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08/20/2004 13:45

Zum Tode des Buchwissenschaftlers Dietrich Kerlen

Volker Schulte Stabsstelle Universitätskommunikation / Medienredaktion
Universität Leipzig

    Plötzlich und völlig unerwartet verstarb am 14. August 2004 der Leipziger Professor für Buchwissenschaft und Buchwirtschaft, Dietrich Kerlen. 1995 auf den damals mit Unterstützung des Börsenvereins des deutschen Buchhandels neu eingerichteten Lehrstuhl an der Universität Leipzig berufen, hat Professor Kerlen mit dessen Eingliederung in den Studiengang der Kommunikations- und Medienwissenschaften ein besonderes Leipziger Profil ausgeprägt. Es besteht darin, dass das Buch stets im Kontext neuerer Medien, medienwissenschaftlich und vergleichend untersucht wird und Forschung und Lehre neben der Buchtheorie auch die Buchwirtschaftslehre und Buchgeschichte umfassen. Dietrich Kerlen hat dieses an deutschen Universitäten singuläre Profil aufgrund seiner wissenschaftlichen und Verlagserfahrung kontinuierlich ausgebaut und zum Erfolg geführt, wie die Anzahl und der Berufseinstieg der Absolventen beweist. Neben seiner Lehrtätigkeit ist er auch als Herausgeber und Autor zahlreicher Publikationen hervorgetreten; allein im vergangenen Jahr erschienen zwei Bücher von ihm, eine Einführung in die Medienkunde und ein Lehrbuch der Buchverlagswirtschaft, davor eine Biographie Edgar Allen Poes.

    Dietrich Kerlen, Jahrgang 1943, studierte Theologie, Philosophie und Kunstgeschichte in Tübingen, Zürich, Heidelberg, Stuttgart und München, wurde mit einer Arbeit über Luther und Erasmus zum Dr. theol. promoviert und zum Dr. phil. mit einer Arbeit über die Kantsche Rechtsphilosophie. Danach war er 13 Jahre lang Lektor im Verlag Klett-Cotta Stuttgart und fünf Jahre Mitglied der Geschäftsleitung bei Bertelsmann/Gütersloher Verlagshaus.

    Wie Dietrich Kerlen als Hochschullehrer für eine Synthese von Theorie und Praxis stand, so verkörperte er in seiner Person auch die anregende Gleichzeitigkeit von Tradition und Modernität. Die Existenz seines Faches, der Buchwissenschaft, begründete er modern: Wissenschaften entstehen bzw. entwickeln sich zur Eigenständigkeit, wenn Selbstverständlichkeiten zuende gehen. Die Zeiten, erkannte er, sind vorbei, da das Buch oder die Bibliothek selbstverständliches, unersetzbares und fast monopolisiertes Instrumentarium des Wissenschaftsbereiches war. Mit der technischen Erfindung von digital vermittelnden Medien sah er eine neue Epoche angebrochen, vergleichbar Gutenbergs Buchdruck um 1450 oder der Schnelldruckpresse Friedrich Koenigs um 1810. Damit ergibt sich ein vermehrter Bedarf an Reflexion, was das Buch weiterhin unverzichtbar macht. Solche Reflexion mündete bei ihm in ein Credo wie dieses: ''Wichtig ist gesamtgesellschaftlich die Pflege der Lesekultur beim Nachwuchs, damit die private Bibliothek neben der Videothek erhalten bleibt. 'Lesekultur' ist aber nicht ideologisch-inhaltlich zu verstehen, sondern als Basiskompetenz für alle Lebensbereiche. Wer Langtexte liest, lebt ein lohnenderes Leben.''
    Die Universität Leipzig verliert einen renommierten Wissenschaftler und engagierten, auch als Mensch sehr geschätzten Hochschullehrer.


    Weitere Informationen:
    Prof. Dr. Rüdiger Steinmetz
    Telefon: 0341 97-35700
    E-Mail: ruediger.steinmetz@t-online.de
    www.uni-leipzig.de/~kmw


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    Criteria of this press release:
    Language / literature, Media and communication sciences
    transregional, national
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    German


     

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