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10/16/2009 12:52

Warum so viele Philosophen Tragödien bevorzugen

Bernd Frye Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

    Prof. Dmitri Nikulin von der New Yorker 'New School' erläutert am 26. Oktober im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität sein Interesse an Komödien

    FRANKFURT "Philosophen haben viel über Tragödien geschrieben, aber nur sehr wenig über Komödien. Der Grund dafür ist an sich schon wieder eine interessante philosophische Frage", sagt Prof. Dmitri Nikulin von der New School for Social Research in New York. Der Philosoph ist zurzeit Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität. Als einer der wenigen Vertreter seines Fachs beschäftigt er sich mit dem Verhältnis von Komödie und Philosophie. Einen Einblick gibt Nikulin in dem

    Vortrag: "The Comedy of Philosophy"
    am: Montag, 26. Oktober 2009, um 18.00 Uhr
    Ort: Forschungskolleg Humanwissenschaften,
    Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg

    Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen. Um eine kurze Anmeldung wird gebeten.

    Die Tatsache, dass sich Philosophen weitaus mehr Gedanken über die Tragödie als über die Komödie gemacht haben, scheint nicht zufällig zu sein. Denn die Tragödie ähnelt in ihrer Struktur einem Menschenbild, wonach ein isoliertes Subjekt einsam und unausweichlich dem Tode entgegengeht. Heidegger beispielsweise sprach vom "Sein zum Tode". Die Komödie ist lebensbejahend. Sie kann als eine dezidiert dialogische und auch philosophische Form gedeutet werden.

    Prägend für die Komödie ist, dass hier nicht ein isoliertes Subjekt im Mittelpunkt steht, sondern das Zusammenspiel vieler Akteure. Die Handlung strebt dabei - nach allen unausweichlichen Komplikationen - einer Auflösung des Konflikts und einem versöhnlichen Ende zu. Die Komödie steht für ein Miteinander und einen gegenseitigen Austausch in einem gelingenden Leben. Die Struktur der Komödie korrespondiert in der Philosophie mit der Entwicklung eines wohldurchdachten Gedankens im Dialog.

    Dmitri Nikulin verweist in seinem Vortrag, den er überwiegend in englischer Sprache hält, auf beispielhafte Komödien - von griechischen Dichtern der Antike über Shakespeare bis zu modernen Autoren. Die Einführung und Moderation übernimmt Prof. Rainer Forst, selbst Philosoph, Direktoriumsmitglied des Forschungskollegs und Co-Sprecher des Frankfurter Exzellenzclusters 'Die Herausbildung normativer Ordnungen'. Der Forschungsaufenthalt Nikulins wird aus Fördermitteln der Gerda und Alfons Kassel Stiftung Frankfurt am Main finanziert.

    Als Fellow am Bad Homburger Kolleg widmet sich Dmitri Nikulin vor allem seinem aktuellen geschichtsphilosophischen Projekt. Es geht um die Strukturen, die die Geschichtsüberlieferung kennzeichnen, und um die Bedeutung von Geschichte für die Gegenwart. Geschichte, so Nikulin, ordnet und interpretiert die Vergangenheit jeweils in Bezug auf die Gegenwart. Diese Vorgehensweise trägt Züge einer Erzählung und ist somit stark narrativ geprägt und dialogbetont. Dabei gibt es durchaus Berührungspunkte zur Komödie. "Menschen mögen Komödien, weil sie gut enden", so Nikulin. "Und sie möchten die Geschichte gerne als eine Art Komödie sehen, die trotz aller furchtbaren Geschehnisse ihren Sinn hat und einem guten Ende entgegenstrebt."

    Dmitri Nikulin hat in Moskau Mathematik und Philosophie studiert. Zahlreiche Forschungsaufenthalte und Gastprofessuren führten ihn unter anderem nach Essen, Heidelberg und Tübingen sowie nach Oslo, Reykjavik, Santiago de Chile, Neapel und Paris. Seit 1995 lehrt er Philosophie an der Fakultät für Politik- und Sozialwissenschaften der New School for Social Research in New York.

    Anmeldung: Beate Sutterlüty, Forschungskolleg Humanwissenschaften, 06172/13977-15, b.sutterluety@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

    Informationen: Bernd Frye, Pressereferent Forschungskolleg Humanwissenschaften, Tel. 06172/13977-14, frye@forschungskolleg-humanwissenschaften.de, http://www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

    Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt am Main. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit über 50 seit 2000 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigte sie sich als eine der forschungsstärksten Hochschulen.

    Herausgeber: Der Präsident
    Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
    60054 Frankfurt am Main
    Redaktion: Dr. Olaf Kaltenborn, Abteilungsleiter
    Telefon (069) 798 - 2 39 35, Telefax (069) 798 - 2 85 30,
    E-Mail kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de
    Internet: www.uni-frankfurt.de


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    Prof. Dmitri Nikulin
    Prof. Dmitri Nikulin
    Source: Foto: Goethe-Universität


    Criteria of this press release:
    Language / literature, Media and communication sciences, Music / theatre, Philosophy / ethics
    transregional, national
    Miscellaneous scientific news/publications
    German


     

    Prof. Dmitri Nikulin


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