Begabungen von Roma-SchülerInnen bleiben von Seiten der LehrerInnen oft unbeachtet. Der Bildungswissenschafter Mikael Luciak von der Universität Wien untersucht in einem aktuellen EU-Projekt die Situation von Roma-SchülerInnen in Wiener Klassenzimmern.
Generell ist das Wissen der österreichischen Mehrheitsgesellschaft über zugewanderte Roma, über ihre Kultur und sprachliche Situation relativ gering. "Roma-SchülerInnen mit Migrationshintergrund sind oft vielsprachig. Doch viele sind sich der sprachlichen Kompetenzen der SchülerInnen nicht bewusst. Außerdem werden in Österreich Fremdsprachen wie Serbisch oder Rumänisch sowie auch Minderheitensprachen wie Romanes häufig als weniger wichtig angesehen", erklärt Dr. Mikael Luciak vom Institut für Bildungswissenschaft.
Eines der Hauptziele des EU-Projekts "Teacher In-Service Training for Roma Inclusion (INSETRom)", das vor rund einem Jahr in acht EU-Ländern startete, ist es, Vorurteile gegenüber Roma abzubauen. "Die Schule muss sich mehr öffnen, um Roma-SchülerInnen besser in den Schulalltag zu integrieren. LehrerInnen sollten im Unterricht verstärkt deren Geschichte und Kultur aufgreifen", wünscht sich Bildungswissenschafter Luciak.
Angst vor Stigmatisierung
Um dieses Ziel erreichen zu können, müsse bei der LehrerInnenfortbildung angesetzt werden, sagt Mikael Luciak, "denn in der LehrerInnenausbildung kommt diese Thematik nach wie vor zu kurz, und das, obwohl in Österreich bereits seit Jahrhunderten verschiedene Roma-Gruppen leben. Die LehrerInnen haben oftmals Hemmungen, die Roma-Thematik anzusprechen. Zum einen, weil ihnen das Wissen und die Ausbildung dazu fehlen, zum anderen, weil es nach wie vor viele Roma-SchülerInnen gibt, die aus Angst vor gesellschaftlicher Stigmatisierung nicht über ihre Volksgruppenangehörigkeit sprechen. Um dem gegenzusteuern, müssen wir ein Klima der Anerkennung schaffen." Aber wie kann die Geschichte und Kultur der Roma - die ja keine homogene Gruppe darstellen - im Schulunterricht am besten vermittelt werden?
Training für LehrerInnen
Um diese Frage beantworten zu können, hat die Projektgruppe um Luciak zunächst mittels qualitativer Interviews die Bedürfnisse der Roma-SchülerInnen, deren Eltern sowie der LehrerInnen erhoben. Im Anschluss wurde ein Training für LehrerInnen organisiert, damit diese die Erkenntnisse aus der Studie im Unterricht in die Praxis umsetzen können. Dabei waren auch ExpertInnen aus den Roma- Gemeinschaften eingebunden.
Misstrauen abbauen
"Es ist wichtig, eine Vertrauensbasis zwischen Schule und Eltern der Roma-SchülerInnen herzustellen, da diese aufgrund der historischen und gegenwärtigen Erfahrungen dem Schulsystem oft skeptisch gegenüberstehen. Die Einbindung von Roma-MuttersprachenlehrerInnen und Roma-AssistentInnen als VermittlerInnen kann diesen Prozess begünstigen. Die Erfahrungen im Rahmen des Projekts haben gezeigt, dass die Eltern es durchaus begrüßen, wenn im Unterricht Roma-spezifische Themen aufgegriffen werden", erklärt Luciak abschließend.
Kontakt:
Mag. Dr. Mikael Luciak
Institut für Bildungswissenschaft
Universität Wien
1010 Wien, Universitätsstraße 7
T +43-1-4277-468 05
mikael.luciak@univie.ac.at
Rückfragehinweis:
Mag. Alexandra Frey
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 31
alexandra.frey@univie.ac.at
http://www.univie.ac.at/175 Medienservice der Universität Wien mit Foto-Download
Mikael Luciak
Source: Universität Wien
Criteria of this press release:
Teaching / education
transregional, national
Research projects
German

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