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11/20/2020 11:33

Zwischen Ambivalenz und Zuversicht

Julia Wandt Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Konstanz

    Die erste von der Universität Konstanz und dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) durchgeführte bundesweit angelegte Befragung von Studierenden zum digitalen Sommersemester 2020 legt nahe, dass die kurzfristige Umstellung auf den digitalen Lehrbetrieb aus Studierendensicht grundsätzlich gelungen ist. Potenzial für Verbesserungen gibt es dennoch.

    Die Arbeitsgruppe Hochschulforschung der Universität Konstanz hat gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in Hannover eine bundesweit angelegte Befragung zum digitalen Sommersemester 2020 durchgeführt.

    Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Online-Befragung „Studieren in Zeiten der Corona-Pandemie“, wurde vom 15. Juni bis zum 10. August 2020 durchgeführt und umfasst Rückmeldungen von etwa 25.000 Studierenden an insgesamt 23 deutschen Hochschulen. Die erste daraus veröffentliche Studie bezieht sich auf die digitale Studien- und Lehrsituation von Studierenden. Die Auswertungen zeigen, dass die Umstellung auf den digitalen Lehrbetrieb zwar insgesamt gelungen ist, spiegeln jedoch auch Ambivalenz unter den Studierenden wider: So schätzen zum Beispiel viele der Befragten die zeitliche Flexibilität, die digitale Lehrformate ermöglichen, geben aber auch an, den Kontakt zu ihren Mitstudierenden und Lehrenden zu vermissen oder zu befürchten, dass sich die Studienzeit aufgrund der Pandemie verlängert.

    Erstmals systematische Erhebung von Daten
    Im Gegensatz zu bisherigen überwiegend kleineren Erhebungen zum digitalen Sommersemester liefert die nun veröffentlichte bundesweit angelegte Studie grundlegende Erkenntnisse über den digitalen Lehrbetrieb im Sommersemester 2020, die auch Impulse für die Zukunft setzen können. „Wir können durch die Rückmeldungen relativ detailliert nachvollziehen, wie die Studierenden die Möglichkeiten und Nachteile des digitalen Lehr- und Studienangebotes wahrgenommen haben“, sagt Dr. Anna Marczuk, die gemeinsam mit Dr. Frank Multrus seitens der Universität Konstanz an der Studie beteiligt war. Beide gehören der Arbeitsgruppe Hochschulforschung am Fachbereich Soziologie der Universität Konstanz an.

    Gelungene Umstellung, Potenzial für Verbesserung bei der Umsetzung
    Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten fest, dass die deutliche Mehrheit der Studierenden ihr Studium trotz kurzfristiger Umstellung auf den digitalen Lehrbetrieb planmäßig fortführen konnte. Die Mehrzahl der Studierenden (knapp 95%) berichtete, dass entweder alle oder mehr als die Hälfte der Veranstaltungen online durchgeführt wurden, nur bei wenigen Studierenden fielen alle oder ein Großteil der Lehrveranstaltungen hingegen ersatzlos aus.

    Auch die Nutzbarkeit des digitalen Lehrangebotes wurde als positiv bewertet: 86 Prozent der Studierenden hatten keine oder geringe Probleme, an der virtuellen Lehre teilzunehmen, wobei einige ihre Wohnsituation und Internetverbindung eher für ungeeignet hielten. Insbesondere Videokonferenzen waren weit verbreitet, deutlich seltener wurden hingegen Audio- oder Videoaufzeichnungen zur Verfügung gestellt. Während die generelle Zufriedenheit mit dem digitalen Lehrangebot bei etwa 50 Prozent lag, war jede oder jeder Dritte sehr oder eher unzufrieden damit, wie die digitale Lehre konkret umgesetzt wurde.

    Ähnlich durchwachsenes Feedback gab es hinsichtlich der digitalen Kompetenzen von Lehrenden: Grundsätzlich zeigten sich die Studierenden eher zufrieden, meldeten jedoch Entwicklungsbedarf an. Weniger positiv wurden insbesondere die Prüfungsvorbereitung und die Durchführung digitaler Prüfungen bewertet: Nur 24 Prozent der Befragten fühlten sich sehr gut oder gut vorbereitet, 46 Prozent gar nicht oder eher nicht gut vorbereitet; ebenso waren mehr Studierende unzufrieden als zufrieden mit der Durchführung von Online-Prüfungen.

