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11/23/2018 10:18

Psychologen untersuchen Persönlichkeit von Millionären und Allgemeinbevölkerung

Dr. Christina Heimken Presse- und Informationsstelle
Westfälische Wilhelms-Universität Münster

    Eine neue Forschungsarbeit zeigt: Millionäre sind emotional stabiler, leistungsorientierter und narzisstischer als der Durchschnittsbürger. Stereotype über Millionäre in der Bevölkerung spiegeln diese Persönlichkeitsunterschiede wider – jedoch in übertriebener Form. Die Studie von Psychologen der Universitäten Mainz und Münster und Ökonomen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ist im Fachblatt „British Journal of Psychology“ erschienen.

    Millionäre sind emotional stabiler, leistungsorientierter und narzisstischer als der Durchschnittsbürger. Existierende Stereotype über Millionäre in der Allgemeinbevölkerung spiegeln diese tatsächlichen Persönlichkeitsunterschiede wider – jedoch in übertriebener Form. Das sind zwei der wesentlichen Ergebnisse einer aktuellen Studie von Psychologen der Universitäten Mainz und Münster sowie Ökonomen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, die im Fachblatt „British Journal of Psychology“ erschienen ist.

    Das Team um die beiden Wissenschaftler Jun.-Prof. Dr. Marius Leckelt (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) und Prof. Dr. Mitja Back (Westfälische Wilhelms-Universität Münster) ging den Fragen nach, ob Millionäre anders als der Durchschnittsbürger denken und handeln, an welchen Stellen ihr Persönlichkeitsprofil möglicherweise von der Norm abweicht und wie sehr dies mit existierenden Stereotypen über Millionäre korrespondiert. In ihrer Untersuchung konzentrierten sie sich dabei auf die sogenannten „Big Five“ – die grundlegenden Persönlichkeitseigenschaften Neurotizismus, Extraversion, Offenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit – sowie die spezifischeren Eigenschaften Narzissmus und Kontrollüberzeugungen.

    „Über die Persönlichkeit von Millionären und anderen gutsituierten Personen gibt es viele Meinungen“, erläutert Marius Leckelt. „Untersuchungen, die solche Persönlichkeitsunterschiede auf repräsentativer empirischer Basis und bei wirklichen Millionären erforschen, gab es aber bislang noch nicht.“

    In ihrer Studie machten sich die Forscher eine in dieser Form einzigartige Befragung von Millionären („Hochvermögende in Deutschland“; HViD) sowie bevölkerungsrepräsentative Daten des Sozio-oekonomischen Panel (SOEP, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) und des „Programme for the International Assessment of Adult Competencies“ (PIAAC-L) zunutze. Die Kombination dieser Datenquellen erlaubte es, Millionäre und die Allgemeinbevölkerung durch die gleichen etablierten Testverfahren direkt zu vergleichen. Die Ergebnisse zeigten, dass sich Millionäre auch nach Kontrolle der Geschlechterverteilung, des Alters und der Bildung von der Allgemeinbevölkerung unterschieden: Sie waren extravertierter, leistungsorientierter und strebten stärker nach narzisstischer Bewunderung. Darüber hinaus waren sie weniger stressanfällig und waren stärker als die Normalbevölkerung der Überzeugung, die Kontrolle über das eigene Leben zu haben.

    Um zu erforschen, wie diese Unterschiede mit den in der Allgemeinbevölkerung bestehenden Stereotypen korrespondieren, erhoben die Forscher eine weitere Stichprobe mit Hilfe des „PsyWeb“-Panels (psyweb.uni-muenster.de), in der die Befragten Informationen dazu gaben, wie sie denken, dass sich Millionäre von der Allgemeinbevölkerung unterscheiden. Der Vergleich mit den tatsächlich erfassten Persönlichkeitsunterschieden zeigte, dass existierende Meinungen über Millionäre einen wahren Kern beinhalten, Unterschiede zur Normalbevölkerung jedoch teilweise stark überschätzt werden. Beispielsweise wurden Millionäre als deutlich rivalisierender und weniger prosozial eingeschätzt als die Allgemeinbevölkerung, auch wenn diese Unterschiede tatsächlich gering waren.

    „Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass sich reiche Menschen nicht nur in ihrer finanziellen Ausstattung, sondern auch in ihrem Selbstbild von der Normalbevölkerung unterscheiden. Der Durchschnittsbürger ist sich dieser Unterschiede durchaus bewusst, nimmt sie aber in übertriebener Form wahr“, fasst Mitja Back die Ergebnisse zusammen. „Zukünftige Studien müssen unter anderem zeigen, inwiefern diese Unterschiede zum Reichtum beigetragen oder sich durch diesen entwickelt haben.“

    An der Studie beteiligt waren Jun.-Prof. Dr. Marius Leckelt (Johannes Gutenberg-Universität Mainz), Dr. David Richter (SOEP/DIW Berlin), Prof. Dr. Carsten Schröder (SOEP/DIW Berlin, Freie Universität Berlin), Dr. Albrecht Küfner (Westfälische Wilhelms-Universität Münster), Dr. Markus Grabka (SOEP/DIW Berlin) und Prof. Dr. Mitja Back (Westfälische Wilhelms-Universität Münster). Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales stellte die Daten der HViD-Studie bereit.


    Original publication:

    Leckelt M. et al. (2018): The rich are different: Unraveling the perceived and self-reported personality profiles of high net-worth individuals. British Journal of Psychology; https://doi.org/10.1111/bjop.12360


    More information:

    https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/bjop.12360 Onlineversion des Artikels
    https://psyarxiv.com/uw736 Preprintversion des Artikels
    https://psyweb.uni-muenster.de/ PsyWeb
    https://www.uni-muenster.de/PsyIFP/AEBack/members/mitja-back.html Prof. Dr. Mitja Back an der WWU
    https://www.ppd.psychologie.uni-mainz.de/jun-prof-marius-leckelt/ Jun.-Prof. Dr. Marius Leckelt an der JGU


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    Criteria of this press release:
    Journalists
    Psychology
    transregional, national
    Research results, Scientific Publications
    German


     

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