuckergehalt in den Getränken zu reduzieren, die Rezepturen nachhaltig anzupassen und den Zuckerkonsum über diese Produkte bei Kindern und Jugendlichen zu halbieren. „In Großbritannien ist die Zuckersteuer ein echtes Erfolgsmodell. Die britische Regierung hat erkannt, dass Lenkungssteuern Einfluss auf Rezepturen der Hersteller, den Zuckerkonsum, das Kaufverhalten und die Gesundheit entwickeln können. Sie schärft die Abgabe in den kommenden Jahren daher nach und weitet sie auch auf andere Produktgruppen aus“, erläutert die Sprecherin der DANK.

    Beispiel Chile: Zuckersteuer mit anderen Maßnahmen flankieren

    Dass sich ernährungspolitische Maßnahmen auf die Gesundheit auswirken können, schlüsselte eine aktuelle Studie jüngst auf, die im Lancet erschienen ist. Forschende analysierten das chilenische Lebensmittelkennzeichnungs- und Werbegesetz und die Daten von mehr als 320.000 Kindern verschiedener Geburtenkohorten. Das Ergebnis: Kinder, die den ernährungspolitischen Maßnahmen ausgesetzt waren, hatten eine signifikant geringere Wahrscheinlichkeit für Übergewicht oder Adipositas. Bei Mädchen war die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht oder Adipositas um rund 2,8 % geringer, bei Jungen um 2,4 %.

    Das südamerikanische Land setzt neben einer Zuckersteuer bereits seit Jahren auf ein Maßnahmenpaket, das Warnhinweise auf der Vorderseite von Verpackungen für Produkte mit zu viel Zucker, Salz oder gesättigten Fetten, Werbebeschränkungen für ungesunde Lebensmittel gegenüber Kindern und Einschränkungen des Verkaufs und Marketings ungesunder Produkte an Schulen umfasst. In Deutschland ist die ‚Nährwert-Ampel‘ Nutri-Score dagegen noch immer freiwillig für die Unternehmen. Eine umfassende Wirkung kann das System jedoch nur entfalten, wenn er verbindlich auf allen Verpackungen zu finden ist. Auch das Gesetz zur Regulierung von Werbung für Produkte, die viel Zucker, Fett und Salz erhalten und sich direkt an Kinder richten, wurde nach langen und sehr intensiven politischen Diskussionen unter der Ampelkoalition nicht umgesetzt.

    „Die Daten aus Chile und Großbritannien zeigen, dass Prävention kein nettes ‚add on‘ für die Gesundheitspolitik und den Kinderschutz ist, sondern entscheidend sein kann, um dauerhaft mehr gesunde Lebensjahre zu sichern und das Gesundheitssystem nachhaltig zu entlasten. Mit der Einführung einer Zuckersteuer in Deutschland können dafür entscheidende Impulse gesetzt werden“, schließt Präventionsexpertin Bitzer.

    Quellen:
    • Nina Rogers et. al. „Estimated changes in free sugar consumption one year after the UK soft drinks industry levy came into force: controlled interrupted time series analysis of the National Diet and Nutrition Survey“: https://jech.bmj.com/content/jech/early/2024/06/11/jech-2023-221051.full.pdf
    • Prof. Guillermo Paraje et. al. „The impact of Chile's multipronged food labelling and advertising law on early childhood excess weight: a cohort difference-in-differences study“: https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(26)00651-3/abstr....

    Über das Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK):
    Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) ist ein Wissenschaftsbündnis aus 24 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen, das sich seit mehr als 15 Jahren für Maßnahmen der Verhältnisprävention zur Verhinderung von Krankheiten wie Adipositas, Diabetes, Krebs und Herz-Kreislaufkrankheiten einsetzt. Das Bündnis fordert die Einführung einer Zuckersteuer, mehr Kinderschutz in der Lebensmittelwerbung, täglich eine Stunde Sport und Bewegung in KiTa/Schule sowie die Einführung verbindlicher Qualitätsstandards für die KiTa-und Schulernährung nach den DGE-Empfehlungen. Mehr über DANK: www.dank-allianz.de

    DANK-Pressekontakt:
    Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK)
    Barbara Bitzer
    DANK-Sprecherin & DDG Geschäftsführerin
    E: bitzer@ddg.info
    T.: 030 311 69 37 11


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    Criteria of this press release:
    Journalists
    Medicine, Nutrition / healthcare / nursing
    transregional, national
    Miscellaneous scientific news/publications
    German


     

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