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12/04/2017 21:00

Welche Pflanzenarten aus Europa andere Kontinente besiedeln

Stephan Brodicky Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien

    Immer mehr Pflanzenarten werden durch den Menschen in neue Gebiete eingeschleppt. Häufig ist aber unklar, welche Faktoren darüber entscheiden, ob sich Pflanzen woanders dauerhaft ansiedeln können. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung von Franz Essl vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien zeigt nun erstmals, wie die Bindung an unterschiedliche Lebensräume die vom Menschen verursachte Ausbreitung europäischer Pflanzenarten auf andere Kontinente steuert. Die Forschungsergebnisse erscheinen aktuell im renommierten Wissenschaftsjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences".

    Mehrere Studien in den letzten Jahren haben eindrücklich gezeigt, dass die Ausbreitung von Tier- und Pflanzenarten durch den globalen Handel in den letzten Jahrzehnten massiv zugenommen hat. So sind bis heute weltweit über 13.000 Pflanzenarten vom Menschen in andere Regionen verbracht worden, davon stammen immerhin über 2.500 aus Europa. Zum Vergleich: In ganz Europa sind nur etwa 12.000 Pflanzenarten heimisch, in Österreich sind es etwa 3.000 Spezies.

    "Wir haben zum ersten Mal umfassend die Rolle der Bindung von Pflanzen an unterschiedliche Lebensräume im Heimatgebiet für ihre Ausbreitung untersucht. Unsere Hypothese war, dass dieser Faktor entscheidend für die Verbringung von Pflanzenarten ist", erklärt Franz Essl von der Universität Wien. Das internationale ForscherInnenteam hat das Vorkommen für alle aus Europa stammenden über 2.500 Pflanzenarten, die bislang auf andere Kontinente verschleppt wurden, in verschiedenen Lebensräumen dokumentiert. In der Folge untersuchten sie, ob die Ausbreitung in anderen Kontinenten für Pflanzenarten bestimmter Lebensräume besonders stark war.

    Das Ergebnis der Studie war eindeutig. Jene Arten, die in Europa in stark vom Menschen veränderten Lebensräumen wie Äckern, Brachflächen und "Gstätten" in Städten vorkommen, waren äußerst erfolgreich bei der Eroberung anderer Kontinente. Mehr als 40 Prozent der in Europa in diesen Lebensräumen vorkommenden Pflanzenarten sind mittlerweile auf andere Kontinente verschleppt worden.

    "Im Zuge der Kolonialisierung anderer Erdteile haben Europäer viele Pflanzen in andere Erdteile 'exportiert'. Dies geschah oft unabsichtlich – etwa mit verunreinigtem Saatgut", erläutert Franz Essl. Und er ergänzt: "Pflanzenarten, die in Europa schon in vom Menschen veränderten Lebensräumen heimisch waren, hatten dabei einen Startvorteil: Sie wurden öfters verschleppt und fanden in den neu zu besiedelnden Regionen ideale Lebensbedingungen vor". Diese Studie zeigt, dass die biologische Globalisierung manche Pflanzenarten besonders begünstigt – nämlich solche, die es geschafft haben, vom Menschen geschaffene Lebensräume zu erobern.

    Publikation in "Proceedings of the National Academy of Sciences":
    Kalusova V, Chytry M, van Kleunen M, Mucina L, Dawson W, Essl F, Kreft H, Pergl J, Weigelt P, Winter M, Pyšek P (2017) "Naturalization of European plants on other continents: the role of donor habitats". Proceedings of the National Academy of Sciences.

    Wissenschaftlicher Kontakt
    Mag. Dr. Franz Essl
    Department für Botanik und Biodiversitätsforschung
    Universität Wien
    1030 Wien, Rennweg 14/1
    M +43-676-6091638
    franz.essl@univie.ac.at

    Rückfragehinweis
    Mag. Alexandra Frey
    Pressebüro der Universität Wien
    Forschung und Lehre
    1010 Wien, Universitätsring 1
    T +43-1-4277-175 33
    M +43-664-602 77-175 33
    alexandra.frey@univie.ac.at

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    Criteria of this press release:
    Journalists
    Biology, Environment / ecology, Oceanology / climate
    transregional, national
    Research results, Scientific Publications
    German


    Der Wegerichblättrige Natternkopf ist im südlichen Europa heimisch und bestens an vom Menschen geschaffene Lebensräume angepasst.


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