Friedrich-Schiller-Universität und Universitätsklinikum in Jena trauern um Prof. Dr. Dietfried Jorke

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12/20/2019 10:31

Friedrich-Schiller-Universität und Universitätsklinikum in Jena trauern um Prof. Dr. Dietfried Jorke

Dr. Uta von der Gönna Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Jena

    Als Leiter des Aufbaustabes für die Klinik für Innere Medizin legte der Hämatologe und Onkologe den Grundstein für den Medizincampus in Lobeda. In der Wendezeit gehörte Professor Jorke zu den treibenden Kräften im Demokratisierungsprozess der Alma Mater Jenensis, was die Universität mit der Verleihung der Würde eines Ehrensenators würdigte.

    Im Alter von 93 Jahren verstarb am 11. Dezember 2019 in Jena Professor Dr. Dietfried Jorke. Er verkörperte zugleich den patientenzugewandten Arzt, den akademischen Lehrer, den fähigen Medizinmanager und den aufrechten, bürgerlichen Demokraten – und jede dieser Eigenschaften in herausragender Weise.

    Dietfried Jorke wurde 1926 im thüringischen Sondershausen geboren und studierte Medizin in Greifswald und Jena. Nach seiner Promotion mit einer Arbeit zur Leukämiebehandlung war er am Jenaer Universitätsklinikum tätig. Er habilitierte sich über die Lymphoidzellen des Blutes für die Innere Medizin und wurde 1962 zum Ärztlichen Direktor des Städtischen Krankenhauses in Jena berufen. Dieses profilierte er zum Lehrkrankenhaus, wofür er zum außerplanmäßigen Professor ernannt wurde. Die Berufung zum Universitätsprofessor für Innere Medizin erfolgte 1975, schon ein Jahr zuvor war Dietfried Jorke in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina aufgenommen worden.

    In dieser Zeit leitete er bereits die Arbeitsgruppe, die mit der Planung des Neubaus eines Fachkrankenhauses für Innere Medizin in Jena beauftragt worden war. Die Realisierung dieses Auftrags, in Zusammenführung der Städtischen Kliniken und der Medizinischen Universitätsklinik am Fuße der Lobdeburg, gilt – angesichts des realsozialistischen Zentralismus und der zugehörigen Mangelwirtschaft – als diplomatisches und organisatorisches Meisterstück. „Professor Jorke ist damit der Wegbereiter für die heutige Klinikstruktur in Jena, die sehr gute Bedingungen für Wissenschaft und Patientenversorgung bietet“, betont PD Dr. Jens Maschmann, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Jena. Bei der Eröffnung der Klinik für Innere Medizin, die in Jena meist nur „KIM“ genannt wurde, wurde Professor Jorke zu einem ihrer Direktoren berufen. Er etablierte hier die erste universitäre onkologische Abteilung zur systematischen Chemotherapie solider Tumoren in der DDR.

    In den Tagen der Friedlichen Revolution gehörte Dietfried Jorke zusammen mit Ulrich Zwiener zu den Gründern der „Aktionsgemeinschaft Demokratische Erneuerung der Hochschule - ADEH“. Diese drängte unter anderem darauf, dass die Jenaer Universität ihr Lehrpersonal auf seine Eignung im Hinblick auf ihre fachliche Qualität und politische Vergangenheit überprüfte. „Mit Dietfried Jorke hat die Friedrich-Schiller-Universität eine herausragende Persönlichkeit und einen geschätzten Kollegen verloren. Dass die Universität Jena zu den ersten Hochschulen der ostdeutschen Länder gehörte, die eine demokratische Struktur etablierte, war vor allem seinem entschlossenen Handeln zu verdanken. Dafür wurde er vielfach ausgezeichnet. Unter anderem mit der Würde eines Ehrensenators der Uni Jena“, erinnert Universitätspräsident Prof. Dr. Walter Rosenthal.

    Als Gründungsvater der Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung der Landesärztekammer Thüringen setzte Dietfried Jorke seine Tätigkeit für den ärztlichen Berufsstand auch nach seiner Emeritierung fort. Er beschäftigte sich zudem mit medizinethischen Fragen und mit der Geschichte der Inneren Medizin in Jena. Dafür wurde er mit der Ernst-von-Bergmann-Plakette der Bundesärztekammer und der Ludwig-Pfeiffer-Medaille der Landesärztekammer Thüringen ausgezeichnet. 2003 erhielt er mit dem Thüringer Verdienstorden die höchste Auszeichnung des Freistaates.

    Den Menschen Dietfried Jorke zeichneten vor allem Aufrichtigkeit und Bescheidenheit aus. Er fühlte sich zuerst als Arzt, dann als Mediziner; in seiner Abschiedsvorlesung 1992 thematisierte er die Empathie. „Demokratie ist niemals ein abgeschlossenes Sein, sondern ein ständiges Werden“, mit diesem Zitat von ihm erinnert eine Gedenktafel im Kollegienhof an die ersten Zusammenkünfte der ADEH vor fast genau 30 Jahren.

    An der Jenaer Universität und ihrem Klinikum hat Dietfried Jorke viel Werden bewirkt. Sie werden ihn in Erinnerung behalten.


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