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04/23/2014 09:37

Raben verstehen die Beziehungen anderer Raben

Veronika Schallhart Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien

    Kognitionsbiologe Thomas Bugnyar und sein Team von der Universität Wien zeigen, dass Kolkraben fähig sind, die Beziehungen anderer Raben zueinander einzuschätzen – eine Fähigkeit, die bis dato nur von Primaten bekannt war. Wie viele sozial lebende Tiere zeigen Raben unterschiedliche soziale Beziehungen – sie können Freunde, Verwandte oder Paarpartner haben und sie bilden strikte Dominanzhierarchien. Ein Verständnis für die Beziehungen, die andere Gruppenmitglieder untereinander haben, ermöglicht eine noch wesentlich flexiblere Vorgehensweise, da nun strategische Einsichten möglich sind. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications publiziert.

    Eine Gruppe um Thomas Bugnyar vom Department für Kognitionsbiologie an der Universität Wien testete das Verständnis für Beziehung anderer an zwei Gruppen von Raben. Mittels akustischer Playbacks wurde einzelnen Vögeln die Interaktion von zwei anderen Raben simuliert, wobei diese Interaktion entweder mit der existierenden Ranghierarchie übereinstimmte oder eine Rangverschiebung andeutete (ein niederrangiges Tier dominiert ein höherrangiges Tier). Im letzteren Fall reagierten die Raben mit verstärkten Erkundungs- und Stressverhalten wie Kopfdrehen und Schütteln, was darauf schließen lässt, dass ihre Erwartung, wie die Dominanzverhältnisse sein sollten, erschüttert worden ist. Ähnlich wie Primaten scheinen Raben daher die Rangbeziehungen zwischen Gruppenmitgliedern zu verstehen.

    Interessanterweise fanden die Forscher heraus, dass Raben nicht nur auf die simulierten Rangverschiebungen in ihrer eigenen Gruppe, sondern auch auf jene der Nachbargruppe reagierten. Dies führt zum Schluss, dass Raben rein auf der Basis von Beobachtungen anderer auf deren Beziehungen schließen können. Zudem erbringen diese Ergebnisse den erstmaligen Nachweis, dass Tiere sich für Beziehungen anderer interessieren können, auch wenn diese Beziehungen sie nicht unmittelbar betreffen.

    Der Erstautor der Arbeit, Jorg Massen, zieht einen Vergleich zur populären TV-Serie "Die Sopranos": "Wenn Tony Blundetto sich über Tony Soprano lustig macht, registrieren wir als Zuschauer sofort, dass dies nicht gemäß der Rangverhältnisse in der Sopranofamilie ist. Wir ziehen diesen Schluss nicht durch Vergleiche von unserem eigenen Rang mit denen der beiden Tonys, sondern haben eine geistige Repräsentation der Rangverhältnisse der handelnden Personen", so Jorg Massen weiter: "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass auch Raben das können. Nachdem die Vögel in unserem Experiment nie mit der Nachbarsgruppe in physischem Kontakt waren, sondern dessen Mitglieder nur hören und sehen konnten, deuten die Ergebnisse daraufhin, dass Raben auch geistige Repräsentationen über andere bilden", schließt Massen.

    Publikation in "Nature Communications":
    Massen, J.J.M., Pašukonis, A., Schmidt, J. & Bugnyar, T. (2014). Ravens notice dominance reversals among conspecifics within and outside their social group. In: Nature Communications, 5: 3679. Published online April 22, 2014.
    http://dx.doi.org/10.1038/ncomms4679

    Wissenschaftlicher Kontakt
    Jorg J.M. Massen, PhD
    Department für Kognitionsbiologie
    Universität Wien
    1090 Wien, Althanstraße 14
    T +43-699-1131 0182
    jorg.massen@univie.ac.at

    Rückfragehinweis
    Mag. Alexandra Frey
    Pressebüro der Universität Wien
    Forschung und Lehre
    1010 Wien, Universitätsring 1
    T +43-1-4277-175 33
    M +43-664-602 77-175 33
    alexandra.frey@univie.ac.at

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    More information:

    http://dx.doi.org/10.1038/ncomms4679 - Publikation in Nature Communications


    Criteria of this press release:
    Journalists
    Biology, Zoology / agricultural and forest sciences
    transregional, national
    Research projects, Research results
    German


    Interaktion zweier Raben


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