    Vorsichtige Zuversicht
    Positives zeigte die Studie hinsichtlich der Gruppe der Studienanfängerinnen und -anfänger: So bewerteten diejenigen, die sich während des Sommersemesters noch am Anfang ihres Studiums befanden, das digitale Semester nicht nennenswert anders, als die bereits Fortgeschritteneren. Davon, dass sich die Corona-Pandemie langfristig auf ihr Studium auswirken wird, gehen allerdings viele der Befragten aus: 47 Prozent hielten es für wahrscheinlich oder eher wahrscheinlich, dass sich ihre Studienzeit aufgrund der Corona-Pandemie verlängern würde. Über einen Studienabbruch hingegen haben sich im digitalen Sommersemester 2020 nur etwa vier bis acht Prozent der Studierenden sehr häufig oder häufiger Gedanken gemacht oder diesen für wahrscheinlich gehalten.

    „Die Daten zum Studienabbruch lassen sich allerdings nur schwer einordnen“, erklärt Anna Marczuk. „Für einen aussagekräftigen Vergleich mussten wir Datenquellen aus anderen Befragungen heranziehen und kommen so nur zu einem indirekten Ergebnis. Demnach war ein Studienabbruch für Studierende im Sommersemester 2020 jedoch nicht häufiger Thema als im Sommersemester 2016. Bei aller gebotenen Vorsicht können wir daher festhalten, dass vermutlich mit keiner deutlichen Erhöhung der Studienabbruchsquote zu rechnen ist. Das müssen wir zu gegebener Zeit aber erst noch mit statistischen Mitteln überprüfen.“

    Im nächsten Schritt planen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler außerdem, die während der Studie erhobenen Daten auch mit Blick auf erweiterte Fragestellungen – wie zum Beispiel die Erwerbssituation von Studierenden – auszuwerten und so ein möglichst umfassendes Bild von der Situation der Studierenden in der Corona-Pandemie zu gewinnen.

    Faktenübersicht:
    - Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Arbeitsgruppe Hochschulforschung an der Universität Konstanz und des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in Hannover stellen erste Befunde zum digitalen Sommersemester 2020 aus der bundesweit angelegten Studierendenbefragung vor.
    - Online-Befragung von fast 25.000 Studierenden an 23 Hochschulen, durchgeführt zwischen dem 15. Juni und 10. August 2020.
    - Im Fokus der Studie stand die digitale Studien- und Lehrsituation von Studierenden.
    - Die Studie zeigt, dass die kurzfristige Umstellung auf den digitalen Lehrbetrieb grundsätzlich gelungen ist, weist jedoch in verschiedenen Bereichen, zu denen die Studierenden Feedback gegeben haben, auf Potenzial für weitere Verbesserungen hin.
    - Ausführliche Ergebnisse in der Originalveröffentlichung: Lörz, M., Marczuk, A., Zimmer, L., Multrus, F., & Buchholz, S. (2020). Studieren unter Corona-Bedingungen: Studierende bewerten das erste Digitalsemester. (DZHW Brief 5|2020). Hannover: DZHW. URL: https://doi.org/10.34878/2020.05.dzhw_brief
    - Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

    Hinweis an die Redaktionen:
    Ein Foto kann im Folgenden heruntergeladen werden: https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2020/Bilder/zwischen_ambival...

    Bild: Universität Konstanz

    Kontakt:
    Universität Konstanz
    Kommunikation und Marketing
    Telefon: +49 7531 88-3603
    E-Mail: kum@uni-konstanz.de

    - uni.kn


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    attachment icon PI Nr. 118/2020, Zwischen Ambivalenz und Zuversicht

    Criteria of this press release:
    Journalists
    interdisciplinary
    transregional, national
    Research projects, Science policy
    German


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