Zielgerichtete Therapie gegen Pilzinfektionen

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06/29/2020 14:17

Zielgerichtete Therapie gegen Pilzinfektionen

Dr. Michael Ramm Pressestelle
Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI)

    Erwin-Schrödinger-Stipendium verstärkt neuen Forschungsansatz

    Jena. Krankheitserregende Pilze verursachen jährlich 1,5 Millionen Todesfälle. Fast die Hälfte dieser Fälle wird durch chronische oder invasive, tief in den Organismus eindringende Schimmelpilzinfektionen verursacht. Das renommierte Erwin-Schrödinger-Stipendium des österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) ermöglicht dem Pharmazeuten Thomas Orasch, diesem Problem am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut – (Leibniz-HKI) auf den Grund zu gehen.

    Infektionskrankheiten sind – wie uns aktuell sehr deutlich vor Augen geführt wird – ein wachsendes Problem für die Weltbevölkerung. Schwierig wird es vor allem dann, wenn Krankheitserreger schwer zu diagnostizieren und behandeln sind, so wie bei Pilzinfektionen. Trotz steigender Fallzahlen versterben je nach Grunderkrankung bis zu 95 % der an invasiven Pilzinfektionen leidenden Patienten.

    „Das Forschungsprojekt von Thomas Orasch ist klinisch vielversprechend und befasst sich mit einem ungedeckten medizinischen Bedarf. Wir sind sehr erfreut, ihn am Leibniz-HKI begrüßen zu können. Sein Forschungsprojekt verstärkt erheblich unseren interdisziplinären Forschungsansatz“, so Institutsdirektor Prof. Axel Brakhage, der zudem einen Lehrstuhl an der Friedrich-Schiller-Universität Jena innehat. Er steht dem in Österreich promovierten Orasch während seines zweijährigen Aufenthalts in Jena als wissenschaftlicher Mentor zu Seite.

    Neue Behandlungsmethoden entwickeln

    „Neue Substanzen, die den Erreger abtöten, sind pharmakologisch oft problematisch und finden deshalb in der Klinik keine Anwendung“, erklärt Orasch. „Die Stoffe sind in ihrer Reinform häufig toxisch oder chemisch instabil.“ Diese pharmakologischen Eigenschaften möchte der Nachwuchswissenschaftler mit seinem Forschungsprojekt in Jena verbessern. Dafür nutzt er sogenannte Nanocontainer, also winzige Behälter auf Kunststoffbasis, die den Wirkstoff im Körper transportieren. Ziel sind Makrophagen, die Fresszellen unseres Immunsystems. Denn einige Erreger können von den Makrophagen nicht abgetötet werden, während sie sich gleichzeitig in diesen Zellen vor dem restlichen Immunsystem und Medikamenten „verstecken“. Der Pharmazeut wird deshalb untersuchen, ob sein Forschungsansatz den Makrophagen dabei helfen kann, diese Krankheitserreger unschädlich zu machen.

    Die Erkenntnisse könnten nicht nur dazu führen, Pilzerkrankungen besser und gezielter zu behandeln. „Auch die Therapie anderer Krankheitserreger, die sich der Abtötung in den Makrophagen entziehen, könnten wir mit unseren Ergebnissen verbessern“, ergänzt Orasch.

    Internationaler Austausch

    Das Forschungsprojekt des engagierten Nachwuchswissenschaftlers knüpft am Standort Jena an den Sonderforschungsbereich „PolyTarget“ an, in dem Materialwissenschaftler und Biomediziner eng zusammenarbeiten, um neue Therapieoptionen für Infektionen und Entzündungen zu erforschen. Die Forscher*innen entwickeln Trägermaterialien, die pharmazeutische Wirkstoffe punktgenau an den Ort ihrer Bestimmung lotsen. 2022 kehrt der Stipendiat für ein Jahr an die Medizinische Universität in Innsbruck zurück, um das Projekt abzuschließen. Das Projekt trägt also zusätzlich zur internationalen Vernetzung bei.

    Das Erwin-Schrödinger-Stipendium ist ein ehrenvolles Auslands-Stipendium, das in Österreich an junge hochqualifizierte Forscher*innen vergeben wird. Es fördert die Mitarbeit an führenden Forschungseinrichtungen im Ausland sowie den Erwerb von Auslandserfahrung in der Postdoc-Phase.


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