idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
11/21/2007 12:46

DEGAM gegen das aktive Anbieten von IGeL

Wolfgang Müller M.A. / Dr. I. Otterbach (DEGAM) AWMF Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

    Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) steht als wissenschaftliche Fachgesellschaft hinter der Zielsetzung der Weltgesundheits-Organisation (WHO), dass der Zugang zur primärärztlichen Versorgung möglichst schrankenlos zu erhalten ist. Hausärzte stehen unmittelbar an der Seite ihrer Patienten und deren Familien, daher sind sie in besonderem Maß Anwälte einkommensschwacher und anderweitig bedürftiger Menschen. Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) müssen gesondert bezahlt werden und sind somit nicht für alle verfügbar. Sie suggerieren, das System der Gesetzlichen Krankenversicherung garantiere nur eine Art Billig-Medizin - für das Gute müsse man jedoch extra zahlen. Wer arm ist und das Geld dafür nicht aufbringen kann, muss den Eindruck bekommen, von einer vollwertigen Versorgung ausgeschlossen zu werden.

    Die DEGAM positioniert sich gegen eine Medikalisierung der Gesellschaft. Die Vermeidung von Chronifizierung als wichtiges Ziel hausärztlicher Betreuung zieht sich wie ein roter Faden durch die evidenzbasierten Leitlinien der DEGAM zu häufigen Beratungsanlässen wie z.B. Müdigkeit oder Kreuzschmerzen. Wissenschaftlich nicht begründete IGeL-Angebote zementieren hingegen eine Fixierung der Patienten auf körperliche Leiden und führen zu bzw. verstärken eine Chronifizierung.

    IGeL-Angebote erzeugen eine eigene Nachfrage und können eine vertrauensvolle Arzt-Patient-Beziehung gefährden - vor allem dann, wenn der Patient sich nicht mehr sicher sein kann, ob es seinem Arzt um die Lösung der gesundheitlichen Probleme oder um eine zusätzliche Einkommens-Quelle geht. Durch das Auftreten des Arztes als Kaufmann wird dem professionellem Arztbild, zu dem auch finanzielle Unabhängigkeit in der Entscheidungsfindung für den Patienten gehört, grundlegender Schaden zugefügt.

    Die DEGAM fördert mit ihren Leitlinien die Verbreitung einer Medizin, deren Nutzen wissenschaftlich belegt ist (evidence-based medicine). Werden IGeL angeboten, für die kein Nutzen belegt ist oder die sogar schaden können, kommt ein besonderes ethisches Problem hinzu: Hier müsste der ratsuchende Patient obligate Informationen über mögliche Schäden oder fehlenden Nutzennachweis erhalten. Aufgrund der kommerziell bedingten Konfliktlage ist kaum zu erwarten, dass ärztliche Anbieter eine solche Auskunft tatsächlich erteilen.

    Spezielle ärztliche Leistungen mit nachgewiesenem Nutzen, wie z.B. die Beratung vor Fernreisen, wurden seit jeher von der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht übernommen. Diese Angebote können und sollen nachfragende Patienten auch weiterhin erhalten. Voraussetzung für einen verantwortungsvollen Umgang damit ist jedoch:
    * Die entsprechenden Leistungen sind belegt und halten einer kritischen Überprüfung stand.
    * Es darf nicht dafür geworben werden, und es sollen keine falschen Erwartungen geweckt werden.
    * Patienten müssen eine angemessene Informations- und Bedenkzeit haben.
    * Die Aufklärung umfasst auch die finanziellen Aspekte eines solchen Angebotes.

    (2.987 Zeichen) November 2007


    Pressekontakt:
    Dr. Isabelle Otterbach
    Institut für Allgemeinmedizin
    Johann Wolfgang Goethe-Universität
    Theodor-Stern-Kai 7
    60590 Frankfurt am Main
    Telefon: 069-6301-7173
    Fax: 069-6301-6428
    E-Mail: otterbach@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de
    Homepage: http://www.degam.de


    Images

    Criteria of this press release:
    Law, Medicine, Nutrition / healthcare / nursing, Politics, Social studies
    transregional, national
    Science policy, Scientific Publications
    German


     

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).