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05/12/2014 10:39

Biodiversität: Neue Schwarze Liste für eingeschleppte Arten

Veronika Schallhart Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien

    Die Verschleppung von Tier- und Pflanzenarten gehört zu den größten globalen Veränderungen und hat langfristige Konsequenzen: Die gebietsfremden Eindringlinge zerstören die Lebensräume der heimischen Flora und Fauna und verursachen damit langfristig einen Rückgang der biologischen Artenvielfalt. Mit der Erstellung einer globalen Schwarzen Liste invasiver Arten sollen die schlimmsten Schädlinge priorisiert und deren Bekämpfung vereinfacht werden. Diese Schwarze Liste ist das Resultat einer internationalen Zusammenarbeit, an der auch die Universität Wien und das Umweltbundesamt Österreich mitwirkten und die aktuell im renommierten Fachjournal PLOS Biology erschienen ist.

    Allein in Europa sind mehr als 13.000 gebietsfremde Arten bekannt, in Österreich sind es rund 2.000. Invasive Arten können in ihrer neuen Umgebung große Schäden anrichten, wie zum Beispiel heimische Organismen ausrotten, Nährstoff- und Wasserkreisläufe unterbrechen und natürliche Störungszyklen (z.B. Feuer) ändern. Solche Umweltschäden zu verhindern oder abzuschwächen, verschlingt große Teile der spärlich vorhandenen Mittel für den Naturschutz. Um effektive Regelungen für Prävention, Ausrottung und Kontrolle invasiver Arten entwerfen zu können, ist es wichtig zu wissen, welche Arten heute oder in Zukunft zu den schädlichsten gehören und welche keine großen Auswirkungen haben. Ein generelles Problem ist die Frage, wie man die enorme Palette an möglichen Schäden, die durch verschiedene invasive Artengruppen entstehen und sich in ihrer Komplexität sowie ihrer räumlichen und zeitlichen Ausdehnung stark unterscheiden können, vergleichen kann.

    Durch Vergleich zum Ziel

    Ein Team ausgewiesener ExpertInnen aus vier verschiedenen Kontinenten, darunter Franz Essl, Biodiversitätsforscher an der Universität Wien und dem Umweltbundesamt Österreich, hat in Zusammenarbeit mit der internationalen Naturschutzorganisation, der International Union for Conservation of Nature (IUCN), eine pragmatische Lösung zu diesem Problem erarbeitet: "Wir definierten verschiedene Szenarien von schädlichen Auswirkungen auf heimische Arten, die durch unterschiedliche Mechanismen verursacht werden. Die Szenarien beschreiben verschiedene Stärken von Schäden und sind so gestaltet, dass zunehmend höhere Schadenskategorien eine Zunahme in der Größenordnung der Auswirkungen reflektieren, z.B. Auswirkungen auf heimische Individuen, Populationen oder Lebensgemeinschaften", erklärt Franz Essl und ergänzt: "Dadurch kann die Höhe von Schäden, die durch verschiedene invasive Arten und unterschiedliche Mechanismen verursacht werden, direkt verglichen werden. Eine invasive Art, die so einer höheren Schadenskategorie zugeordnet wird, fügt der Umwelt damit einen höheren Schaden zu als Arten niederer Schadenskategorien, unabhängig vom Mechanismus."

    Gut gerüstet dank Schwarzer Liste

    Das entworfene Schema ermöglicht die Anordnung von invasiven Tier- und Pflanzenarten entsprechend der Höhe des von ihnen verursachten Schadens und damit die Erstellung einer so genannten Schwarzen Liste von schädlichen gebietsfremden Arten. Das Schema entspricht in seiner Struktur und Logik der weithin anerkannten Roten Liste der IUCN zur Kategorisierung der vom Aussterben bedrohten Arten. Wie auch die Rote Liste kann die Schwarze Liste eingesetzt werden, um Arten mit hohem Handlungsbedarf zu identifizieren, wie dies von internationalen Abkommen zur Bedrohung der Biodiversität verlangt wird. Die Liste kann damit sowohl als Basis zur Priorisierung dienen, aber auch weiterentwickelt werden zu einem formalen Indikator der Fortschritte in Richtung der erreichten EU-Biodiversitätsziele zur Identifizierung und zum Management von prioritären invasiven Arten und ihren Invasionswegen.

    Publikation in PLOS Biology:
    Blackburn TM et al. (2014): A Unified Classification of Alien Species Based on the Magnitude of their Environmental Impacts. PLoS Biology 12(5): e1001850.
    http://dx.doi.org/10.1371/journal.pbio.1001850

    Wissenschaftlicher Kontakt
    Dr. Franz Essl
    Department für Botanik und Biodiversitätsforschung
    Universität Wien
    1030 Wien, Rennweg 14/1
    M +43-676-6091638
    franz.essl@univie.ac.at

    Rückfragehinweis
    Mag. Veronika Schallhart
    Pressebüro der Universität Wien
    Forschung und Lehre
    1010 Wien, Universitätsring 1
    T +43-1-4277-175 30
    M +43-664-602 77-175 30
    veronika.schallhart@univie.ac.at

    Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 15 Fakultäten und vier Zentren arbeiten rund 9.700 MitarbeiterInnen, davon 6.900 WissenschafterInnen. Die Universität Wien ist damit auch die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 92.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit über 180 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. Die Universität Wien ist auch eine bedeutende Einrichtung für Weiterbildung in Österreich. 1365 gegründet, feiert die Alma Mater Rudolphina Vindobonensis im Jahr 2015 ihr 650-jähriges Gründungsjubiläum. www.univie.ac.at


    Criteria of this press release:
    Journalists
    Biology, Environment / ecology
    transregional, national
    Research projects, Research results
    German


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