Mehr Kinderschutz in der Corona-Krise

idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Thema Corona

idw-Abo
Science Video Project



Share on: 
03/31/2020 12:16

Mehr Kinderschutz in der Corona-Krise

Claudia Staat Kommunikation und Veranstaltungsmanagement
Frankfurt University of Applied Sciences

Professorinnen der Frankfurt UAS und der Hochschule Koblenz initiieren Appell an die Politik: Sorge über die aktuelle Situation gefährdeter Jungen und Mädchen / 100 Wissenschaftler/-innen aus Hochschulen in ganz Deutschland unterzeichnen Aufruf / Heikle Situation wegen Isolation der Kinder in den Familien sowie deutlicher Absenkung fachlicher Standards in der Jugendhilfe infolge der Corona-Krise

Einen dringenden Appell zum Kinderschutz während der Corona-Krise haben die Professorinnen Dr. Maud Zitelmann und Dr. Carola Berneiser vom Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) sowie Prof. Dr. Kathinka Beckmann von der Hochschule Koblenz gestartet. Ihr Aufruf, der von 100 Wissenschaftler/-innen aus Hochschulen in ganz Deutschland unterzeichnet wurde, wurde am 29. März 2020 an die Landes- und Bundespolitik verschickt. Die Hochschullehrenden, die in Studiengängen der Sozialen Arbeit und Pädagogik lehren und wissenschaftlich zum Fachgebiet Kinderschutz arbeiten, machen damit auf die heikle Situation von gefährdeten Kindern und Jugendlichen aufmerksam, auch im Hinblick auf die Gefahr einer Zunahme von häuslicher und sexualisierter Gewalt. Sie sind vor allem wegen der Isolation der Kinder in den Familien sowie der deutlichen Absenkung fachlicher Standards in der Jugendhilfe infolge der Corona-Krise in Sorge.

„Die Sorge um das Kindeswohl erhält besonders in Krisensituationen wie der gegenwärtigen eine zusätzliche Brisanz, daher unterstützt die Hochschulleitung ausdrücklich diesen Appell für mehr Kinderschutz“, bekräftigt Prof. Dr. Frank E.P. Dievernich, Präsident der Frankfurt UAS. „Die Vermittlung interdisziplinär fundierten Fachwissens über den professionellen Umgang mit Vernachlässigung, sexuellem Missbrauch und Kindesmisshandlung hat in den entsprechenden Studiengängen der Frankfurt UAS einen hohen Stellenwert. Gerade als Hochschule für Angewandte Wissenschaften müssen wir mit unseren Erkenntnissen und Lösungsansätzen zu einem derart relevanten Thema an die Öffentlichkeit treten.“

„In vielen Jugendämtern wurde schon vor der Pandemie mit einem viel zu knapp bemessenen Personalschlüssel gearbeitet“, so die Initiatorinnen des Appells. „Nun fehlen sehr viele Fachkräfte in den Teams, weil sie kleine Kinder haben oder zu Risikogruppen gehören. Viele Behörden arbeiten im Schichtdienst, um einen Teil des Teams bei Infektionen handlungsfähig zu erhalten. Die Folgen sind gravierend: In vielen Jugendämtern werden nur noch akute Gefährdungsmeldungen bearbeitet. Gespräche mit den Kindern und ihren Eltern finden am Telefon oder gar nicht mehr statt, ein Teil der ambulanten und stationären Hilfen ist eingestellt.“ Wenn Jugendämter nicht mehr vollumfänglich arbeitsfähig sind oder Hausbesuche aufgrund des allgemeinen Kontaktverbots nicht stattfinden können, wenn Tagesgruppen geschlossen werden, haben Kinder und Jugendliche in Not keinen Zugang zu professioneller Hilfe, warnen die Wissenschaftler/-innen.

„Kinderschutz ist systemrelevant“ lautet die zentrale Aussage ihres Appells. „Wir sehen keinen Grund, ambulante Hilfen für Familien und die Schulbegleitung unter pauschalem Verweis auf die Gefährdung der Allgemeinbevölkerung einzustellen.“ Im Gegenteil: Die Besuche durch Sozialpädagogische Familienhelfer/-innen dürften nicht wie vielerorts eingestellt, sondern müssten intensiviert und unter Beachtung des Infektionsschutzes ausgebaut werden. Erforderlich sei zudem eine Wende in der jetzt begonnenen Entwicklung durch eine klare Orientierung, die von der Landespolitik und von einem Krisenstab im Familienministerium des Bundes ausgehen müsse.


Contact for scientific information:

Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich 4: Soziale Arbeit & Gesundheit, Prof. Dr. Maud Zitelmann, Telefon: +49 69 1533-2651, E-Mail: zitelma@fb4.fra-uas.de


Original publication:

Der ganze Appell ist nachzulesen unter: https://www.frankfurt-university.de/fileadmin/standard/Aktuelles/Pressemitteilun...


More information:

http://www.frankfurt-university.de/fb4 (Informationen zum Fachbereich Soziale Arbeit & Gesundheit)


Attachment
attachment icon Appell Kinderschutz

Addendum from 04/08/2020

Die Zahl der Unterzeichner/-innen des "Appells für mehr Kinderschutz" hat sich inzwischen deutlich erhöht. Das pdf zum Download im Anhang ist auf dem Stand vom 30.3.2020. Die aktualisierte Fassung (Stand 08.04.2020) ist nachzulesen unter dem Link:
https://www.frankfurt-university.de/fileadmin/standard/Aktuelles/Pressemitteilun...


Criteria of this press release:
Journalists, all interested persons
Nutrition / healthcare / nursing, Psychology, Social studies, Teaching / education
transregional, national
Cooperation agreements, Transfer of Science or Research
German


Help

Search / advanced search of the idw archives
Combination of search terms

You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

Brackets

You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

Phrases

Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

Selection criteria

You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).

Cookies optimize the use of our services. By surfing on idw-online.de you agree to the use of cookies. Data Confidentiality Statement
Okay