Biologie: Bundesforschungsministerium fördert neues Forschungsprojekt
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) einen neuen, vielversprechenden Therapieansatz gegen Krebs. Das Team um Dr. Manuel Etzkorn will im Projekt „DNAmazing“ auf Grundlage sogenannter DNAzyme zusammen mit Prof. Dr. Philipp Lang vom Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) ein sehr zielgenaues Therapeutikum entwickeln und es in einem neu zu gründenden Unternehmen in klinische Studien bringen. Die Fördersumme beträgt 3,2 Millionen Euro für eine Zeitraum von zweieinhalb Jahren.
Trotz großer Fortschritte bei der Krebsbehandlungen in den letzten Jahrzehnten sind immer noch viele Krebsformen nicht heilbar, und viele Behandlungsmöglichkeiten weisen starke Nebenwirkungen auf. Auch moderne Therapien sind oft im Hinblick auf unzureichende Selektivität, Stabilität und Aktivität oder schwierige Verabreichungsformen begrenzt.
Hier setzt Dr. Manuel Etzkorn, Leiter der Heisenberg-Forschungsgruppe „Biophysikalische Chemie komplexer Systeme“ am Institut für Physikalische Biologie der HHU, im neuen Projekt „DNAmazing: Zukunftsweisende DNAzyme-Plattform für die Krebstherapie“ an, das seit Dezember vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Etzkorn: „Wir wollen eine neue therapeutische Strategie mithilfe der ‚DNAzyme‘ entwickeln. Sie sollen an viele Zielsysteme anpassbar sein und neue Behandlungswege eröffnen.“
DNAzyme – ein Kunstwort aus DNA und Enzym – sind hochpräzise, katalytisch aktive DNA-Sequenzen. Sie bestehen aus einem katalytischen Kern – mit dem ungewollte RNA-Sequenzen zerstört werden können – und rechts und links daran sitzenden kurzen Bindearmen. Mit diesen Armen können die DNAzyme sehr selektiv RNA-Zielstrukturen finden und sich daran festsetzen. Dies können zum Beispiel spezifische Sequenzen sein, die essentiell für das Wachstum eines Tumors, aber nicht für eine gesunden Zellen sind. Auf diesem Wege können die DNAzyme sehr selektiv Krebszellen angreifen und zerstören, ohne gesundes Gewebe zu beeinträchtigen.
In vorhergehenden Forschungsarbeiten lernte Etzkorn mit seinem Team, die Wirkungsweise von DNAzymen sehr genau zu verstehen und dabei auch Probleme zu umgehen, die bisher ihren Einsatz behinderten. Im Rahmen des Förderprogramms „GO-Bio next“ soll auf Basis einer etablierten DNAzym-Plattform der beste Kandidat für eine Therapie eines bisher unheilbaren Krebses ausgewählt werden. Dann soll mithilfe der Förderung ein Unternehmen gegründet werden, welches diesen Kandidaten in klinischen Studien testet.
Neben Dr. Etzkorn gehört Prof. Dr. Philipp Lang, Direktor des Instituts für Molekulare Medizin II am UKD, mir seiner Arbeitsgruppe zum Projektteam. Prof. Lang forscht mit in-vitro- und präklinischen Krebsmodellsystemen an der Immunantwort gegen Krebszellen, darunter Krebszellmodifikationen und Immunzellen-basierte Ansätze. „DNAzyme sind eine leistungsfähige Plattformtechnologie, mit der die Immunreaktion gegen Krebszellen potentiell beeinflusst werden kann. Wir erhoffen uns durch die Weiterentwicklung zukünftig eine neue Therapieoption für Krebspatienten“, meint Lang.
Weitere Unterstützung erhält das Projekt durch die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Holger Gohlke (Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie der HHU), welche Expertise im Bereich von Computersimulationen einbringt, sowie von der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Stephanie Kath-Schorr (Universität zu Köln) mit ihrer Expertise zu synthetischen DNA-Bausteinen. Ergänzt wird dieser Kreis durch das Berliner Unternehmen Pantherna Therapeutics, das auf Lipidnanopartikel für den klinischen Einsatz spezialisiert ist, sowie das Frankfurter Unternehmen BioSpring, welches auf die Herstellung von Oligonukleotiden spezialisiert ist.
Etzkorn: „Große Unterstützung erhalten wir zudem von der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIN-D), die die Umsetzung von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung mit hohem Translationspotenzial fördert. SPRIN-D hat das disruptive Potenzial unseres Ansatzes erkannt und berät uns beim Übergang zum klinischen Einsatz.“
Gründungsoffensive Biotechnologie
„GO-Bio next“ setzt auf dem im Jahr 2005 ins Leben gerufenen Vorgängerprogramm „GO-Bio“ auf, aus dem aus insgesamt 57 geförderten Projekten insgesamt 44 Unternehmensgründungen entstanden.
Das BMFTR hat das Förderformat weiterentwickelt: Um den Technologietransfer zu beschleunigen, wurden neue Elemente in Coaching- und Beratungsleistungen integriert, Auswahlrunden finden häufiger statt, und auch ein Direkteinstieg in die zweite Förderphase ist nun möglich.
Aus der ersten Auswahlrunde von „GO-Bio next“ werden sechs Projekte mit insgesamt rund 22,5 Millionen Euro gefördert, darunter DNAmazing. Weitere Auswahlrunden werden folgen.
Ausführliche Bildunterschrift:
Prinzip eines DNAzyms (rot) in der Krebstherapie: Das DNAzym koppelt mit seinen Bindearmen gezielt an den RNA-Strang (gelb) einer Krebszelle und zerstört diesen, so dass die Zelle zerstört wird. Auf dieser Grundlage will das Projekt DNAmazing eine Therapie entwickeln und in klinische Studien bringen.
https://www.go-bio.de/gobio/de/go-bio/go-bio-next/go-bio-next.html
Prinzip eines DNAzyms (rot) in der Krebstherapie. Ausführliche BU am Ende des Meldungstextes.
Copyright: HHU / Manuel Etzkorn
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars
Biology, Chemistry, Medicine
transregional, national
Research projects
German

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